Bereits vor drei Jahren forderte eine Bürgerinitiative Tempo 30 durch Neukirch. Ende des Jahres könnte es kommen. Foto: Schmidt

Vertreibt der Lärmaktionsplan die Tunnellösung? Und führen E-Autos zur Lärmminderung auf deutschen Straßen? Im Neukircher Ortschaftsrat und im Rottweiler Gemeinderat war Verkehrslärm Thema – und warf viele Fragen auf.

Rottweil-Neukirch - Auf der kurzen Strecke zwischen den beiden Ortseinfahrten durch Neukirch soll nach der jüngsten Erkenntnis aus dem Lärmaktionsplan eine 30er-Zone eingerichtet werden. Also auf einer Bundesstraße, auf der bis zum Ortsschild Tempo 100 gefahren werden kann. Im Spätherbst soll der Gemeinderat die konkreten Maßnahmen beschließen. Es sei dann angebracht, noch Ende des Jahres an die Umsetzung zu gehen, sagte Sandra Graf als zuständige Sachbearbeiterin.

Nicht thematisiert wurde in der Neukircher Sitzung die Frage, ob die vom Ingenieurbüro Koehler und Leutwein in Aussicht gestellte Lärmsanierung noch greifen kann, wenn die Tempobeschränkung eingerichtet ist, also ob betroffene Eigentümer noch eine Förderung von 70 Prozent für Lärmschutzfenster beim Regierungspräsidium beantragen können. Da die Lärmbelästigung in Neukirch hoch sei, seien davon viele Anlieger betroffen, sagte Koehler in der Sitzung.

Voraussetzung für eine Förderung wird geprüft

Das Regierungspräsidium nehme entsprechende Anträge erst entgegen, wenn der Beschluss im Gemeinderat gefasst wurde. Da dann die Gemeinde angehalten sei, die 30er-Zone zum Schutz der Anlieger sofort umzusetzen. Das Regierungspräsidium prüfe die Voraussetzung für eine Förderung also erst dann, wenn die 30er-Zone bereits eingerichtet ist. Insofern sei tatsächlich nur noch im Einzelfall damit zu rechnen, dass der Antrag auf Schallschutzfenster bewilligt werde, räumte Koehler ein.

Unverändert bleibe die Sachlage hingegen mit Blick auf Elektro-Autos. Die Lärmbelästigung sinke trotz des wachsenden Anteils elektrobetriebener Autos nicht wesentlich, sagte Koehler und bezog sich dabei auf eine Studie. Maßgeblich für die Geräuschentwicklung sei nämlich nicht das Antriebs-, sondern das Rollgeräusch. Elektroautos dürften deutsche Straßen zwar insgesamt leiser machen, aber nicht in dem Maße, dass zur Lärmentlastung eingerichtete 30er- Zonen zurückgenommen würden, zeigt er sich sicher.

Nicht nur in der Neukircher Sitzung wurde die Tunnellösung erwähnt. Auch in der Sitzung des Gemeinderats am Mittwochabend stellte Oberbürgermeister Ralf Broß klar, dass die Stadt trotz Tempo-30-Zone darauf hoffe, dass die Bundesstraße nicht mehr durch, sondern unter Neukirch weitergeführt werden kann. Die Maßnahme stehe im Entwurf des Bundesverkehrswegeplans 2030 im vordringlichen Bedarf.

Auf einer Länge von 900 Metern soll eine zweispurige Tunnellösung realisiert werden, hieß es, und es war von Kosten von mehr als 25 Millionen Euro die Rede. Um dem noch einmal Nachdruck zu verleihen, betonte Broß gegenüber dem Bundesverkehrsministerium die besondere städtebauliche Bedeutung der Maßnahme. Die Untertunnelung Neukirchs müsse als Teil eines Gesamtprojekts verstanden werden, um eine wichtige Hauptverkehrsachse (Querspange) im Land zwischen der Rheinebene über den Schwarzwald bis hin zur Alb und dem Ballungsraum Tübingen/Reutlingen zu stärken.

Flickenteppich befürchtet

Am Mittwochabend tat sich der Gemeinderat zunächst schwer, einen Beschluss zur Offenlage der Lärmaktionsplanung auf die Reihe zu bekommen. Vor allem die CDU-Fraktion zeigte wenig Begeisterung dafür, nicht nur die Erkenntnisse und Berech-nungen entsprechend neuer gesetzlicher Bestimmungen zur Kenntnis zu nehmen, sondern der Öffentlichkeit auch gleichzeitig die vorgeschlagenen Maßnahmen zu unterbreiten. Diese Diskussion hätten sie gerne auf später verschoben.

Indes gab es quer durch die Reihen der Stadträte Anmerkungen zu den Ergebnissen der Verkehrszählungen und den Schlüssen, die daraus gezogen werden. Und immer wieder wurde der Ruf laut, keinen Flickenteppich aus unterschiedlichen Geschwindigkeitszonen entstehen zu lassen. 50 Stundenkilometer, dann in einem Straßenzug Tempo 30, um anschließend wieder schnell fahren zu dürfen – diese Vorstellung widerstrebt einigen. Nicht nur Ingeborg Gekle-Maier (Grüne) sprach sich da eher für eine einheitliche Tempo-30-Regelung im ganzen Stadtgebiet aus. Dann seien Autofahrer auch nicht so stark abgelenkt, weil sie ständig nach Schildern schauen müssten.