Schlepperfahren will gelernt sein. Veronika Grossenbacher (stehend) hilft einer Teilnehmerin, den Schlepper in Bewegung zu bringen. Foto: Klaus Ranft

Frauen übernehmen zunehmend Verantwortung auf dem Hof: In Neustetten übten Bäuerinnen den Umgang mit Traktoren.

Eine kalte, steife Brise wehte trotz Sonnenschein über die Sportanlagen und wer nicht unbedingt musste, der blieb zu Hause. Dennoch herrschte auf dem Festplatz beim Tennisheim reges Treiben. Zu Gast war nämlich das evangelische Bauernwerk, welches ein Schlepperseminar für Bäuerinnen und Betriebshelferinnen anbot und die Landfrauen mussten auch nicht, sondern sie kamen durch die Bank freiwillig und gerne.

 

Es galt für sie, sich an diesem Tag auf den Ernstfall vorzubereiten. Dieser könnte eintreten, wenn es in der Hochsaison – warum auch immer – Wetter- oder personell bedingt klemmt und sie an das Lenkrad eines Schleppers sitzen und aushelfen müssen. Viel Zeit und Geduld für große Erklärungen bleibt dann nicht mehr, es muss gehandelt werden.

Um es erst gar nicht so weit kommen zu lassen, wurde dieses Seminar, welches jährlich und zum ersten Mal in der Region Tübingen stattfand, angeboten. Allerdings hatten sich nur zwölf Teilnehmerinnen angemeldet. Die meisten kamen aus der Region, eine reiste sogar aus der Hohenlohe an.

Wenige Teilnehmerinnen

„An der doch schwachen Beteiligung sind auch wir vom evangelischen Bauernverband schuldig“, räumte Veronika Grossenbacher freimütig ein. Man habe die Einladungen zu diesem Seminar eben zu spät verschickt, so ihr Statement.

Der Kurs beinhaltete Schleppertechnik für Anfänger, Rückwärtsfahren mit einem ein- oder zweiachsigem Anhänger, deren Ankuppeln, Landmaschinen anhängen und anheben, oder aber auch das Stapeln von Quader-Strohballen. Alles unter der fachkundigen Anleitung von Veronika Grossenbacher, Agraringenieurin beim Evangelischen Bauernwerk, die von Traktor zu Traktor sprang und bereitwillig „von Frau zu Frau“ Rede und Antwort stand.

Das richtige Ankuppeln eines Anhängers und die Funktionsweise der Kupplung wurden beim Seminar erlernt. Foto: Klaus Ranft

„Bauernpfarrerin“ vor Ort

Mit dabei an diesem Tag war auch die Bezirkspfarrerin des evangelischen Bauernwerks, Christine Eppler, auch als „Bauernpfarrerin“ bekannt. Für sie stand an diesem Nachmittag nicht unbedingt der Schlepperkurs vordergründig, sondern, dass die Vereinten Nationen das Jahr 2026 zum internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft ausgerufen hatten. Ihr sei wichtig, dass die Bäuerinnen mehr in den globalen Fokus gerückt und deren Schaffen und Arbeitskraft mehr gewürdigt werden.

Derweilen ging es auf dem Festplatz unentwegt weiter. Die sieben von Walter Lutz, Vorsitzender vom Bauernverband, Ortsverein Neustetten-Nellingsheim und Mitglied des Bezirksarbeiskreises, organisierten Schlepper und Anhänger waren voll im Einsatz. Es lag natürlich in der Sache, dass von den zwölf Teilnehmerinnen die jüngeren Landfrauen sich im Umgang mit den zum Teil digitalisierten, hochmodernen Landmaschinen leichter taten als die älteren Bäuerinnen.

Federspeicherzylinder

Immer wieder bildeten sich auch kleinere Grüppchen, in denen gefachsimpelt wurde und eine Bäuerin erläuterte ihren Kollegen sogar das Funktionsprinzip eines Federspeicherzylinders, der dafür sorgt, dass insbesondere die größeren Schlepper schnell zum Anhalten gebracht werden können.

Gut funktionierte im großen Ganzen auch das Rückwärtsfahren mit einem Einachsanhänger in eine gekennzeichnete Bucht, wenn auch bei machen Teilnehmerinnen erst im zweiten Anlauf. Dass dies mit einem Zweiachser-Anhänger nicht ganz so einfach war, sei lediglich am Rande erwähnt.

Damen sind begeistert

Zwischendurch sorgte ein Kaffee beim Tennisheim für willkommene Abwechslung. Gefallen hat die gut vierstündige Veranstaltung den Damen allemal. Vor allem auch Martina Baumann aus Nagold, die über den Maschinenring Böblingen auf diese Veranstaltung aufmerksam wurde: „Das war einfach nur Klasse“, sagte sie,und weiter: „Ich gehe immer zu solchen Aktionen, weil ich mich schlicht und einfach mit Neuem vertraut machen möchte und weil das Schlepperfahren für mich eine Herzensangelegenheit ist.“ Eine Teilnehmerin deren Namen wir nicht veröffentlichen dürfen, weil ihr Mann allein auf Exerzitien ist, konstatierte augenzwinkernd: „So ist das halt im Leben, bei uns ist der Mann für das Seelenheil und die Frau für die Landwirtschaft zuständig.“