Kurs für Welpen und ihre Menschen Süßes Chaos: Was kleine Hunde wirklich lernen müssen
Ein Blick in einen Welpenkurs zeigt, wie Hundetrainerin Nici Büttner jungen Vierbeinern spielerisch den Umgang mit der Menschenwelt beibringt.
Es ist ein ganz bezauberndes Willkommens-Durcheinander: Caya wedelt fröhlich mit dem Schwanz und wickelt die Menschen um sie herum mit ihrer Leine ein. Gino wuselt sich tapsig und ein wenig unkoordiniert an den vielen Beinen vorbei und schnuppert verträumt auf dem Boden herum. Rocky guckt sich das Szenario lieber von oben an, sein Herrchen hat ihn auf den Arm genommen.
Der kleine Maltipoo, eine Kreuzung aus Pudel und Malteser ist noch ein bisschen schüchtern. Er ist erst zum zweiten Mal beim Welpenkurs von Hundetrainerin Nici Büttner dabei und generell ein eher zurückhaltendes Kerlchen.
„Das ist gut für den Hund und auch für uns“
Rocky ist zwölf Wochen alt und seit drei Wochen bei seinen neuen Hundeeltern in Marbach. Beim Welpenkurs hat es dem kleinen Maltipoo samt Herrchen und Frauchen gleich gefallen. „Das ist gut für den Hund und auch für uns“, sagen sie und gucken ihren Rocky verliebt an. „Da können wir ein paar Tricks und Kniffe lernen.“
Genau darum geht es in dem Kurs. „Der Grundstein für ein entspanntes Miteinander wird im Welpenalter gelegt“, sagt Nici Büttner. Die Hundekinder sollen in ihrem Welpenkurs spielerisch lernen, sich in der Menschenwelt zurechtzufinden, Herrchen und Frauchen bekommen das passende Wissen an die Hand.
Alles ist so aufregend
Treffpunkt an diesem Sonntagvormittag ist ein Parkplatz in der Nähe von Steinheim mit viel Natur drumherum. Die Hundetrainerin hat dort einige bunte Hütchen aufgestellt, dort breiten die frisch gebackenen Hundeeltern die Decken für ihre kleinen Vierbeiner aus. Einfach da drauf zu sitzen, ist für die wenigen Wochen alten Tiere schon eine Leistung, denn viel zu aufregend ist die Umgebung, die Gerüche, die Eindrücke…
„Was unsere Erwartungen an die Hunde sind, ist ihnen nicht klar, wenn sie auf die Welt kommen“, sagt Nici Büttner. „Zum Beispiel dass sie an der Leine laufen und nicht ziehen sollen.“ Deswegen wird jedes schöne Verhalten belohnt.
Gutes Verhalten soll verstärkt werden
Nici Büttner brennt für dieses positive Hundetraining. Gutes Verhalten soll verstärkt werden, das Training fair sein, die Beziehung zwischen Mensch und Hund vertrauensvoll. Dazu gehören für sie klare Grenzen und das Verständnis für die Sprache und Bedürfnisse der Hunde.
Als es ums gemeinsame Spielen geht, können sich Gino und Caya erst einmal vorsichtig beschnuppern. Weil’s gut klappt mit den beiden, dürfen sie von der Leine und dann flitzen der weiße Golden-Retriever-Bub und das schwarze Staffordshire-Bullterrier-Mädchen um den Platz. Hintereinander her, nebeneinander, mal ist der eine vorne, mal die andere... die beiden haben offensichtlich richtig Spaß.
Süßer Anblick
Dann sind Buddy und Nala an der Reihe. Die beiden Welpen balgen sich und purzeln übereinander, dass es eine wahre Freude ist. Als Zuschauer hält man vor lauter Hundebabyglück schon fast den Atem an. Es ist einfach zu süß.
Nach dem Spielen sind deshalb alle ein bisschen aus der Puste, Hunde wie Menschen. Die Vierbeiner sitzen auf ihren Decken und dürfen „erst mal ein bisschen runterkommen“, sagt Nici Büttner.
Belohnung muss sich wirklich verdient werden
Und dazu gibt es auch eine Belohnung für die, die einfach nur ruhig zugeschaut haben. Nichtsdestotrotz sei das positive Training „keine Leckerlie-Schleuder“, betont die Hundetrainerin. Zum einen ist Belohnung ein großes Feld, das nicht nur aus Futter bestehe. Zum anderen geht es schlicht darum, gutes Verhalten zu verstärken.
Nici Büttner hat schon als Kind viel Zeit mit Hunden verbracht, später hatte sie eigene, bis es der Beruf nicht mehr zuließ. Dank zunehmend flexibler Arbeitszeiten zog dann doch 2021 Akira bei ihr ein. Die Terrier-Mix-Dame war sehr sensibel, extrem reaktiv und unsicher. Um sie besser zu verstehen, begann die heute 44-Jährige, sich intensiv mit der Sprache und dem Wesen von Hunden zu beschäftigen.
Ein Sprung ins kalte Wasser
Aus diesem Wunsch wuchs eine Leidenschaft – und schließlich der Entschluss, eine fundierte Ausbildung zur Hundetrainerin und Verhaltensberaterin zu machen, die zwei Jahre dauerte. Dann kündigte die Murrerin ihren unbefristeten Job bei einer Krankenkasse und sprang ins kalte Wasser.
Im vergangenen Herbst gründete sie ihre mobile Hundeschule und begleitet seither andere Mensch-Hund-Teams, wie sie es nennt, dabei, einander besser zu verstehen. Diesen Schritt hat Nici Büttner nie bereut, geht voll darin auf. „Ich würde es immer wieder so machen.“
„Mit Herz und Verstand“
Teil ihres Angebots sind die Kurse für die Welpen. Die findet sie selbst natürlich auch total süß. „Aber ich freue mich vor allem, wenn Menschen sich so um ihren Hund bemühen, wenn sie mit Herz und Verstand dabei sind“, sagt Nici Büttner.
So wie die Frauchen und Herrchen der jungen Hunde an jenem Sonntag. So müde, wie der eine oder andere Welpe gerade noch gewirkt hat, scheint der Nachwuchs beim Verabschieden gar nicht mehr zu sein. Es wuselt wieder auf dem Parkplatz. Ein letztes Mal wird sich beschnuppert, werden noch zwei, drei Menschen mit der Leine umwickelt, dann geht es wieder nach Hause. Bis nächsten Sonntag.