Trotz dichten Verkehrs und verlängerter 30er-Zone beschweren sich die Bildechinger nicht. Foto: Morlok

Als Ergänzung zur Gemeinderatssitzung vom 27. April, in der unter anderem über die Fortschreibung des Lärmaktionsplans berichtet wurde, erläuterte Verkehrsplaner Wolfgang Wahl von der Schweizer Firma Rapp Trans AG Einzelheiten.

Horb - Oberbürgermeister Peter Rosenberger, der das Treffen eröffnete, betonte, dass man das Thema Verkehrslärm in seinen vielen Facetten schon öfters im Gemeinderat besprochen, doch noch nie so wirklich detailliert beleuchtet habe, worauf es bei einem Lärmaktionsplan wirklich ankommt. Aus diesem Grund habe man den Experten, der im April nicht an der Sitzung teilnehmen konnte, eingeladen und ihn gebeten, die wesentlichen Punkte und Vorgehensweisen einer solchen Lärmaktionsplanung zu erläutern.

Rosenberger betonte auch, dass Horb mit seinen Teilorten von der Fläche her eigentlich nicht prädestiniert für einen solchen Aktionsplan sei und man gegen Individuallärm, wie ihn beispielsweise ein Motorradfahrer verursachen kann, auch mit dem schönsten Lärmaktionsplan nichts ausrichten kann. "Hier müssen andere Maßnahmen ergriffen werden", stellte der Oberbürgermeister klar und berichtete von einem Erlebnis in Mühringen, bei dem er zwar Lärm in Reinform erlebte, aber danach weiterhin der Meinung war, dass in solch einem speziellen Fall weder 30er-Zonen oder Messungen etwas gebracht hätten.

Neben dem Individual-Lärm gibt es aber auch viele andere Geräuschquellen. Angefangen vom klappernden Gullideckel über Geräusche von Ladungen, Querrillen, Stößen und Wellen in der Fahrbahn bis hin zu den Roll- und Motorengeräuschen, gegen die man mit geeigneten Mitteln etwas tun kann.

Rhythmus von fünf Jahren

Thomas Staubitzer, Fachbereichsleiter Recht und Ordnung, in dessen Ressort diese Planung fällt, erinnerte daran, dass man bereits 2015 in diese Lärmaktionsplanung einstieg. Da man sie in einem Rhythmus von fünf Jahren fortschreiben muss, ist man nun schon in der zweiten Phase, der Stufe zwei der Zusammenarbeit mit der Rapp AG.

Die Überprüfung bestehender Lärmaktionspläne muss bei bedeutsamen Entwicklungen für die Lärmsituation, ansonsten alle fünf Jahre nach dem Zeitpunkt ihrer Aufstellung erfolgen, erklärte Lärmexperte Wolfgang Wahl. Daher sei solch eine Lärmaktionsplanung als kontinuierliches Planungsinstrument zu sehen.

Umgebungslärm definiert sich durch die Zusammenfassung, dass es sich hier um "belästigende oder gesundheitsschädliche Geräusche im Freien, einschließlich des Lärms, der von Verkehrsmitteln ausgeht" und der durch die Aktivitäten von Menschen verursacht wird. Lärm zählt zu den größten Umweltproblemen in unserer Gesellschaft und Lärm kann krank machen, so seine weitere Zusammenfassung.

Lärm verursacht Folgekosten

Lärm mindert die Arbeitsleistung und das Wohlbefinden, und Lärm verursacht allein in Deutschland jährlich mehrere Milliarden Euro Folgekosten. Daher sei die Bekämpfung von Lärm ein wichtiges Ziel, und die Kommunen sind gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Bürger vor Lärm zu schützen. Geeignete und teilweise bereits eingesetzte Mittel sind hier Tempo-30-Zonen, Flüsterasphalt oder Lärmschutzwände, erklärte der Experte.

Doch leider ist der Umkehrschluss, dass man beispielsweise alle Ortsdurchfahrten mit ein paar Tempo-30-Schildern leiser macht, nicht ganz so einfach umzusetzen. Hier hat die Landesregierung den Riegel der Grenzwerte vorgeschoben, und jede beantragte Maßnahme muss stichhaltig begründet werden. Nur wenn die Grenzwerte von 70 dB (A) tagsüber oder 60 dB (A) nachts überschritten werden, muss der Lärm vermindert werden. Es handelt sich dann um eine kommunale Pflichtaufgabe. Liegt der Wert unter diesem Level, kann die Kommune den Verkehrsbehörden zwar Vorschläge zur Lärmminderung machen, doch der Erfolg ist nicht immer garantiert. So haben beispielsweise die lärmgeplagten Anwohner von Bildechingen schon vor Jahren eine durchgängige 30er-Zone durch die gesamte Ortsdurchfahrt beantragt, bekommen haben sie aber nur eine Geschwindigkeitsreduzierung auf einigen Teilstücken der Ortsdurchfahrt, auf großen Teilen kann man weiterhin 50 km/h fahren. Warum ist das so?

Hierzu muss man wissen, dass der Verkehrslärm nicht gemessen, sondern berechnet wird. Die Berechnung führt in der Regel zu höheren Werten als Messungen. Und Berechnungen sind reproduzierbar, Messungen nicht, so Wahl.

Parameter sind der durchschnittliche, tägliche Verkehr, der Schwerverkehrsanteil, die zulässige Geschwindigkeit, die Fahrbahnoberfläche, Steigungen und Gefälle, die gegebene Reflexion und Abschirmung aber auch der Abstand von der Lärmquelle (Emission) zum tatsächlichen Ort, zum Beispiel einem Wohnhaus (Immission), an dem der Schall ankommt.

Stufe zwei des Lärmaktionsplans

Und gerade dieser letzte Parameter ist oft das Zünglein an der Waage. In Bildechingen beispielsweise ist dort, wo die Wohnhäuser dicht an der Straße stehen, nur 30 km/h erlaubt. Jedoch längs der Robert-Bosch-Straße stehen auf der einen Fahrbahnseite kaum Häuser, und auf der anderen sind es meist Gewerbeansiedlungen, die auch noch zurückgesetzt gebaut sind. Dort darf man weiterhin 50 km/h fahren. Keinen Erfolg hatte man auch in der Stufe eins des Lärmaktionsplans mit dem Antrag, dass man auf der L 398 im Bereich Ihlingen nachts das Tempo auf 50 km/h anstatt den dort erlaubten 70 km/h reduziert. Laut Berechnung gibt es keinen Grund dafür. Trotzdem will die Stadt Horb beide Anträge – mehr Tempo 30 in Bildechingen und die nächtliche Geschwindigkeitsreduzierung bei Ihlingen – nochmals stellen. Dies soll noch vor der Sommerpause erfolgen, informierte Fachbereichsleiter Thomas Staubitzer auf Nachfrage.

Auch wird man in der Stufe zwei des Lärmaktionsplans die Ortsdurchfahrten nochmals genauer betrachten. Wolfgang Wahl legte dazu eine Karte vor, in der die Ortsdurchfahrten entsprechend einer Grobschätzung klassifiziert wurden. Für diese Grobschätzungen wurden Kennwerte aus den Geschwindigkeitsmesstafeln, die Wahl als sehr probates Mittel bezeichnete, und dem Verkehrsmonitoring herangezogen.

Als Ergebnis kam heraus, dass in den Ortsdurchfahrten Rexingen und Grünmettstetten nachts zu schnell gefahren wird, da man dort einen Lärmpegel von über 60 dB (A) gemessen hat. Daher ergeben sich für beide Orte kommunale Pflichtaufgaben in Bezug auf die Lärmminderung.

25.000 Euro Kosten

Die Ortsdurchfahrten von Talheim, Altheim, Dettlingen, Dießen, Mühlen und Nordstetten fallen unter die Kategorie "man könnte was tun", da dort nachts der Lärmpegel immerhin noch größer als 55 dB (A) sei. Bei den Ortsdurchfahrten von Dettensee und Mühringen sehen die Planer der Rapp Trans AG keinen Handlungsbedarf, da nach ihrer Grobschätzungen die Werte dort unter 55 dB (A) liegen.

Hier müsse man mit anderen Mitteln ran, betonten die Verantwortlichen. Dem Antrag der SPD-Fraktion folgten sie in abgeschwächter Form: Die Fraktion hatte in der April-Sitzung des Gemeinderats für diese beiden Orte ebenfalls eine Aufnahme in den Lärmaktionsplan beantragt. "Ohne fachlichen Grund sehen wir hier keine Chance für Lärmschutzmaßnahmen", relativierte Wolfgang Wahl den Wunsch der Sozialdemokraten.

Im Fazit kann man feststellen, dass die rund 25.000 Euro, die man für diese Fortschreibung des Lärmaktionsplanes in die Hand nehmen muss, gut angelegtes Geld ist, auch wenn die Maßnahmen nicht immer so schnell umgesetzt werden können, wie es sich mancher Ortsvorsteher oder Anwohner wünscht.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: