Seit mehr als 45 Jahren züchtet Reinhard Bischler Schafe. Auf seinem Anwesen bei Gengenbach leben derzeit rund 300 Tiere – jeden Tag können es mehr werden, denn es ist Lämmerzeit. Wichtig ist ihm, seine Liebe für Natur und Tiere weiterzugeben.
Es riecht nach Stroh, zwei Hunde kommen neugierig ans Tor und die rund 350 Schafe blöken so laut, dass man teilweise sein eigenes Wort nicht versteht. In Arbeitsmontur – mit grüner Latzhose und braunem Hut – ist Reinhard Bischler bei dem Besuch unserer Redaktion auf seinem Anwesen bei Gengenbach gerade im Stall beschäftigt. „Ich bin täglich hier, in der Lämmerzeit auch nachts“, erklärt er.
Seit mehr als 45 Jahren ist der 68-Jährige, der bis zu seinem Ruhestand vor etwa drei Jahren in der Stadtgärtnerei Gengenbach arbeitete und sich außerdem als Ortschafts- und Gemeinderat engagiert, Schäfer.
Jedes Jahr erblicken in seinem Stall Lämmer das Licht der Welt, werden gepflegt, gefüttert und schließlich verkauft und geschlachtet.
Einen Großteil des Futters stellt der Schäfer selbst her
„Viele Leute denken, dass ein Schäfer ein bisschen mit seinem Hund herumsteht, es gehört aber viel mehr Arbeit dazu“, betont Bischler. Sein Arbeitstag im Stall beginne damit, nachzuschauen, ob ein Schaf gelammt habe – aktuell könne dies jeden Tag der Fall sein – und ob es allen Tieren gut gehe. „Es gibt auch immer Junge, die es nicht schaffen“, berichtet er.
Anschließend müssten die Stallungen eingestreut und die Schafe gefüttert werden. „90 Prozent des Futters mache ich selber, ich will ja wissen, was ich füttere“, so der 68-Jährige. Um sich optimal um die Tiere kümmern zu können sei es wichtig, sich viel Wissen anzueignen. Denn bei seinen Schafen übernimmt Bischler auch die Rollen des Geburtshelfers und Fußpflegers, drei Mal jährlich müsse außerdem jedes Tier entwurmt werden.
Unterstützt wird der Schäfer bei seiner Arbeit von seinem Border Collie Ben – zuständig für das Hüten und Zurückbringen ausgeboxter Schafe – und dem Kangal Luna, die als Herdenschutzhund fungiert. „Schafe und Hunde passen einfach zusammen“, schwärmt Bischler. Dass die drei ein super Team sind, wird bei dem Besuch deutlich: Luna folgt Bischler auf Schritt und Tritt und beschnuppert neugierig die Lämmer, die um sie herumspringen, Ben blickt sein Herrchen aufmerksam und gespannt an, als er ihn anspricht – bereit los zu sprinten.
Etwa 30 Prozent der Lämmer behält Reinhard Bischler jedes Jahr zur Nachzucht. Sich von den anderen verabschieden zu müssen, gehöre einfach dazu. „Je älter man wird, desto schwerer fällt das einem aber“, gibt der Schäfer zu. Werden die Mutterschafe zu alt, werden auch sie geschlachtet und zu Wurst oder Hundefutter verarbeitet.
Dass der 68-Jährige ein großes Herz für Tiere hat, ist offensichtlich: „Die Schafe werden gegessen. Aber so lange sie da sind, sollen sie ein gutes Leben haben“, erklärt er. So hätten seine Tiere etwa mehr Platz als vorgeschrieben sei. Einige seiner Tiere – seine Lieblinge – hat der Schäfer auch mit Sonderrechten bedacht. So gibt es etwa ein Mutterschaf – es ist mit 14 Jahren sein ältestes –, das noch immer lammt. „Das wird nicht geschlachtet“, betont Bischler. Auch einer streunenden Katze bietet sein Anwesen ein Zuhause.
Nicht nur für seine Schafe, sondern auch für seine Kollegen setzt Bischler sich ein. So hat er etwa mit dafür gesorgt, dass heimische Lämmer seit 2006 unter dem Label „Württemberger Lamm“ vermarktet werden. 2021 erhielt er für seine Verdienste um die Offenhaltung der Landschaft eine Auszeichnung vom Deutschen Verband für Landschaftspflege.
Leicht werde es Schäfern seitens der Politik und in Form von diversen Auflagen nicht gemacht. „Es ist teilweise wirklich Schikane“, bedauert der Schäfer. Dies sei auch der Grund gewesen, weshalb sich Bischler irgendwann dazu entschied, nicht mehr selbst zu schlachten. „Vor 20 Jahren konnte man auch den Großteil der Unkosten noch mit der Wolle decken, heute ist es Sondermüll“, kritisiert er weiter.
Einen Nachfolger hat Bischler bereits gefunden
Doch seine Motivation verliert der Schäfer dadurch nicht – im Gegenteil. „Ich will, dass es hier weitergeht“, erklärt er. Deshalb habe er sich vor einigen Jahren bereits nach einem Nachfolger umgesehen und in Bernd und Tanja Lehmann gefunden. „Es macht wirklich Spaß und ich habe wieder Lust, Energie reinzustecken“, so Bischler. Seit einigen Jahren würden die Lehmanns schon mitarbeiten mit dem Ziel, den Betrieb irgendwann zu übernehmen. „Drei Jahre will ich aber schon noch machen“, erklärt Bischler. Und auch danach werde er im Stall weiter helfen, „das ist logisch“.
Besonders wichtig ist dem Schäfer, seine Liebe für die Natur und die Tiere auch anderen Menschen – besonders Kindern – zu vermitteln. Deshalb hat er auf seinem Anwesen auch einen kleinen Gemüsegarten angepflanzt und Hasen sowie Meerschweinchen angeschafft. Warum er das Schäfer-Sein so sehr liebt? „Weil man sieht, dass man in der Natur etwas bewirken kann und auch anderen damit eine Freude macht“, erklärt Reinhard Bischler.
Württemberg Lamm
Das „Württemberger Lamm“ ist eine geschützte Marke der Baden-Württembergischen Lammfleischerzeugergemeinschaft. Die Marke steht für artgerechte Tierhaltung in freier Natur und garantiert, dass die Tiere nach strengen Qualitätskriterien aufwachsen und vermarktet werden.