In der Ortsdurchfahrt Fischingen halten sich die meisten an das vorgegebene Tempo – aus gutem Grund. Foto: Schneider

Die Verringerung der Höchstgeschwindigkeit und Kontrollen können den Verkehrslärm reduzieren, erklärt Experte Wolfgang Wahl im Ausschuss Technik und Umwelt in Sulz.

„Die Bürger können sich die Unterlagen herunterladen und schauen: Wie laut ist es an meiner Straße“, erklärt Wolfgang Wahl die nächsten Schritte zum Lärmaktionsplan.

 

Gemeinsam mit seinem Team von Rapp AG hatte er er eine Lärmberechnung für Sulz durchgeführt. Die Wirkungsanalyse von Geschwindigkeitsreduzierungen stellt er nun im Ausschuss Technik und Umwelt vor. Mit einem Beschluss der Maßnahmen kann – nach der Bearbeitung eingegangener Stellungnahmen im Herbst gerechnet werden.

Drei Gebiete stechen hervor

Um was geht es? „Tagsüber sind rund 1100 Anwohner, nachts sogar 1700 von Lärm betroffen“, erklärt er. Von einer Gesundheitsgefährdung spricht man dann, wenn der Schwellenwert von 65 Dezibel überschritten wird – nachts liegt die Grenze bei 55 Dezibel.

Besonders betroffen sind die Menschen, die in Sulz Süd an der L409 wohnen, aber auch die Anwohner der K5502 in Renfrizhausen und Mühlheim. „Bei Anwohnern gibt es eine hohe Akzeptanz für eine Tempo-30-Beschränkung“, hält er fest.

Lebensqualität mit 30 km/h

Schließlich reduziere sich dadurch der Lärm auf der Straße deutlich – wobei der Verkehrsfluss dem von Tempo 50 sehr ähnlich sei. Autofahrer würden nur wenige Sekunden „verlieren“, dem stünde jedoch ein halbierter Bremsweg – und somit ein Mehr an Verkehrssicherheit – gegenüber.

Auch die Aufenthaltsqualität steigere sich, da sich Passanten im Tempo-30-Bereich einfach besser unterhalten könnten als wenn die Fahrzeuge mit 50 Kilometer pro Stunde am Gehweg entlangführen.

Lkw schwer „auszubremsen“

„Ein Flickenteppich zwischen 30 und 50 ist eher schlecht“, gab Wahl mit Blick auf die entsprechende Beschleunigung der Autos zu bedenken. Auch sinke bei gleichbleibender Fahrgeschwindigkeit der Schadstoffausstoß deutlich. Deswegen setze er auf „Lückenschlüsse“, um einheitliche 30er-Bereiche zu schaffen.

Gleichzeitig erteilt er einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf der A81 eine Absage. Das Rauschen der Autobahn werde zwar von vielen als störend wahrgenommen, doch würde eine Tempo-100-Ausweisung die lärmverursachenden Lastwagen schlussendlich nicht „ausbremsen“.

Warten auf den „Flüsterasphalt“

Auch steht er dem Bau von Lärmschutzwänden kritisch gegenüber. Um messbare Wirkung zu entfalten, müssten diese sehr lang sein – was aber wiederum die Kosten in die Höhe treibe. „Lärmschutzplanken sind da die bessere Option“, findet der Experte. Dabei kombiniere man klassische Schutzplanken mit Lärmschutz und könne so eine Lärmreduzierung von bis zu fünf Dezibel erreichen.

Was definitiv helfe, sei der Einbau von sogenanntem „Flüsterbelag“, da sich durch die spezielle Asphaltschicht sowie die neue – und damit auch viel glattere – Oberfläche die Fahrgeräusche deutlich reduzierten. Doch da die Sanierung von Straßen und der Auftrag einer neuen Asphaltdecke meist nur im 25-Jahres-Rhythmus erfolge, sie dies eben keine schnell umzusetzende Lösung.

„Starenkästen“ und „Marterpfähle“

Für die Ortsdurchfahrten und sonstige Straßenabschnitte, in denen Geschwindigkeitsbegrenzungen empfohlen werden, macht sich Wahl noch für etwas stark. „Beschränkungen wirken nur, wenn sie von den Verkehrsteilnehmenden tatsächlich eingehalten werden“, stellt er klar.

Seine Anregung: Maßnahmen zur Anzeige und Kontrolle der Höchstgeschwindigkeit – sei es in Form von Messtafeln, den alten „Starenkästen“ oder den neuen „Marterpfählen“.