Fräulein Wommy Wonder als "Woman in Red" live in der Alten Seminarturnhalle. Foto: Zabota

Früher waren es die Narren, von denen das Weise kam, heute sind es Comedian. Bei Fräulein Wommy Wonder, die live auf der Bühne der Alten Seminarturnhalle stand, waren Witziges und Weises kaum zu trennen.

Nagold - Lachen ist das Wichtigste. Wenn Fräulein Wommy Wonder auftritt, wie am Freitagabend in der Alten Seminarturnhalle, heißt das Motto: Kein Auge bleibt trocken. Und sie ist ja was für’s Auge – rotes, kurzes Paillettenkleid, viel Bein, rotes Scheinwerferlicht. Ach ja, und ihre charakteristische Sturmfrisur, also, in dem Sinne, als kein Sturm ihr etwas anhaben kann. Auf Plastik soll man ja heutzutage verzichten, hier nicht.

Aber Äußerliches sollte unberücksichtigt bleiben, zumal bei so einer Dame. Wenn sie das, was der Ausdruck "Leibesfülle" umschreibt, nicht gerne selbst thematisieren würde. Sie ist der Ansicht, Frauen mit leichtem Übergewicht leben länger als Männer, die sie darauf hinweisen. Zum Beispiel ihr Arzt. "Herr Doktor, mit der Figur muss ich mich nicht verstecken." Arzt: "Sie können sich nicht verstecken." Sie: "Solange mein IQ höher ist als mein Gewicht bin ich zufrieden."

Vielleicht liegt’s am Alkohol. Manchmal trinke sie nur Wasser, um ihre Leber zu überraschen. Ob in dem Sektglas auf dem Stehtisch neben ihr Sekt war, konnte auf die Schnelle nicht recherchiert werden. Überraschend für die Zuhörer ist, wie schnell sie vom reinsten Hochdeutsch auf breitestes Schwäbisch umschalten kann. Letzteres liegt ihr wohl im Blut, weil sie in Riedlingen als Michael Panzer auf die Welt kam. Nur hätte sie mit diesem Namen niemals diese steile Karriere als Kabarettistin hingelegt. Jedenfalls hört sich das so an: "Alkohol hat wenig Vitamine – deswege muesch soviel trenke!" Gerne verwendet sie die Einleitung "Bei uns auf der Schwäbischen Alb…"

Kabarettistin, Comedian, Travestiekünstlerin und – Fräulein Wommy Wonder ist ebenso eine begnadete Chansonnière. Mit ihren Chansons sorgte sie für Unterhaltung, Verzückung und Erholung, besonders für diejenigen, die ihrem rasanten Humor womöglich nicht folgen konnten. "Frauen leben im Schnitt fünf Jahre länger. Warum eigentlich? Vielleicht schreibt ihnen der liebe Gott die Zeit gut, die sie für’s Einparken brauchen."

Drei Heilige Königinnen

Der liebe Gott! Mit dem hat sie’s. Womit wir beim Lernen wären. Fräulein Wommy Wonder hat uns wieder einmal deutlich gemacht, wie unsinnig die Annahme ist, Gott wäre männlich. Konsequenz: Bei den Heiligen drei Königen handelte es sich in Wirklichkeit um Königinnen. Die Mädels wären dann pünktlich, weil sie nach dem Weg gefragt hätten, sie hätten bei der Geburt geholfen, Essen mitgebracht, den Stall sauber gemacht…

Und wenn Wommy Wonder auf einen Demonstranten trifft, der ein Schild mit dem Spruch "Jesus würde sich impfen lassen" vor sich herträgt, hält sie davon gar nichts.

Diese "Stellvertretermentalität", diese Art Absolutismus mag sie nicht. Man müsse reden, das sei das Wesen der Demokratie, sagt die Frau im roten Paillettenkleid. Und, oh Wonder, ausgerechnet eine Comedian, die von Übertreibungen lebt, warnt vor Übertreibungen: "Darf ich Weiß- von Buntwäsche trennen oder ist das schon struktureller Rassismus?"