In der Gültlinger Ortsdurchfahrt im Zuge der Landesstraße 357 sind die Lärmbelastungen durch den Verkehr am höchsten, wie Messungen im vergangenen Jahr ergeben haben. Foto: Priestersbach

Im Rahmen der Lärmaktionsplanung wurden in den Wildberger Ortsdurchfahrten möglicherweise gesundheitsgefährdende Lärmimmissionen festgestellt. Geschwindigkeitsbegrenzungen könnten die Folge sein.

Dem Wildberger Gemeinderat lagen in seiner jüngsten Sitzung die Ergebnisse der Verkehrszählungen aus dem vergangenen Jahr und der sich daraus ergebende Entwurf eines Lärmaktionsplans für die Schäferlaufstadt mit ihren vier Stadtteilen vor. Ehe nun konkrete Maßnahmen ergriffen werden, müssen allerdings noch die Öffentlichkeit und die Träger öffentlicher Belange beteiligt werden.

 

„Wir haben jetzt eine fundierte Diskussionsgrundlage erhalten“, erinnerte Bürgermeister Ulrich Bünger daran, dass die Untersuchung der Verkehrsbelastung auch deshalb von den Ortschaftsräten und dem Gemeinderat angestoßen wurde, um die teilweise emotionale geführten Diskussionen „auf eine fachliche und sachliche Ebene zu bringen“.

Bünger staunt über Zahlen

Dabei fand es der Rathauschef doch „teilweise erstaunlich, welche Verkehrszahlen erhoben wurden“. So habe man jetzt „zu den Gefühlen auch Zahlen“, sprach Bünger von einem „sehr komplexen Thema“, bei dem nun die Öffentlichkeit beteiligt werde, bevor endgültige Beschlüsse gefasst werden.

Mit der Richtlinie über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm wurden von der EU bereits im Jahr 2002 neue Wege zum Schutz der Bevölkerung vor Lärm eingeleitet. Der nun vorgelegte Entwurf zur Lärmaktionsplanung in Wildberg soll als Chance verstanden werden, langfristig die Lebensqualität in der Schäferlaufstadt zu verbessern und die Attraktivität der Gemeinde zu erhöhen.

Koehler: „Maßnahmen erforderlich“

Wie Peter Koehler vom Ingenieurbüro für Verkehrswesen aus Karlsruhe feststellte, zeigen die Ergebnisse der Verkehrszählung, dass aufgrund der ermittelten Verkehrsmengen des durchschnittlichen werktäglichen Gesamtverkehrs in den Ortsdurchfahrten wahrscheinlich gesundheitsgefährdende Lärmimmissionen des Straßenverkehrs auftreten können. „Es ist tatsächlich so, dass mehrere Straßenabschnitte so lärmbelastet sind, dass Maßnahmen erforderlich sind“, erklärte Peter Koehler.

Im Stadtteil Gültlingen seien die Überschreitungen am höchsten, so dass auf der Landesstraße 357 als kurzfristig wirkende Maßnahme ganztägig Tempo 30 empfohlen werde; ebenso auf der Landesstraße 358 in Sulz aus Richtung Kuppingen. In Effringen komme es vor allem nachts zu einem gesundheitsgefährdenden Pegelbereich, so dass dort zwischen 22 und 6 Uhr eine Geschwindigkeitsreduzierung auf Tempo 30 angeraten sei, was auch für die Wildberger Talstraße gelte. Daneben enthält der Entwurf des Lärmaktionsplanes weitere Vorschläge zu Geschwindigkeitsreduzierungen – mit Ausnahme des Stadtteils Schönbronn, wo keine gesundheitsgefährdenden Immissionen festgestellt wurden.

Ostertag bangt um den Verkehrsfluss

„Wir sehen manche der Maßnahmen kritisch“, machte Gerhard Ostertag für die CDU deutlich, dass man Tempo 40 in seiner Fraktion für einen vertretbaren Kompromiss halten würde. Denn sonst leide der Verkehrsfluss, was eventuell zu höheren Immissionen führe. Befürchtet wird außerdem ein Schilderwald.

Wie Bürgermeister Bünger erwiderte, sehe das Gutachten auf verschiedenen Strecken als Rechtsfolge zunächst eine Reduzierung auf Tempo 30 vor, wobei die endgültige Entscheidung von der Straßenverkehrsbehörde getroffen werde. Regina Schröder (Grüne) findet es wichtig, dass jetzt erst mal die Öffentlichkeit beteiligt wird, die ja auch von den künftigen Maßnahmen betroffen ist. Gleichzeitig wies sie auf das subjektive Empfinden hin, wonach eine Reduzierung auf Tempo 40 kaum wahrnehmbar sei - im Gegensatz zu einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30.

Kontrolldruck notwendig

„Es ist Konsens, dass wir etwas gegen Lärm unternehmen müssen“, stellte Erhard Schulz fest - und er erinnerte daran, dass Geschwindigkeitsreduzierung mit einem Kontrolldruck verbunden sein müssten, denn: „Sonst ist es nur Aktionismus“.