Was die Wetterstation auf dem Kussenhof aufgezeichnet hat, ist jetzt in einer neuen Broschüre vom Wissenschaftsjournalist Bernward Janzing erschienen. Darin beschäftigt er sich auch mit der Frage: Ist der Klimawandel menschgemacht?
Seit 45 Jahren betreibt der Wissenschaftsjournalist Bernward Janzing eine Wetterstation auf dem Kussenhof, mit der er als Schüler begonnen hat. Nun stellte er im Museum „Gasthaus Arche“ seine neue Broschüre „Protokoll des Klimawandels“ vor.
Illustriert mit Rückblicken auf schneereiche Winter (etwa im Jahr 1907 oder 1981) oder Hochwasser (1959 oder 1962) erläuterte er, wie man Statistiken lesen muss: Die 44 Datenreihen der gemessenen Werte wurden umgesetzt in Grafiken zu Temperaturen, Niederschlägen, Frosttagen, Schneehöhen und Dürreperioden. Dabei zeigt sich jeweils ein rechnerischer Trend, der eindeutig zeigt: Es wird wärmer, die Nächte werden milder und die Vegetationsperiode wird länger.
Nächtliche Tiefstwerte steigen stärker an
Die Jahresmitteltemperatur stieg von 5,2 Grad in den 1980er Jahren auf 7,7 Grad in den 2020er Jahren. Dabei war besonders signifikant, dass die nächtlichen Tiefstwerte stärker angestiegen sind als die Mittagstemperaturen. Besonders deutlich zeigt sich der Klimawandel bei den Frosttagen, von denen es in den 1980er Jahren noch 170 gab, während es in den vergangenen Jahren eher um die 100 waren. Die Sonneneinstrahlung, die Globalstrahlung, habe laut seinen Aufzeichnungen stetig zugenommen, was die Besitzer von Photovoltaik-Anlagen freuen sollte. Mehr Sonne bedeute auch mehr Verdunstung, was wiederum zu mehr Niederschlägen führe.
Ist der Klimawandel menschgemacht?
Da in der Messstation auf dem Kussenhof nur Tageswerte erfasst werden, können Starkregen mit großen Niederschlagsmengen innerhalb weniger Stunden nicht belegt, oder gar vorhergesagt, werden, da bei einem Dauerregen große Mengen zusammenkommen können. Da hängt ein möglicher Schaden davon ab, ob der Boden das Wasser aufnehmen kann oder nicht. Ist der Klimawandel menschengemacht oder nicht? Dazu hatte der Wissenschaftsjournalist eine Meinung: Zwar gab es in den vergangenen Millionen Jahren immer wieder Klimaschwankungen wie Eiszeiten oder Warmzeiten, aber nie innerhalb so kurzer Zeit wie in den vergangenen 200 Jahren, seit der Mensch die fossilen Brennstoffe verwendet.
Bei der Frage nach der Bedeutung des CO₂–Gehalts der Atmosphäre erläuterte Professor Ulrich Mescheder die Zusammenhänge. Die Wetterstation arbeitet vollautomatisch, nur bei Schneemessungen hilft ihm sein Nachbar Roland Thurner. Zum Abschluss der Buchpräsentation meinte Janzing: „Gegen Zweifel am Klimawandel hilft selber messen.“