Ein Streifzug durch die Metropole an der Seine - zu bekannten Sehenswürdigkeiten, aber auch zu versteckten Ecken in der Stadt der Liebe, der Kunst und der Olympischen Spiele, die im Sommer 2024 in Paris stattfinden.
Die französische Hauptstadt ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert. Was Sie in Paris innerhalb von zwei Tagen alles erleben können, verraten wir hier.
7 Uhr Anreise
Stuttgart verfügt über eine ausgezeichnete Bahnverbindung nach Paris. Der französische Schnellzug TGV braucht knapp drei Stunden vom Neckar an die Seine. Das ist nicht nur unschlagbar fix, sondern auch umweltfreundlich. Und man kommt mitten in der Stadt an – am Bahnhof Gare de l‘Est.
11.30 Uhr Check-in im Hotel
Vom Bahnhof ist es nur ein kurzer Fußweg zum 25Hours Hotel Terminus Nord. Die trendige deutsche Hotelkette hat ihre Pariser Dependance 2019 eröffnet und spielt beim Design des Hauses auf die Nachbarschaft an. Viele Menschen im 10. Arrondissement haben ihre Wurzeln auf dem afrikanischen Kontinent, die Gegend ist bunt, die Hotel-Einrichtung auch. Metrofliesen in der Lobby huldigen dem Standort Paris, das Restaurant Neni serviert Levante-Küche.
12 Uhr Fahrt mit der Métro ins Herz von Paris
In den Straßen von Paris herrscht rund um die Uhr Rushhour. Doch zum Glück gibt es die Métro. Die Züge verkehren im Minutentakt. Für Vielfahrer empfiehlt sich der Navigo Pass, eine aufladbare Plastikkarte. Mit der Linie 4 kommt man in einer Viertelstunde zur Ile de la Cité, der kleinen Insel mitten in der Seine. Hier steht die berühmte Kathedrale Notre-Dame. Seit dem verheerenden Brand im Jahr 2019 ist die fünfschiffige gotische Basilika mit Querhaus geschlossen. Die Renovierung soll im Dezember 2024 vollendet sein. Ein Blick von außen ist dennoch Pflicht.
13 Uhr Mittagessen mit Aussicht
Über die Pont Neuf, die zwischen 1578 und 1607 erbaute neue Brücke, geht es auf die rechte Seine-Seite zum Centre Pompidou. Wegen der nach außen verlegten Versorgungsleitungen schaut das von Renzo Piano und Richard Rogers entworfene Museumsgebäude aus wie eine Fabrik und bildet mit seiner Industrieästhetik einen spannenden Kontrast zur Gründerzeitarchitektur drumherum.
Rolltreppen in gläsernen Röhren führen in den sechsten Stock ins Restaurant Georges. Hier genießt man gehobene französische Küche und einen wundervollen Blick über das Häusermeer.
https://restaurantgeorgesparis.com
16 Uhr Das berühmteste Museum der Welt
Wer den weltbekannten Louvre besuchen möchte, sollte unbedingt ein Ticket im Voraus buchen – sonst steht man womöglich stundenlang Schlange. Das größte und meist besuchte Museum der Welt beherbergt über 35 000 Kunstwerke. Doch alle wollen nur eine sehen: „Mona Lisa“, genannt La Joconde. Das kleine Gemälde von Leonardo da Vinci befindet sich im größten Raum des Hauses im Denon Flügel. Man folgt einfach den Schildern oder den Menschenmassen. Weitere Publikumslieblinge sind die Marmorstatuen Venus von Milo und Nike von Samothrake.
18 Uhr Der Turm der Türme
Das Wahrzeichen von Paris ist eine 300 Meter hohe Stahlkonstruktion, errichtet für die Weltausstellung 1889: Der Eiffelturm. Auch 100 Jahre nach dem Tod Gustave Eiffels, der am 27. Dezember 1923 starb, können sich viele Besucher an dem Eisenkoloss nicht sattsehen und lieben es, den „Tour Eiffel“ aus möglichst vielen Perspektiven zu entdecken. Deshalb empfiehlt sich ein Spaziergang entlang der Seine auf dem rechten Ufer. Auf der linken Seite verdecken meistens Häuser die Sicht. Wer von Ost nach West läuft, hat den Turm meistens schön im Blick.
Nach Sonnenuntergang ist der Eiffelturm wunderschön illuminiert. Jede volle Stunde blinkt und glitzert er außerdem für fünf Minuten. Um die Lichtershow in voller Schönheit zu genießen, muss man näher ran. Also mit der Métro zur Station Iéna. Von dort sind es nur ein paar Schritte zur Fußgängerbrücke Passerelle Debilly. Von dort hat man einen tollen Blick auf Turm und Fluss. Der Weg zur nächsten Métro führt am Ufer entlang zu den Jardins du Trocadéro. Auch hier wieder: tolle Aussicht!
20 Uhr Diner à la Francaise
Nach einem kurzen Zwischenstopp im Hotel wartet das Abendessen in der Brasserie Bellanger, einen kurzen Spaziergang entfernt. In dem typisch französischen Restaurant gibt es zu zivilen Preisen alles, was das frankophile Herz begehrt: Steak Tatare, Schnecken, Austern. Unbedingt probieren: das Dessert Paris-Brest. Ein Ring aus Brandteig, gefüllt mit Haselnuss-Krokant-Creme. Die runde Form soll an einen Fahrradreifen erinnern, weil das Dessert zu Ehren des gleichnamigen Radrennens erfunden wurde. Um die Kalorien einer Portion wieder abzubauen, muss man wahrscheinlich auch hunderte Kilometer radeln.
10 Uhr Amélies Montmartre
Gestärkt vom Frühstück im Restaurant Neni folgt ein kurzer Spaziergang die Rue de Dunkerque hinauf nach Montmartre, dem Künstlerviertel von Paris. Vor 100 Jahren waren die Mieten auf dem Hügel noch erschwinglich. Daher siedelten sich Maler, Musiker und Dichter hier an. Zu den berühmtesten Bewohnern gehören Pablo Picasso, Vincent van Gogh oder Henri Toulouse-Lautrec.
Filmfans kennen die Ecke als Heimat von Amélie Poulain, Titelheldin des Kinomärchens „Die fabelhafte Welt der Amélie“ von Jean-Pierre Jeunet. Das Café des 2 Moulins in der Rue Lépic, wo die Filmfigur kellnert, gibt es wirklich. Auch wenn sich inzwischen viele Touristen hier drängeln, hat die Gegend immer noch einen besonderen, dörflichen Charme.
Ein verstecktes Highlight beim Spaziergang durch die idyllischen Gassen mit den kleinen Cafés und netten Lädchen ist die „Ich liebe dich“-Mauer. Die „Mur des Je t‘aime“ besteht aus blau glasierten Kacheln, auf denen in weißer Schrift Liebeserklärungen in mehr als 300 Varianten und 250 Sprachen verewigt sind. Wo könnten sich Paare in der Stadt der Liebe schöner fotografieren? Die Liebesmauer wird gerade renoviert und öffnet wieder am 13. April 2024. Am höchsten Punkt von Montmarte thront die Kirche Sacré-Coeur. Die Kirche ist ein wildes Gemisch aus byzantinisch-romanisch und klassizistischer Baustile, ein Gotteshaus im Zuckerbäcker-Stil. Wer nicht zum Sahnehäubchen von Paris hinauf laufen möchte, nimmt den Funiculaire – eine kleine Seilbahn. Die Fahrt dauert anderthalb Minuten und kostet ein Métroticket.
https://cafedesdeuxmoulins.fr/en
https://www.france.fr/de/paris/artikel/basilika-sacre-coeur-montmartre-paris
11 Uhr Shopping in Goutte d’Or
Zu Füßen von Sacré-Coeur im Osten liegt das Viertel Goutte d’Or. Der hübsche Name „goldener Tropfen“ erinnert an einen Wein, der hier früher gekeltert wurde. Heute gibt es im 18. Arrondissement immerhin noch eine Lokalbrauerei. Geschäftsführer Antoine Gaultier erklärt, dass sich der Einfluss der Nachbarschaft in der Geschmacksmischung widerspiegelt. Die Biere tragen daher Namen der umliegenden Straßen: Myrha ist ein Pale Ale, Château-Rouge ein würziges Rotbier, Chapelle nennt sich das IPA, Ernestine das Weizenbier und Petite Pigalle ist ein Tafelbier.
In der Gegend findet man noch Läden mit Charme. So wie das Schallplattengeschäft Balades Sonores. Thomas Changeur hat fast jede Musikrichtung im Angebot – Rap, Jazz, Funk, Soul, Musik aus aller Welt. Wie viele Platten es sind? „Ich habe aufgehört zu zählen. Sicher um die 50.000”, sagt Changeur.
Stéphane Petillon war mehr als 20 Jahre in der IT-Branche tätig, bis ihn sein kleiner Sohn dazu inspirierte, sein Leben komplett zu ändern. Bastien wollte gerne Obdachlosen helfen. Also gründete sein Vater eine kleine Schokoladenmanufaktur und stellte ausschließlich Leute ein, die auf der Straße gelebt hatten. Die Schokolade der Marke „Les Copains de Bastien“ (Bastiens Freunde) verkauft er vor allem an Geschäftspartner von früher, die sich freuen, dass die Schokolade nicht nur gut schmeckt, sondern man auch noch etwas Gutes damit tut.
https://brasserielagouttedor.com/
https://lescopainsdebastien.fr/
14 Uhr Mode-Museum am Stadtrand
Paris ist die Stadt der Haute Couture. Viele berühmte Labels haben hier ihren Sitz. Für Pariser Modehäuser gehört es inzwischen zum guten Ton, ein eigenes Museum zu betreiben. Der Luxustaschenhersteller Louis Vuitton präsentiert im Bois de Boulogne die Kunstsammlung von Besitzer Bernard Arnault, das eindrucksvolle Gebäude der Fondation stammt von Stararchitekt Frank Gehry. Schmuckproduzent Cartier zeigt im Quartier Latin in einem Glasbau von Pritzker-Preisträger Jean Nouvel ebenfalls moderne Kunst.
Im März 2021 hat Chanel nachgezogen und am Stadtrand, einen Steinwurf von Aubervilliers entfernt, das Museum Le 19M eröffnet. Der Name ist eine Hommage an Coco Chanel, die am 19. August 1883 geboren wurde. „M“ steht für „Mode“ oder „Maison“. Im Haus der Mode, entworfen vom französischen Stararchitekten Rudy Ricciotti, dreht sich alles um die hohe Schneiderkunst. Es gibt Ausstellungsräume, Ateliers und ein kleines Café mit einem sehr guten und preiswerten Mittagstisch. Passend zu den Olympischen Spielen in Paris werden ab 21. März Werke des Designers Stéphane Ashpool gezeigt, der die Trikots der französischen Mannschaft für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 in Paris entworfen hat.
17 Uhr Spaziergang durch Saint-Germain-des-Prés
Die linke Seite der Seine ist traditionell das Revier der Intellektuellen. Simone de Beauvoir und Jean Paul Sartre verbrachten ganze Tage im Café de Flore. Auch das Café Les Deux Margot war und ist gerne von der Boheme frequentiert – entsprechend schwer ergattert man hier einen Tisch. Wem nach einem Bummel durch die hübschen Gassen von Saint-Germain-des-Prés nach Erholung und gehobener Kulinarik ist, kehrt in der Brasserie des Hotels Lutetia ein. Der Name Lutetia spielt auf die römische Geschichte an und dürfte Asterix-Fans wohl bekannt sein. Das Restaurant in dem altehrwürdigen und vor kurzem hübsch renovierten Hotel ist ein beliebter Treffpunkt der Einheimischen. Die Küche: klassisch französisch. Unbedingt probieren: ein Glas Champagner Edition Lutetia. Den gibts nur hier – denn das Hotel war früher im Besitz der Edelbrausen-Dynastie Taittinger.
21 Uhr Paris von oben bei Nacht
Wo hat man den besten Blick auf Paris inklusive Eiffelturm? Auf dem Arc de Triomphe. Vor allem am Abend ein Erlebnis, wenn die leider inzwischen zum Teil heruntergekommene Prachtstraße Champs Élysées hell erleuchtet ist und glitzernde Lichter die beliebigen Geschäfte in ein gnädiges Licht tauchen. Am Etoile, dem Stern, treffen sich zwölf große Verkehrsadern der Stadt, man möchte hier nicht selbst Auto fahren. Der Triumphbogen hat bis 22.30 Uhr geöffnet. Eintritt 13 Euro – vorsichtig: es gibt keinen Aufzug!
8 Uhr Ruhe sanft
Idyllisch auf einem Hügel liegt der Cimetière du Père-Lachaise. Der größte Friedhof der Stadt ist täglich ab 8 Uhr geöffnet und kostenlos zugänglich. Ein melancholischer Ort, besonders im Winter, wenn Nebel zwischen den vielen moosbewachsenen Mausoleen und Grabsteinen hängt. Auf verschlungenen Wegen spaziert man durch diesen besonderen Ort, kann durchatmen, Ruhe und Abstand von der trubeligen Stadt finden.
Hier haben viele Prominente ihre letzte Ruhestätte. Eine Schautafel am Eingang gibt Auskunft, wo man Künstler wie Frédéric Chopin, Edith Piaf, Marcel Proust oder Max Ernst findet. Die meistbesuchten Gräber sind die von Oscar Wilde und Jim Morrison. Auch über 50 Jahre nach dem Tod des Sängers der Band The Doors stehen jeden Tag Menschen an seinem Grab, sichtlich betroffen.
http://www.paris.fr/cimetieres
10 Uhr A bientôt, Paris!
Mit der Metrolinie 2 geht es ohne Umsteigen zur Station Barbès Rochechouart und von da ein paar Meter zu Fuß zum Hotel. Zum Frühstück gibt es ein Croissant auf die Hand bei der Boulangerie Carton, beim Hotel gleich um die Ecke. Die Hörnchen der Bäckerei wurden als die besten von tout Paris ausgezeichnet. Eine Tüte voll Gebäck passt noch ins Handgepäck. Dann heißt es Abschied nehmen. Adieu Paris! Vom Bahnhof Gare de l’Est fährt der TGV zurück nach Stuttgart.