In Gültlingen ist belastet der Verkehrslärm bereits seit Langem die Gesundheit der Anwohner entlang der Ortsdurchfahrten. Tempo 30 soll Abhilfe schaffen. Foto: Menzler

Die heiße Phase für den Lärmaktionsplan beginnt. Nur noch Ortschaftsräte und Gemeinderatsfraktionen beraten über den finalen Entwurf und Ende Februar sollen bereits Maßnahmen beschlossen werden. In nahezu allen Ortsteilen Wildbergs wird die Geschwindigkeit reduziert.

Volle Straßen, tausende Autos und viele Lastkraftwagen, die das Leben vor allem nahe der Ortsdurchfahrten immer mehr erschweren. Und das seit Jahren.

 

Da im Allgemeinen auch keine Besserung in Sicht ist, hat sich die Stadt Wildberg dazu entschlossen, einen Lärmaktionsplan aufzustellen. In seiner jüngsten Sitzung wurde dem Gemeinderat nun der finale Entwurf und die Stellungnahmen der Bürger und Behörden vorgestellt.

Nun geht es in den Ortschaftsratssitzungen und in den Gemeinderatsfraktionen mit Beratungen weiter – ehe der Lärmaktionsplan Ende Februar verabschiedet werden soll. Dann könnten auch die gewünschten Maßnahmen folgen.

83 Bürger nahmen Stellung

Wünsche haben übrigens recht viele geäußert: Insgesamt 34 Stellungnahmen von einzelnen Bürgern oder Gruppen sind bei der Stadt bei beiden Öffentlichkeitsbeteiligungen eingegangen. Insgesamt 83 Bürger haben sich für ihre Anliegen stark gemacht.

Was dabei klar wurde: Für die Geschwindigkeitsreduzierungen hatten sich nahezu alle in den Stellungnahmen ausgesprochen. Teils wurde sogar nach der Ausweitung des Maßnahmenbereichs gefragt. Denn in fast allen Ortsteilen sind Geschwindigkeitsreduzierungen möglich.

Nur in Schönbronn soll 50 bleiben

Schönbronn Nur Schönbronn geht aufgrund der Messungen leer aus – die „rechtliche Grundlage für eine Geschwindigkeitsreduzierung fehlt“, erläutert Peter Koehler vom Ingenieurbüro für Verkehrswesen aus Karlsruhe. Denn in dem Ortsteil wurden weder tagsüber noch nachts die Grenzwerte des Verkehrslärms bei der Berechnung überschritten: ein Geräuschpegel tagsüber über 65 dB(A) und nachts über 55 dB(A). Andernorts wurden währenddessen zum Teil sogar gesundheitsgefährdende Werte berechnet, führt Köhler aus.

Allgemeines Für die besonders betroffenen Bürger gibt es die Möglichkeit Fördergelder für das Einbauen von Schallschutzfenstern zu beantragen. Allerdings nur, wenn bei ihren Gebäuden eine Überschreitung der Lärmsanierungswerte festgestellt wurden. Im Allgemeinen werde auch geprüft, ob auf den Ortsdurchfahrten lärmmindernder Fahrbahnbelag aufgebracht werden kann. Das sei aber kurzfristig nur in der Kernstadt möglich. Neben anderen möglichen Maßnahmen wie Schallschutzwänden seien vor allem Geschwindigkeitsreduzierungen möglich und wirksam. Hier soll das Tempo reduziert werden:

Wildberg In der Kernstadt sind gleich mehrere Maßnahmen möglich. Angefangen in der Effringer Straße könnte bis zur Talstraße die Geschwindigkeit reduziert werden. Zum einen die Effringer Straße von 70 auf 50 km/h und zum anderen die gesamte Gartenstraße auf 30 km/h, erläutert der Verkehrsexperte. Dazu könnte auch im Schönbronner Weg auf 30 km/h reduziert werden, heißt es im Entwurf des Lärmaktionsplans.

Ein Auto nach dem anderen fährt durch Gültlingen hindurch. Die Immissionen übersteigen die Grenzwerte bei Weitem. Foto: Menzler

Und bei einem weiteren Abschnitt in Wildberg kann ebenfalls die Geschwindigkeit reduziert werden: Die Talstraße ab der Klosterbrücke bis Ortsausgang Richtung Calw. Während in der Talstraße Tempo 40 nachts empfohlen wird, soll in der Calwer Straße künftig in beide Fahrtrichtungen die Höchstgeschwindigkeit 70 km/h gelten.

Effringen In Effringen wird sich zumindest am Tag nichts ändern. Dort gingen die Werte nicht über die 65 dB(A) hinaus – nachts wurden wiederum die 55 überschritten. Hier wäre also eine Reduzierung auf 30 Kilometer pro Stunde (km/h) von 22 bis 6 Uhr möglich. Da die betroffenen Häuser weniger als 300 Meter von den ersten betroffenen Häusern entfernt liegt, kann diese Maßnahme von Ortsschild bis Ortsschild eingerichtet werden.

Sulz und Gültlingen am stärksten belastet

Gültlingen Die Gültlinger trifft der Verkehrslärm bekannterweise am schlimmsten. Dort wurden die höchsten Werte berechnet, teils sehr gesundheitsgefährdend über 67 dB(A), nachts über 60 dB(A). Ein wahrer „Lärmhotspot“, wie ihn Köhler benennt. Kein Wunder, dass dort von Ortsschild Richtung Wildberg bis Ortsschild Richtung Deckenpfronn Tempo 30 kommen soll. „Mit Tempo 40 würde man wahrscheinlich nicht einmal unter die gefährdenden Grenzen kommen“, unterstreicht Köhler die Schwere der Lage. Mit Tempo 30 könnte der Lärm eventuell halbiert werden. Und auch die Kreisstraße in Richtung Calw soll Tempo 30 kommen. Dazu kommt allerdings auch noch eine Begrenzung außerorts von 100 auf 70 km/h.

In Sulz ist nicht die Geschwindigkeitsreduzierung das Problem. Vielmehr ist es die Kirchstraße, die oft als Abkürzung genutzt wird. Foto: Menzler

Sulz am Eck Genauso wird auch die Ortsdurchfahrt Sulz behandelt. Dort überschreiten die Immissionen ebenfalls die Grenzwerte. Somit wird auch vom Ortsschild Richtung Wildberg bis zum Ortsschild Richtung Kuppingen die Geschwindigkeit auf 30 km/h begrenzt. Für die Kreisstraße in Richtung Jettingen gilt allerdings anderes. Dort wird tagsüber der Grenzwert bei nur einem Haus überschritten, erst nachts gibt es dann fast durchgehend Überschreitungen der Grenzwerte (55 dB(A)) – auch hier teils gesundheitsgefährdende über 57 dB(A). Daher wird Tempo 30 bis zum Ortsschild in Richtung Jettingen nur nachts vorgeschlagen. In Sulz gibt es allerdings noch ein ganz anderes Problem, dass den Bürgern Sorgen bereitet: Die Hälfte der Stellungnahmen in Sulz sprachen über eine Verkehrsverlagerung in die Kirchstraße. Der Ortschaftsrat Sulz sowie auch unsere Redaktion werden sich mit dem Thema nochmals genauer beschäftigen.