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Lärm gefährdet Gesundheit Stadt Nagold plant Geschwindigkeitsbegrenzungen

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Mit Tempo 30 möchte man in Nagold auch gegen zu viel Lärm vorgehen. Foto: Fritsch

Der Lärmaktionsplan für die Stadt Nagold liegt vor. Wichtigste Info: Auch in Nagold ist der Lärm teilweise gesundheitsschädlich. In unserem (SB+)-Artikelerfahren Sie, warum mehr Geschwindigkeitsbegrenzungen die Lösung sein könnten.

Nagold - Es sei ein Thema, das von vielen mit Spannung erwartet werde – meinte OB Jürgen Großmann: der Lärmaktionsplan für die Stadt Nagold. Im Technischen Ausschuss (TA) wurde er jetzt vorgestellt. Wichtigste Info: Auch in Nagold ist der Lärm teilweise gesundheitsschädlich.

Und zwar exakt für 2,7 Prozent der Bürger, was 610 Personen entspräche. Insgesamt seien sogar 3300 Einwohner von belastenden Lärmemissionen betroffen, was etwa 14,7 Prozent der Gesamtbevölkerung sind.

Was auch zeigt: Die Gutachter um Peter Köhler vom Freiburger Ingenieurbüro Köhler & Leutwein, die den Nagolder Lärmschutzplan erstellt haben, haben sich tatsächlich jedes Haus in Nagold angeschaut und die durchschnittliche Lärmbelastung gebäudegenau "berechnet" (nicht gemessen). Weil’s so effizienter sei, so Köhler – weil Messen viel zu lange gedauert hätte.

Nach diesem Verfahren wurden die extremsten Lärmwerte – aus der Verkehrsbelastung – etwa entlang der Calwer Straße / Lange Straße (B 463) von Einfahrt Lidl bis Einmündung Bahnhofstraße in der Kernstadt, der Freudenstädter Straße zwischen Moltkestraße und dem hier bereits bestehenden Tempo-30-Abschnitt, in der Haiterbacher Straße (B 463) und Grafenwiesenstraße, zwischen Kreisverkehr mit Lindachstraße bis Unterführung Viadukt L 362, in Iselshausen die Hauptstraße / Horber Straße (B 463) von Kreisverkehr mit K4346 bis circa Ortseinfahrt Iselshausen von Süden, die Schwandorfer Straße (L 353), circa ab Ortseingang Iselshauen bis Kreisverkehr mit B 463, in Gündringen der Herrenwald (B 463) ab Einmündung Alemannenstraße bis circa Haltestelle Bahnhofsgaststätte, in Hochdorf Rottweiler Straße / Böblinger Straße (B 463) ab Einmündung Mühlenstraße bis Einmündung Orffweg (B 463) ermittelt. Für diese Bereiche empfehlen die Verkehrsexperten um Peter Köhler wegen der teils erheblichen Lärmbelastung, möglichst auch kurzfristig "lärmreduzierende Maßnahmen" durchzuführen.

Der Vorteil von Tempo 30 als Mittel zur Lärmreduzierung: Es ist schnell umzusetzen

Heißt – so das Zitat aus dem Lärmaktionsplan etwa für die betroffenen Abschnitte in Iselshausen: "Als kurzfristig wirkende Maßnahme zur Reduzierung der gesundheitsgefährdenden Lärmimmissionen wird die Verringerung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h angeordnet." Was etwa Iselshausens Ortsvorsteher Bruno Graf "dankbar begrüßte", da die Aussagen aus dem vorgelegten Lärmaktionsplan auch den tatsächlichen Erfahrungen vor Ort entsprechen würden – wobei, jetzt im Detail, die ermittelten Zahlen und Werte aus seiner Sicht "auch ein stückweit erschreckend" seien. "Da müssen wir auf jeden Fall ran!"

Der Vorteil von Tempo 30 als Mittel zur Lärmreduzierung: Es sei schnell umzusetzen – durch das Aufstellen von "ein paar Schildern", wie Nagolds Planungsamtsleiter Ralf Fuhrländer kommentierte. Und da der Lärmaktionsplan auf einer "Umgebungslärmrichtlinie der EU" basiere, die diese bereits 2002 den Staaten der EU als verbindliche Vorschrift ins Stammbuch geschrieben habe, gebe es heuer – nachdem bereits Bund und Länder in den vergangenen Jahren seitdem ihre "Hausaufgaben" in Sachen Lärmschutz machen mussten – nun einen sehr guten Hebel für Kommunen wie Nagold, solche Tempo-30-Vorschriften auch auf Bundes- und Landesstraßen durchzusetzen – für die eigentlich eben der Bund oder das Land als "Baulastenträger" zuständig sei. Ist der Lärm definitiv zu hoch, müssten diese Baulastenträger die Anordnung zu Tempo 30 akzeptieren und umsetzen.

Tempo 30 nur als Abzocke?

Was ein echtes Novum und ein Vorteil sei, so Verkehrsexperte Köhler. Denn genau das sei bisher immer ein Zankapfel zwischen Kommunen, Bund und Land gewesen – eben die Durchsetzung von Tempo-30-Geboten. Auch wenn Gemeinderat Günther Schöttle (AfD) eine Lärmreduzierung durch Tempo 30 grundsätzlich anzweifelte: "Das dient nur der Abzocke!" Trotzdem könnte es in Nagold und seinen Ortsteilen jetzt ganz schnell gehen mit Tempo 30: Nach der Vorstellung und Beratung des Lärmaktionsplans im TA – und dessen am Ende einstimmigen Empfehlungsbeschluss – wird der Gemeinderat auf seiner nächsten Sitzung das Papier formal beschließen und damit seine öffentliche Auslegung für einem Monat einleiten. In diesem Verfahren können sich dann Bürger zu den Lärmschutz-Planungen äußern. Parallel werden auch die "Träger öffentlicher Belange" – also etwa Behörden oder Institutionen – zum Verfahren gehört. Danach ist der Weg frei für Tempo 30 in den besonders gefährdeten Abschnitten.

Auf Nachfrage von Eberhard Haizmann (FWV), wie das weitere "Prozedere" für Tempo 30 in Hochdorf aussehen und welcher Zeitplan dort umgesetzt werden könnte, teilte OB Großmann mit, dass man hier "bereits relativ weit" sei. Ordnungsamtsleiter Achim Gräschus ergänzte, dass nach dem Beschluss im Gemeinderat man gemeinsam mit dem Regierungspräsidium – als Vertreter des Baulastenträgers der durch Hochdorf führenden Bundesstraße – "die Maßnahme umsetzen" werde. Für die Straßenbereiche vor der Schule und dem künftigen Seniorenheim sei man sogar "vorab dran", da käme Tempo 30 bereits "die kommenden Tage" – allerdings "nicht wegen Lärm, sondern wegen der Verkehrssicherheit".

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