Eine Alpenüberquerung als Schulprojekt: 15 Jugendliche des Theodor-Heuss-Gymnasiums wollen im Sommer hoch hinaus – und freuen sich über Unterstützer.
Knapp 300 Kilometer, etwas 5000 Höhenmeter, der Start in Winterthur, der Zieleinlauf sechs Fahrtage später am Comer See: Es ist ein Programm voll buchstäblicher Höhepunkte, auf das sich die Teilnehmer eines Seminarkurses der zwölften Klassenstufe am Schopfheimer Theodor-Heuss-Gymnasium (THG) derzeit vorbereiten.
Eigenverantwortung gefragt
Planen und Organisieren, Verantwortung übernehmen und als Gruppe zusammenwachsen: Neben der sportlichen Herausforderung stehen bei dem Projekt die Vermittlung pädagogischer Werte auf der Agenda. „Es geht darum, das Projekt möglichst selbstständig aufzugleisen und eigenverantwortlich durchzuführen – und dabei auch die eigenen Grenzen zu erkennen“, erklären die beiden verantwortlichen Lehrkräfte Tom Kunze und Gisa Wilhelm im Gespräch mit unserer Zeitung: „Wer einmal auf einem Alpenpass steht und die eigene Leistung im Zusammenspiel mit der Gruppe spürt, nimmt eine Erfahrung mit, die prägt – fürs Leben“, sind sie sicher.
War die konkrete Umsetzung des Grob- und Großziels „Alpenüberquerung“ zu Beginn des Schuljahres noch völlig offen, hat sich mit Start, Ziel und den einzelnen Etappen inzwischen doch einiges konkretisiert. Stattfinden soll das die Tour im kommenden Juni.
Schüler hoch motiviert
Eine Erkenntnis auf diesem Weg: bei aller Motivation und Gruppendynamik nicht überziehen und die eigenen Grenzen realistisch einschätzen. Über diesen Überlegungen haben sich die einzelnen Etappen nun auf ein machbar-gemäßigtes Maß von 40 bis 50 Kilometer und 1000 bis 1500 Höhenmeter eingepegelt; schließlich gehören nicht alle aus der Projektgruppe zu den Supersportlern, und schließlich ist nicht Höchstleistung die Hauptmission.
Auch die Unterkünfte entlang der Strecke sind inzwischen zum großen Teil ausgespäht und festgezurrt – durchaus ein wichtiger Teil der Vorab-Planung wenn man im größeren Konvoi anreist: Zu den 15 Schülern und den zwei Lehrkräften gesellt sich ein kleines Begleitteam, das das Reisegepäck von Hütte zu Hütte transportiert – und im Zweifel auch einen Teilnehmer, wenn es doch mal zu Krankheit oder Krise kommt.
Input und Inspiration
Eine Menge Input und Inspiration bei den Vorbereitungen brachte unlängst der Unterrichtsbesuch eines erfahrenen Bergkenners: Gerald Nill ist seit Jahrzehnten in Gebirgszügen in aller Welt unterwegs, hat zahlreiche Gipfel und Höhenzüge erklommen – und dabei insbesondere die Alpen mehrfach auf unterschiedlichsten Routen durchquert. Zwischenzeitlich hat er sich dort sogar ein zweites Zuhause eingerichtet, zusätzlich zur ersten Heimat in Gresgen.
Die Alpen durchschreiten
Aktuelles Projekt, für das Nill sich immer mal wieder eine Woche aus dem Berufsalltag als freischaffender Journalist – unter anderem für unsere Zeitung – herausnimmt: Die Durchschreitung der Alpen auf der „Grande Traversata delle alpi“. Die Tour führt in etwa 65 Etappen rund 1000 Kilometer weit von den Walliser Alpen nach Ventimiglia am Mittelmeer.
Vom THG-Projekt hatte er über einen kleinen Bericht in der Zeitung erfahren – und sich vom dortigen Aufruf zur Unterstützung direkt angesprochen gefühlt. Wurde der Keim für seine eigene Bergleidenschaft doch bei genau solch einer Stufenexkursion im Alter von 16 Jahren gelegt, wie er erzählt.
Beim Unterrichtsbesuch hatte Nill einen riesigen Fundus eindrücklicher Bilder dabei – jede Menge Anschauungsmaterial für eine der Grundweisheiten des Unterwegsseins: Zu Fuß und auf dem Rad entdeckt man jede Menge Details, die man sonst nicht sieht: Pflanzen und Getier, skurrile Wegmarken und atemberaubende Ausblicke – oder den Schirm, der (absichtlich hinterlassen oder einfach vergessen?) am Wegesrand in der Erde steckt.
Praxisnahe Tipps
Über dass Zeigen und Erzählen vermittelte Nill beiläufig jede Menge Infos und Praxis-Tipps. Angefangen vom beruhigenden Hinweis, dass die Schweizer Alpen perfekt beschildert sind, über den Rat, wirklich nur das Nötigste (in Litern und Kilo: maximal dreißig, respektive acht) mitzunehmen, bis hin zum in ärgerlicher Selbst-Erfahrung gewonnenen Know-how in Sachen Schweizer Bahn: Velos dürfen im ICE nur mit eigener Reservation mitfahren. Ansonsten heißt es aussteigen.
Andere Erfahrungswerte liegen eher im mentalen Bereich: „Jede Tour hat ihren Tiefpunkt, über den man hinweg muss“ zum Beispiel – und damit direkt verwandt: „Oft ist gerade das, was nicht ganz rund läuft, auch das, was eine Tour im Rückblick besonders macht.“
Aufgaben im Team meistern
Eine Erkenntnis wiederum, die in den von den Lehrern skizzierten Projektzielen durchaus eingepreist ist: „Es geht auch darum, als Team Herausforderung zu meistern.“
„Der Unterrichtsbesuch hat die Motivation und die Freude auf das Projekt noch mal immens gesteigert“, berichtet Lehrer Tom Kunze im Nachgang. Und er hat den Fokus der Gruppe nochmals neu justiert: Hatten die Schüler bis dahin bei der Planung per App oft möglichst direkte und-oder praktische Wege ausgesucht, beherzigt die nun gefundenen Route eine weitere Grundregel: Jede Tour braucht ihre Highlights, auf die man hinstrebt. „Die Tour, die wir nun gefunden haben, erfüllt das auf jeden Fall“, ist sich Kunze sicher.
Weitere Infos
Blog
Auf einem eigenen Blog informieren die Schüler über ihre Pläne und über die Möglichkeiten, das Projekt auch finanziell zu unterstützen: thg-schopfheim.de/index.php/schulleben/seminarkurs-alpen.html
Vortrag
Unterm Titel „Zu Fuß durch die Alpen zum Mittelmeer“ zeigt Gerald Nill am 18. Januar, 17 Uhr, einen Bilder-Vortrag über die Via Alpina. Ort: Hofgut Leo, Zell-Gresgen. Der Eintritt ist frei