Das Facheinzelhandelsgeschäft für Leckereien in der oberen Marktstraße ist nur noch bis Ende Juli geöffnet.
Beim Besuch unserer Redaktion erzählt Gabriele Lässle, dass sie dem Ende des „Naschwerks“ mit einem lachenden und einem weinende Auge entgegenblickt. Sie liebe das Geschäft und habe viel Herzblut hineingesteckt. Und sie wisse auch jetzt schon, dass ihr die Kunden fehlen werden – „da sind viele sympathische Menschen darunter“, sagt die gebürtige Lahrerin schmunzelnd, umgeben von feinsten Leckereien, Tee und duftendem Kaffee. Jedoch: Das Rentenalter habe sie bereits im vergangenen Jahr erreicht. Sie merke, dass ihr die Arbeit schwerer falle, vor allem der bürokratische Aufwand, der mit dem Führen eines Geschäfts verbunden sei. Deshalb sei es nun an der Zeit, aufzuhören.
Dass Lässle eine besonders enge Beziehung zu ihrem Feinkostladen hat, erklärt sich auch daraus, dass sie ihn in ihrem Elternhaus eröffnet hat. In dem Gebäude in der Marktstraße 8 ist sie aufgewachsen, ihr Kinderzimmer war im dritten Stockwerk unter dem Dach, erzählt sie. Im Erdgeschoss, in dem sie jetzt Schokolade, Geschenkartikel und Co. verkauft, betrieben ihre Eltern insgesamt 45 Jahre lang einen Friseursalon, bis Mitte der 1980er-Jahre.
Auch sie selbst wollte einst Friseurin werden, wählte dann aber einen ganz anderen Berufsweg: Lässle ist gelernte medizinisch-technischen Assistentin. Sechs Jahre arbeitete sie an der Universität Freiburg, betrieb Leukämieforschung, ging dann in die Schweiz und half, HIV- sowie Hepatitis-Tests zu entwickeln. Sie absolvierte Zusatzausbildungen und arbeitete später in einem Unternehmen in Ulm, das in der Softwarebranche tätig war.
Ladeninhaberin ist in dem Gebäude aufgewachsen
Ende 2011 traf sie die Entscheidung: Es geht zurück nach Lahr, in einen eigenen Laden – auf völliges Neuland. Sie musste sich schnell in alles einarbeiten, die Produkte kennenlernen, Lieferanten ausfindig machen, die Ware testen – in fünf Wochen stemmte sie ihren privaten Umzug, meldete das Gewerbe an und füllte die Regale auf. Ein Blitzstart. Am Samstag, 30. Juni 2012, eröffnete sie dann das „Naschwerk“.
Mit 45 Quadratmetern ist es kein großer Laden – sie hätte sich natürlich gewünscht, mehr Platz zur Verfügung zu haben, sagt sie. Genießer und Menschen mit dem Sinn für besondere Produkte finden bei ihr aber trotzdem eine große Auswahl vor. Ihr Sortiment umfasst röstfrische Kaffees, erlesene Tees aus aller Welt, Ideen aus Schokolade, Mandeln und andere Knabbereien. Außerdem Pralinen- und Trüffelspezialitäten, Weine, Liköre und Edelbrände sowie Geschenkideen, zum Beispiel hübsche Lahrtassen. Darüber hinaus kommen die Besucher in den Genuss der persönlichen Beratung durch die Inhaberin.
Der Umgang mit den Kunden und der Verkauf hochwertiger Produkte hätten ihr immer Freude bereitet, sagt Lässle. Doch der Beruf habe auch eine andere Seite, die Außenstehende meist unterschätzen würden. Denn auch im Büro, das sich über dem Laden befindet, habe sie sehr viel zu tun – mit Buchhaltung, Austausch mit Lieferanten, Rechnungen schreiben. 60- bis 65-Stunden-Wochen seien die Regel, so Lässle. Obwohl ihr stundenweise eine Aushilfe zur Hand gehe, sei es insgesamt sehr viel, betont die Ladeninhaberin, die in Mahlberg lebt.
„Es ist schön, so einen Laden zu führen, aber es ist auch anstrengend“, stellt sie fest. Deshalb habe sie vor zwei Jahren die Öffnungszeiten reduziert. Seither können die Kunden nur noch von Donnerstag bis Samstag bei ihr einkaufen.
In absehbarer Zeit schließen sich die Türen des Facheinzelhandelsgeschäft für Leckereien nun für immer. Es sei denn, es ergibt sich doch noch eine Lösung für die Nachfolge. Sie habe sich in der Branche umgehört, aber niemanden gefunden, der das „Naschwerk“ weiter führen möchte, bedauert Lässle. Sollte doch jemand Interesse daran haben, würde sie sich über eine Kontaktaufnahme freuen.
Die verbleibenden knapp drei Monate im Laden werde sie nun noch genießen, dann freue sie sich auf einen neuen Lebensabschnitt, betont sie. Es sei schön, dann mehr Zeit für die Familie, für Ausflüge in die Natur und die Arbeit im eigenen Garten zu haben. Wichtig sei ihr auch die aktive ehrenamtliche Arbeit im Lahrer Tierschutzverein und im Förderverein des Mahlberger Tabakmuseums.
Räumungsverkauf
Der Betrieb im „Naschwerk“ geht bis Ende Juli zu den gewohnten Öffnungszeiten weiter. Im Juli läuft dann der Räumungsverkauf mit reduzierten Preisen.