Kein Fasnetsscherz: Auf der fast der ganzen Länge Stettener Ortsdurchfahrt gilt künftig Tempo 30. Ein Lärmgutachten hat dafür den Weg geebnet. Foto: Kost/Thomas Kost

Sie wird zwar nicht von Ortsschild zu Ortsschild reichen, aber fast. Stetten wird der erste Haigerlocher Teilort mit einer nahezu durchgängigen Tempo-30-Zone auf der Ortsdurchfahrt.

Schon im März des vergangenen Jahres hatten sich Stettener Bürger und Bürgerinnen in einem Treffen mit Landrat Günther-Martin Pauli klar positioniert: sie forderten vom Landrat Maßnahmen gegen die zunehmende Verkehrsbelastung ihrer Ortsdurchfahrt und eine Erweiterung der alten Tempo-30-Zone, weil Kraftfahrer nach ihrer Wahrnehmung viel zu schnell durch den Ort rasen. Bis zu dem Treffen galt in Stetten Tempo- 30 nämlich nur ein paar hundert Meter weit: von knapp unterhalb des Rathauses bis etwas oberhalb der Metzgerei Klingenstein.

 

Verbannung des Schwerlastverkehrs

Immerhin folgte die erste Reaktion auf den Fuß: einen Tag nach dem Treffen traten bereits installierte Schilder in Kraft, mit denen Schwerlastverkehr über einem Gesamtgewicht von mehr als 7,5 Tonnen aus dem Ort verbannt wurden (mit Ausnahme von Linienbussen und Anlieferverkehr).

Doch, wer damals gedacht hatte, mit dem Aufstellen von ein paar zusätzlichen Verkehrsschildern ist auch das Thema Geschwindigkeitsreduzierung gegessen, wurde enttäuscht: Zwar wurde die Tempo-30-Zone auf der Ortsdurchfahrt (K 7113) nach oben hin bis zur Einmündung des Friedhofsweges erweitert – mit den Einmündungen des Hölderlinweges und des Kreuzergärtles existieren dort noch zwei weitere unübersichtliche Stellen – nach unten raus ließ sich mit Unübersichtlichkeit nicht argumentieren, also blieb dort zunächst alles beim alten.

Hebel über die Lärmbelastung angesetzt

Der Hebel, der jetzt zum Erfolg führte, war nicht das Verkehrsaufkommen, sondern der Lärm: Ein vom Landkreis in Auftrag gegebenes Lärmschutzgutachten des Landkreises – Ortsvorsteher Julian Higi stellte es am Dienstag im Ortschaftsrat vor – ergab nämlich, dass die Grenzwerte (tags 66 Dezibel, nachts 56 Dezibel) nachts sowohl in der Stettener Straße (Stetten Nord) als auch in der Salinenstraße überschritten werden.

Allein im oberen Teil der Salinenstraße wurde festgestellt, dass in einem Bereich mit 34 Gebäuden bei zwölf der Lärmpegel nachts überschritten wird. Selbst wenn man Tempo 30 einführt, bleibt der Lärmwert vor fünf Gebäuden nachts trotzdem noch zu hoch – dort müsste man also über schalldichte Fenster nachdenken.

Schulwege spielen auch eine Rolle

Als zu treffende Maßnahme soll jetzt im oberen Teil Stettens die Tempo-30-Zone um weitere 150 Meter bis zur Einmündung des Heerweges in die Kreisstraße erweitert werden und im unteren Teil – also auf der Salinenstraße – sogar um 590 Meter nach Süden (bis zum Fußweg, der am früheren Phono-Schiek zum Lidl-Einkaufsmarkt führt).

Dass die Tempo-30-Zone so ausgedehnt werden kann, liegt zwar in erster Linie am Lärm, ist zum Teil aber auch an der Tatsache, dass an beiden Ortsenden Bushaltestellen liegen und es damit zwei Schulwege gibt.

Der Ortschaftsrat war zwar nicht komplett begeistert, stimmte aber bei drei Enthaltungen mehrheitlich für die Ausdehnung von Tempo 30. „Wir haben jetzt etwas erreicht, wofür wir schon lange gekämpft haben“, gab sich Higis Vorgänger Walter Stocker dennoch zufrieden.

Wann die Tempo-30-Zone kommt, ist noch offen

Zu welchem Zeitpunkt die Maßnahme umgesetzt wird, ist allerdings noch offen, Ortsvorsteher Julian Higi konnte im Ortschaftsrat noch kein Datum nennen. Fakt ist aber, dass die Entscheidung deutlich mehr Verkehrsschilder bringen wird. Auf Tempo 30 muss nämlich aus verkehrsrechtlichen Gründen an jeder Einmündung in die Ortsdurchfahrt aufmerksam gemacht werden, damit die Verkehrsteilnehmer auch klar signalisiert bekommen, was jetzt Sache ist.