Kurt Breuer feierte seinen 80. Geburtstag. Mehr als 30 Jahre war er im Freudenstädter Gemeinderat.
Vor dem Rummel eines runden Geburtstags ist Kurt Breuer mit seiner Frau Irmhild für ein paar Tage in die Ruhe eines Hotels nach Kniebis geflüchtet. Ende Dezember feierte er seinen 80. Geburtstag.
Jetzt, in den Achtzigern angekommen, möchte sich der Jubilar von vielen Sachen trennen, träumt von einem „reinen Haus“. Die Trennung von seinen Bildern, seinen Briefmarken, seinen Büchern, von so vielen Dingen, die ihn über Jahrzehnte begleitet haben, fällt nicht leicht.
Nach seiner Ausbildung an der Universitätsklinik in Hamburg kehrte Breuer 1976 in die alte Heimat zurück und holte später seinen Hamburger Kollegen Michael Langholf nach. Mit seinem Vater arbeitete er in dessen Facharztpraxis, die er später übernahm und mit seiner Frau – ebenfalls Augenärztin – bis 2010 weiterführte. Dann fand sich keine Nachfolge. Auch im Ruhestand gingen beide noch in der Praxis Jäger ihrem Beruf nach und dann in reduziertem Umfang in ihrem eigenen Notfallraum zu Hause. Ihnen lag immer daran, sich Zeit für ihre Patienten zu nehmen. Die Liebe zur Medizin übertrug sich auf ihren Sohn Arnulf, der Internist wurde.
Turbulente Jugend im zerstörten Freudenstadt
Als Dreijähriger von Tübingen in den Schwarzwald gekommen, erlebte Kurt Breuer eine turbulente Jugend im zerstörten Freudenstadt und verfolgte interessiert den Wiederaufbau. Daran liegt es vielleicht, dass er eine menschliche Stadt als sein Ziel sieht, eine Stadt, die ihre ortstypische Substanz pflegt, ihr Gesicht behält und „die Unverwechselbarkeit unserer Umgebung nutzt“, wie er sagt.
Dafür hat er sich zeitlebens eingesetzt. Unter anderem 30 Jahre im Gemeinderat in der Fraktion der Bürgeraktion (BA), aber auch als Gründer und Vorstand des Denkmalvereins oder als Mitglied im Heimat- und Museumsverein.
Noch heute beobachtet er die Entwicklung Freudenstadts kritisch, argwöhnisch darauf achtend, dass nicht alles Alte modischen Trends unterworfen wird. Er engagierte sich federführend im Kunstverein und schrieb Beiträge im Kreisjahrbuch über hiesige Künstler und die Baugeschichte der Stadtkirche. Er ist im Kirchengemeinderat und im Chor der Martinskirche, dafür muss er im Sport bei den TSV-Jedermännern kürzer treten. Seine geistliche Heimat hat er in der Gemeinde und seit seinem 18. Lebensjahr im missionarischen Marburger Kreis.
Im großen Freundeskreis wird er geschätzt
Schon als Siebziger sprach Kurt Breuer davon, jetzt mehr Zeit für Familie und die Enkel zu haben, Kontakte zu pflegen, Besuche zu machen, zu lesen, Freundschaften aufzufrischen, auch mal mit dem winzigen Wohnanhänger zu reisen. Vielleicht klappt es ja jetzt.
Seine Heimat aber bleiben Freudenstadt und die Region, wo er sich im großen Freundeskreis wohl fühlt und geschätzt wird als hilfsbereiter und humorvoller Mensch, der seine eigene Meinung freundlich zu vertreten weiß.