Berufsschüler werden für Nagolder Senioren zu Smartphone-Lehrern Foto: Schölzel

Wie schreibe ich meinen Enkeln eine WhatsApp? Wie scanne ich QR-Codes ein? Wie verbinde ich mein Telefon mit dem WLAN? Antworten auf diese Fragen bekommen Senioren von Schülern der Annemarie-Lindner-Schule. Für viele der Teilnehmer ein sehr bereichernder Kurs.

Nagold - Für die jüngere Generation sind sie ein leichtes, der älteren bereiten sie oftmals erhebliches Kopfzerbrechen: Die Rede ist von Smartphones. Wie gut, dass es Unterstützung gibt: Der Nagolder Stadtseniorenrat hat erneut mit der Annemarie-Lindner-Schule kooperiert und einen Kurs für die Smartphone-Benutzung veranstaltet. Im Rahmen des Faches Sozialmanagement werden in dem Kurs nun zehn Schüler der Eingangsklasse zum Lehrer und vermitteln den Senioren nützliche Inhalte, die man heutzutage im digitalen Alltag unbedingt braucht.

 

An vier Montagen werden nun alle Fragen rund um Apps, Messenger, WLAN, Google oder Daten Roaming im Ausland beantwortet. Und Fragen gibt es einige: Besonders hoch im Kurs steht die Benutzung der Corona-Apps und das damit verbundene Einscannen der QR-Codes. "Es ist wichtig, dass Jung und Alt zusammenkommen. Die Älteren müssen unbedingt lernen, mehr das Handy zu benutzen", so Eberhard Schwarz vom Stadtseniorenrat. "Innerhalb der Familie ist es manchmal schwierig, das beizubringen."

Instagram und WhatsApp sind gefragt

Diese Erfahrung hatte auch Annegret König gemacht, weshalb sie sich für den Kurs anmeldete. "Meine Familie hat für sowas keine Zeit", lacht sie. "Und auch keine Geduld." Am heutigen Montag hat sie mit ihrer Lehrerin Marisa Schittenhelm gelernt, wie man Nummern abspeichert, Fotos aufnimmt und wo eigentlich die Satzzeichen auf der Handy-Tastatur sind. Auch Instagram interessiert die Seniorin: "Da findet man immer so tolle Landschaftsaufnahmen", sagt sie. Nachdem ihr altes Handy kaputt ging, musste sich König auf ein neues Gerät einstellen, ein Smartphone. "Ich glaube nicht mal in einem Museum hätte ich Ersatzteile für das alte gefunden", schmunzelt König. Zudem habe sie Freundinnen, die WhatsApp lieben. Da müsse sie natürlich mitziehen.

Auch Gerhard Maier änderte seine Meinung über das Smartphone mit der Zeit. "Ich war immer ein bisschen dagegen", erzählt der 82-jährige. "Ich komme ja viel rum und wenn ich junge Menschen am Bahnhof gesehen hab, haben die das Teil bereits am Bahnsteig in der Hand und im Zug geht geradeso es weiter. Niemand redet mehr miteinander, das hab ich nie gemocht", sagt Maier. Inzwischen sei seine Frau beim Fernsehgucken aber genauso, demnach entschloss er sich zu einer Anmeldung beim Kurs. "Ich brauch das, ich muss das beherrschen können", sagt er.

Weitere Kurse folgen im Mai und Juni

Besonders schätzen die Teilnehmer den persönlichen Bezug zu den Schülern der ALS während des Kurses. Der Unterricht wird nämlich in Zweier-Grüppchen abgehalten, jeweils ein Schüler trifft auf einen Senioren. "Das ist toll, hier kriegt man persönliche Betreuung", sagt Annegret Brassat. Gerade hat sie mit ihrer Lehrerin Aleksandra Mrdjenovic ihren Status in die Covid-App eingescannt. Auch Annegret König kann den Kurs nur loben: "Ich kann hier so oft Fragen stellen wie ich will und bekomme alles direkt erklärt, ohne in einer großen Gruppe zu sitzen, wo ich nichts verstehe."

Noch zwei Mal wird der Smartphone-Kurs mit den Schülern der ALS dieses Jahr stattfinden. Der nächste startet bereits im Mai und dann Ende Juni noch ein weiterer. Die Kursgebühr beträgt 26 Euro, das Geld kommt den Schülern zugute. Infos und Anmeldung sind bei Eberhard Schwarz per Mail unter e.schwarz@senioren-nagold.de möglich.