Foto: Schwarzwälder Bote

Fotodokumentation mit Angabe der Windrichtungen. Navi-Strecke kreuzt hochfrequentierten Schulweg.

Burladingen - Die Emissionen der Textilausrüstungsfirma Dolinschek in Burladingens Stadtkern könnten zum Justizfall werden. Einer der Anlieger hat einen Rechtsanwalt eingeschaltet und erhebt zudem Vorwürfe gegen die Umweltbehörde des Landratsamts.

Nach der Berichterstattung in unserer Zeitung mit der Stellungnahme des Landratsamts sowie der des Firmenchefs Theo Dolinschek und einem Leserbrief, meldeten sich weitere Anwohner.

Einer berichtete unserer Redaktion, dass er seit Oktober 2019, also vor genau einem Jahr, einen Rechtsanwalt eingeschaltet hat. Denn was die Geruchsbelästigungen und teilweise ätzenden Gerüche angehe, stehe er seit März 2007 mit der Firma und dem Landratsamt quasi in Dauerkontakt über die, wie er sagt, "teilweise nicht mehr ertragbaren Geruchsemissionen".

Ihm bleibe an manchen Tagen fast die Luft weg. Sitzen auf der Terrasse oder gar Arbeiten im Garten sei dann wegen des scharfen Gestanks unmöglich, und alle Fenster müssten geschlossen werden, berichtet er. "Da verreckscht", habe er mit drastischen Worten schon vor Jahren das Stadtoberhaupt Burladingens auf das Problem aufmerksam machen wollen und den damaligen Stadtchef Harry Ebert gebeten, doch einfach einmal vorbeizukommen, wenn es wieder zum Himmel stinkt. Ohne Erfolg.

Vorwürfe auch gegen das Landratsamt

Dieser Anwohner erhebt aber auch Vorwürfe gegen die Umweltbehörde des Landratsamts. Die habe aus seiner Sicht, immer nur das "allernötigste" getan, um die Probleme anzugehen.

Zwar habe es mehrere Messungen gegeben, das Landratsamt habe Kontrollen zugesagt, geändert habe sich aber eigentlich nichts.

Dabei gehe es nicht nur um Gerüche und stinkende Rauchschwaden, sondern auch um Lärmbelästigungen. Der Nachbar redet von einem Dauerbrummton aus der Produktion, der von morgens um sechs Uhr bis gegen Mitternacht zu hören sei. Das seien zwar nach den Messungen nur 42 Dezibel. Aber es sei eben ein anderes Geräusch als ein Zug, der gelegentlich fahre oder Glocken, die aus der Ferne läuten, argumentiert er. Der Brummton, so sagt er, sorge für Dauerstress und für unruhigen Schlaf.

Die Navi-Adresse der Firma trifft auf den frequentierten Schulweg

Dann sind da noch die zahlreichen an- und wegfahrenden Laster. Die haben teilweise ausländische Kennzeichen und verirren sich nicht selten ins Wohngebiet und in kleine Seitengassen rund um die Firma, berichten mehrere Anlieger in den Telefonaten. Grund dafür könnte sein, dass die offizielle Firmenadresse die Eichhalde 15 ist und die Lkw-Fahrer schlicht das Navi benutzen. Ein paar Meter weiter haben viele Schüler den Sportunterricht in der Trigema-Arena und müssen eben durch die Eichhalde. "Dass da noch nichts passiert ist, wenn die Schulkinder da laufen", wundert sich eine Anliegerin.

Jener, der sich jetzt die Hilfe eines Rechtsanwalts gesucht hat, spricht nach 13 Jahren Behördenkampf von einer "Leidensgeschichte mit unzähligem Schriftverkehr" und hat den unserer Redaktion in Teilen auch zur Verfügung gestellt. Darunter auch eine mehrseitige Fotodokumentation, jeweils mit Angabe des Datums und der Windrichtungen. Über annähernd drei Monate hinweg über den jüngsten Jahreswechsel sind da fein säuberlich in einer Tabelle zu verschiedenen Daten die Windrichtungen festgehalten und Fotos der wabernden Rauchschwaden über dem Gelände dazu gestellt. Die Zusammenfassung solle zeigen, so heißt es über der Dokumentation, "dass bei vielen Wetter- und Windsituationen der Dampf und damit die eventuell enthaltenen Aerosole und Duftstoffe in die Wohngebiete östlich und westlich der Anlage gelangt und dort zu riechen ist".

Mit seinem Anwalt will der Beschwerdeführer eine behördliche Langzeitemissionsmessung erreichen, die über die stichprobenartigen Kontrollen der Behörde hinaus geht und ein besseres Bild über die tatsächlichen Verhältnisse vor Ort geben soll und Einblick in das, was die "Anwohner seit Jahren hinnehmen müssen".