Alle drei Jahre kürt die Unesco eine „Welthauptstadt der Architektur“. Im Moment trägt Kopenhagen diesen Ehrentitel. Designliebhaber und Genießer kommen in der dänischen Hauptstadt auf ihre Kosten. Hier kommen unsere Tipps.
Die dänische Hauptstadt ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert. Was Sie in Kopenhagen innerhalb von zwei Tagen alles erleben können, verraten wir hier.
16 Uhr Ankunft
Mit dem Direktflug von SAS geht es in etwas mehr als einer Stunde ab Stuttgart in den Norden. Kopenhagen ist eine Stadt der kurzen Wege – das zeigt sich schon am Flughafen. Wenige Schritte sind es bis zur Metrostation. Die Linie 2 fährt in einer Viertelstunde vom „Lufthavn“ in die Stadt. Wer nicht am Ticketautomaten Schlange stehen möchte, lädt schon vorab die App der Verkehrsbetriebe aufs Handy. Das 48-Stunden-Billett für alle öffentlichen Verkehrsmittel kostet 160 Dänische Kronen (21,45 Euro). Tipp: In der Bahn ganz nach vorne setzen und den Ausblick genießen, der sonst dem Fahrer vorbehalten ist. Denn die autonomen Züge fahren wie von Geisterhand. Achtung: Dafür gibt es ziemlich viele leibhaftige Fahrscheinkontrolleure. www.flysas.com; www.publictransport.dk
17 Uhr Check-in im Hotel
Bis vor ein paar Jahrzehnten lagerten auf der kleinen Insel Christiansholm riesige Papierrollen für die dänischen Tageszeitungen. Papirøen – Papierinsel – wird die Gegend daher noch immer genannt. Nach einer Zwischennutzung als Streetfood-Markthalle sind die alten Gebäude abgerissen worden. Die dänischen Stararchitekten um Dan Stubbergaard vom Büro Cobe haben ein neues Quartier konzipiert: Wohnen und Arbeiten mitten in der Stadt, dazwischen viel Grün, umgeben von Wasser. Wie eine riesige Toblerone-Schokolade ragen die trapezförmigen Neubauten markant gezackt in die Höhe. In einem der Häuser residiert seit Sommer 2024 das 25Hours Hotel Paper Island. Von den Zimmern auf der Nordseite sieht man auf eine andere Designikone: die benachbarte Königliche Oper, ein Entwurf von Henning Larsen. DZ ab 250 Euro, www.25hours-hotels.com .
19 Uhr Ausflug nach Asien
Fusionsküche aus Vietnam, Kambodscha, Japan und Thailand, raffiniert kombiniert und fein gewürzt, das ist die Spezialität des neuen Restaurants Tiger Lily in Christianshavn. Eine ambitionierte Mannschaft nimmt die Gäste mit auf eine Genussreise durch asiatische Garküchen und Streetfoodmärkte. Dirigiert wird das Team von Küchenchef Stephan Erletz. Der Bayer arbeitete zuvor im Hamburger Sternelokal Haerlin im Hotel Vier Jahreszeiten. www.tigerlily.dk
21 Uhr Absacker mit Ausblick
Ein Ambiente wie in einem Pub in London, dazu ambitioniert gemixte Drinks und die glitzernden Lichter der Stadt zu Füßen: Das in der achten Etage gelegene Victory Public House ist der perfekte Ort für einen Cocktail, www.victorycph.dk
9 Uhr Gute Stube der Stadt Kopenhagen
Nach dem Frühstück im Hotel geht es zu Fuß über die neue Brücke „Inderhavnsbroen“ Richtung Innenstadt, vorbei am pittoresken Hafen Nyhavn mit seinen bunten Häuschen und Seemannskneipen zum Kongens Nytav. Kopenhagen kann nicht nur modern, sondern auch traditionell sein. An dem großzügigen Platz – die gute Stube der Stadt – befinden sich das altehrwürdige Hotel d’Angleterre und das schicke Kaufhaus Magasin du Nord, quasi das Harrods von Kopenhagen. In der Erde unter der Jahrhundertwende-Pracht befindet sich eine große Metrostation. Mit der Linie 4 zum Orientkaj. www.magasin.dk/
10 Uhr Kopenhagens Hafencity
Déjà-vu-Erlebnis: Wer sich beim ersten Umschauen fühlt wie in der Hamburger Hafencity, liegt goldrichtig. „Beide Stadtentwicklungsprojekte haben eine ähnliche Geschichte. Auch der Nordhavn diente vor Jahrhunderten als Freihafen“, sagt Stadtführerin Bente Hoffmann von Slow Tours. Als die alten Speicher und Lagerhäuser nicht mehr gebraucht wurden, entstand ein neuer Stadtteil. Seit ein paar Jahren tobt sich vor allem das Team von Cobe Architects hier aus, einige Entwürfe stammen auch von Bjarke Ingels. Sehenswert: das Haus Silo – eine alte Lagerhalle, jetzt mit einer organisch wogenden Fassade aus Metall verkleidet. Wer gemeinsam mit Kindern reist, sollte sich unbedingt das Parkhaus Lüders ansehen. Auf dem Dach des rostigen Gebäudes versteckt sich ein Spielplatz. Es gibt Klettergerüste, Trampoline, eine Schaukel, Bänke zum Picknicken und eine tolle Aussicht. Nicht weit entfernt direkt vor der deutschen Botschaft, die in einem ehemaligen Zementsilo am Göteborg Plads residiert, liegt das Hafenbad Sandkaj. Eine der 14 Stellen in der Innenstadt, wo man schwimmen darf. Selbst im November springen Unerschrockene ins klare Wasser. https://svoemkbh.kk.dk/badezoner
11.30 Uhr Imbiss mit Stil
Audo House ist mehr als ein sehr geschmackvoll eingerichtetes Café mit angeschlossenem Interiorshop. Alles, worauf man sitzt, wovon man isst, was leuchtet und so weiter, stammt von Audo, einer Marke für teure Designermöbel und Accessoires. Die Kunden sollen die Produkte live im Einsatz erleben und testen. Daher gibt es sogar ein paar Hotelzimmer im ersten Stock des alten Kaufmannshauses (Audo Residence, DZ ab 330 Euro). Kreative aus der Nachbarschaft kommen gerne her, um in der elegant-heimeligen Umgebung zu arbeiten. Besucher genießen eine Tasse Kaffee. Die Lunchkarte ist klein und bietet ein paar Snacks wie belegte Brote. Frisch gestärkt geht es mit der Metro-Linie 4 von Nordhavn nach Osterport. https://audocph.com
12.30 Uhr Kleine Dame ganz groß
Nichts und niemand wird so oft in Kopenhagen fotografiert wie die kleine Meerjungfrau. Das Wahrzeichen der Stadt hockt mit traurigem Blick auf einem Granitfelsen. Bildhauer Edvard Eriksen schuf die Bronzeplastik nach einem Motiv von Hans Christian Andersen. Bezahlt und in Auftrag gegeben von Bierbrauer Carl Jacobsen, der sich nebenbei gerne als Kunstmäzen betätigte. Seit ihrer Aufstellung 1913 hat man die Arme schon mehrfach beschädigt. Und 2010 weilte sie monatelang zum „Meerjungfrauenaustausch“ auf der Expo in Schanghai. Kopenhagen bekam keinen Ersatz, man stellte eine Großbildleinwand auf, die Livebilder aus China übertrug. www.visitcopenhagen.de
13 Uhr Stadtbummel und Shopping in Kopenhagen
Vorbei am Kastell und Schloss Amalienborg, der Residenz von Frederik X. und der königlichen Familie, geht es am Wasser entlang zum Strøget. Die Einkaufsmeile besteht aus verschiedenen Straßen und Plätzen wie Frederiksberggade, Nygade oder Amagertorv. Man kann hier bummeln und stöbern bis zum Umfallen, neben internationalen Brands gibt es viel nordische Mode und Design, zum Beispiel im Kaufhaus Illums Bolighus. Nützliches schön machen, das können sie einfach, die Nordlichter. Weiter mit der Metro-Linie 3 von der Station Gammel Strand nach Nørrebro. www.illumsbolighus.dk/
15.30 Uhr Street-Art in Nordvest
Unterschätzte Stadtviertel brauchen oft nur etwas Farbe und zack, sind sie eine Attraktion. Das dachte sich der leidenschaftliche Kunstsammler und Publizist Jens-Peter Brask. Inspiriert von Miamis Wynwood Walls kuratierte er im Stadtviertel Nordvest fassadenhohe Wandgemälde auf den Giebelseiten von einförmigen Wohnblöcken. In den Straßen Møntmestervej und Rentemestervej bemalten internationale Künstler wie Mason Saltarrelli oder Coline Marotta 16 fensterlose Seitenwände. Seit 2019 gibt es die Freiluftgalerie, sie soll die größte in Skandinavien sein. www.jenspeterbrask.com.
16 Uhr Kaffeepause im Hinterhof
Kunst macht hungrig: Um die Ecke liegt Flere Fugle, ein lässig-alternatives Café in einem Hinterhof, in dem sich früher eine Autowerkstatt befand. https://flerefugle.dk/.
17 Uhr Kreatives Nørrebro
Rau, bunt, urban, multikulturell, voll von unabhängigen Läden. Nørrebro ist das Kreativviertel von Kopenhagen: Die Jægersborggade bildet den Kontrast zum luxuriösen Strøget. Hier findet man nachhaltiges Design aus Recycling, Galerien, Secondhandläden, Manufakturen, Kunstgewerbe – Filialisten müssen draußen bleiben.
19 Uhr Ausflug nach Italien
Im sehr angesagten Restaurant Paesano gibt es original neapolitanische Küche in gemütlichem Ambiente. Aha-Erlebnis: Unter Pasta alla genovese verstehen Menschen aus Neapel nicht etwa Nudeln mit grünem Pesto, sondern ein Ragout aus geschmortem Rind und Zwiebeln. Wieder was gelernt. www.paesanocph.dk/
21 Uhr Spaziergang und Drinks
Ein Verdauungsspaziergang führt vorbei am Assistens Friedhof (hier liegen Berühmtheiten wie der Philosoph Søren Kierkegaard und der Autor Hans Christian Andersen) über die Brücke „Dronning Louises Bro“ in die Innenstadt. Neben dem historischen Runden Turm liegt die Bar Rendezvous. Ein Drink geht noch. www.rendezvous-bar.dk/en
9 Uhr Gebäck vom Noma-Bäcker
In der Hart Bageri, direkt gegenüber des Hotels, soll es die besten Kardamom-Croissants in ganz Kopenhagen geben. Besitzer Richard Hart buk für das Restaurant Noma, bevor er seine eigenen Bäckereien eröffnete. Es gibt zehn Filialen über die Stadt verteilt. Gestärkt schafft man den Fußweg zur Metro und fährt mit der Linie 3 bis zum Enghave Plads.
10 Uhr Bier, Bier, Bier
Das historische Firmengelände der Carlsberg Brauerei von 1847 wurde zu einem schicken Museum umgebaut. Je nach persönlichem Tempo braucht man eine Stunde bis 90 Minuten, um die aufwendig gemachte Ausstellung des Besogscenters (Besucherzentrum) zu durchwandern. Präsentiert werden historische Objekte in Kombination mit Multimedia. Eintritt: rund 28 Euro, https://homeofcarlsberg.com
12 Uhr Stulle mit Stil
Belegtes Butterbrot hört sich nicht nach einem kulinarischen Kracher an? Weit gefehlt. Krabben, Hühnchensalat, Rote Bete oder Hering auf einer Scheibe Brot kann richtig lecker sein. Wunderbares Smørrebrød gibt es bei Aamanns, nicht nur in der Nähe der Brauerei, sondern auch in weiteren Filialen in der Stadt. Mit der Metro Linie 3/4 vom Enghave Plads zur Station Sluseholmen. https://aamanns.dk/
13 Uhr Aufs Wasser
Im Stadtteil Sydhavn betreibt die Firma Go Boat eine kleine Marina. In die Elektroboote passen bis zu acht Personen, Skipper Theo, ein Student aus Österreich, steuert das Schiff den Kanal entlang und weicht geschickt den gelben Wasserbussen aus. Nach einer Stunde Schauen und Staunen kann man im Stadtteil Islands Brygge auf Höhe der Brücke „Langebro“ aussteigen. Eine Stunde Rundfahrt ab rund 130 Euro, https://goboat.dk/
14.30 Uhr Erlöserkirche
Christianshavn hat sich von der verlassenen Industriebrache zum In-Viertel gemausert. Markanter Hingucker: die For Frelsers Kirke (Erlöserkirche) mit ihrer gedrehten Kirchturmspitze. An ihr läuft man auf dem Weg zurück zum Hotel vorbei. Wer noch Zeit und keine Höhenangst hat, kann auf der außen liegenden, spiralförmigen Treppe hinaufsteigen, Eintritt 9,25 Euro, www.vorfrelserskirke.dk/
15 Uhr Rauf aufs Rad
Kopenhagen ist eine sehr fahrradfreundliche Stadt, es gibt kilometerlange Radwege. Gäste des Hotels Paper Island müssen nicht lange nach einem Verleih suchen: Die Hotel-Gruppe kooperiert mit der Berliner Manufaktur Schindelhauer.
Gegen eine geringe Gebühr können sich Gäste der Häuser ein Zweirad ausleihen. In den höheren Zimmerkategorien gehört das Bike sogar zur Raumausstattung dazu und darf einfach genutzt werden.
17 Uhr Abreise
Jetzt aber schnell zurück zum Flughafen, Rückflug um 19.15 Uhr via Amsterdam mit KLM. www.klm.de