Ein Käufer aus Stuttgart hat das leerstehende Haus in Mühringen ersteigert. (Archivfoto) Foto: Jürgen Lück

Was machen mit einem leerstehenden Haus in Horb-Mühringen? Ein Gutachten bezifferte den Verkehrswert bei einem Euro. Nun wurde das Haus zwangsversteigert.

Ein schlechter Zustand, zugemüllte Innenräume, eine archäologische Verdachtsfläche: Das Haus in der Kohlbergsteige in Horb-Mühringen – Baujahr vor 1900 – hat einige Problemfelder. Es sei nicht bewohnbar, gar abbruchreif, kommt ein Sachverständiger des Amtsgerichts in einem Gutachten zum Ergebnis.

 

Nachdem beide Eigentümer verstorben und keine Erben bekannt sind, sollte das Objekt am Freudenstädter Amtsgericht versteigert werden. Den Verkehrswert der Immobilie bezifferte das Gutachten auf einen Euro. Weiter schreibt der Sachverständige, dass die Standsicherheit nicht gewährleistet sei und einzelne Dachleisten bereits abgefault seien.

Somit war das Startgebot von einem Euro bei der Versteigerung am Mittwochmorgen gesetzt. Das Interesse an dem 136 Quadratmeter großen Grundstück scheint dennoch groß – mehr als 20 Menschen wohnten der Versteigerung bei. Auch die Stadt Horb bot mit.

Preis von einem Euro ist schnell vom Tisch

Zunächst zeigten sich potenzielle Käufer eher zurückhaltend, ein Mann machte mit 5114,60 Euro den Anfang. Einige Minuten verstrichen, ehe sich ein weiterer Bieter mit 5500 Euro meldete. Auch eine Vertreterin der Stadt Horb stieg danach mit 5700 Euro ein.

Dann ging es ziemlich schnell her: Die drei Parteien lieferten sich eine regelrechte Bieterschlacht. In kleinen Schritten erhöhte sich der Betrag immer weiter. Bei rund 8000 Euro stieg der erste Bieter aus.

Stadt Horb bietet 25 000 Euro

Der zweite Bieter und die Stadt Horb lieferten sich daraufhin ein zähes Duell. Der Mann erhöhte meist in Tausender-Schritte, die Vertreterin der Stadt Horb erhöhte das Gebot daraufhin immer leicht.

Diese Taktik funktionierte, bis ein neuer, vierter Bieter beim Gebot von 20 000 Euro direkt mit 25 000 einstieg. Die Stadt Horb ging zunächst noch mit und erhöhte auf 25 200 Euro. Dieses Gebot konterte der neue Bieter direkt mit 30 000 Euro. Zu viel für Horb: Die Stadtvertreterin steig aus, das Objekt ging an den Bieter aus Stuttgart.

Entsteht eine Wohnung für Touristen?

Dass auf ihn nun eine schwierige Aufgabe zukomme, das wisse er. Zum einen sei die Straße schwer zu erreichen – einen Lkw durchfahren zu lassen oder gar ein Gerüst aufzustellen sei kaum möglich. Zum anderen komme er an einer Kernsanierung nicht vorbei.

Abreißen wolle er das Gebäude nicht zwingend. „Der Zustand wird aber zu 100 Prozent umgewandelt“, versicherte er. Was er damit plant? Er könne es sich vorstellen, die Wohnung an Touristen zu vermieten. Oder auch zu veräußern, falls jemand selbst einziehen will.

Käufer will das Gebäude instandsetzen

Für die Instandsetzung lasse er sich aber Zeit. Wann es fertig sein soll? „Das steht noch in den Sternen.“ Er rechnet mit weiteren 150 000 Euro, die er in das Gebäude investieren muss.

Bei diesen Kosten bleibt es für den Stuttgarter aber nicht. Er hat die Verfahrenskosten in Höhe von knapp 5000 Euro zu tragen, sowie die Grunderwerbssteuer und die Eintragung ins Grundbuch zu bezahlen.