Das Urinal sorgt für Schlagzeilen, existiert aber mittlerweile nicht mehr. Es wurde zerstört. Foto: Raible

Horb sorgt derzeit in der deutschen Medienlandschaft für Schlagzeilen – mit einem Urinal. Nachdem auch der Schwarzwälder Bote über den kuriosen Fund von Heinrich Raible berichtete, ging das Thema durch die Decke.

Horb - Heinrich Raible, der beim Parkplatz am Rauhen Stich das an einen Baum gebundene Plastikurinal fotografierte, und sein Nachtwächterkollege Joachim Lipp, der zwei nicht allzu ernst gemeinte Zeitungsbeiträge über das Wildpinkeln schrieb, können es kaum fassen. Aufgrund eines – nicht funktionstüchtigen – Pissoirs für Stehpinkler hat ihre Heimatstadt zumindest einen deutschland-, wenn nicht gar weltweiten Bekanntheitsgrad erreicht.

Unter anderem ein etwas ausführlicherer Artikel im Schwarzwälder Boten brachten zunächst zwei Leserbeiträge ein. "Beide Schreiben, die die Freiheit für Pinkler im Freien einforderten, lassen erahnen, dass diese zusätzliche Auseinandersetzung zwischen Unabhängigkeit und Bürgerpflicht zu einer weiteren Spaltung der Gesellschaft führen kann", kommentiert Joachim Lipp.

SWR fragt: "Ist das Kunst oder kann das weg?"

Durch die Berichterstattung wurde das SWR-Studio Tübingen auf das an einer stattlichen Buche hängende Plastikurinal aufmerksam. Markus Beschorner vom SWR-Team in Tübingen, für den Raible und Lipp keine Unbekannten sind, vermittelte den Kontakt nach Horb. Sein Kollege Roland Altenburger suchte mit einem Kameramann und einem Tontechniker in Begleitung von Heinrich Raible das ominöse "Corpus Delicti" am Rauhen Stich auf.

Der SWR-Reporter machte daraus einen eineinhalbminütigen Sendebeitrag, der am vergangenen Freitagabend in der Landesschau zu sehen war (zu sehen auch noch in der SWR Mediathek). Angesichts der "Installation" wurde die Frage gestellt: „Ist das Kunst oder kann das weg?" Die Quintessenz des kurzen Sendebeitrags lautete: "Das ist Müll, der als Kunst – zumindest vorläufig – hängen bleiben darf."

Urinal wurde zertrümmert

Auf den Sendebeitrag in der Landesschau meldete sich die Deutsche Presse-Agentur, dass ein Fotograf gerne eine Aufnahme von besagtem Urinal machen wolle, berichtet Lipp. Nachdem diesem die Anfahrt zum Parkplatz am Rauhen Stich beschrieben worden war, machte man sich auf den Weg. Das Pissoir war allerdings nicht mehr an den Baum gebunden, sondern lag zertrümmert neben dem Baumstamm.

Spiegel Online: "Was macht das Pissoir am Baum?"

Damit dem Fotografen ein Metzgersgang erspart blieb, erhielt er auf digitale Art und Weise das von Heinrich Raible geschossene Bild. Dieses fand sich wiederum am Sonntag in einem Beitrag auf der Nachrichtenwebsite von Spiegel Online mit dem Titel "Was macht das Pissoir am Baum?"

Im Beitrag des Spiegels finden sich ebenfalls Fragen, die außer jenem Unbekannten, der das Urinal an den Baum gebunden hatte, wohl niemand beantworten kann: "Ist es ein Zeichen gegen Wildpinkler? Ein Mahnmal gegen illegale Müllentsorgung? Vielleicht ein Kunstwerk oder doch nur ein Scherz nach durchzechter Nacht?"

"Die Kolumne in Spiegel Online rief die Stuttgarter Nachrichten, die Süddeutsche Zeitung, die Zeit oder den Berliner Kurier auf den Plan und bringt unzählige Kommentare hervor, deren Lektüre trotz der drohenden Spaltung der Gesellschaft jedenfalls zur Erheiterung beitragen", berichtet Lipp. Einer davon lautet: "Erinnert an den Balzer Herrgott, nur geringfügig profaner. Bitte unbedingt hängen lassen!"

Das ist nun aber durch den Gewaltakt nicht mehr der Fall. Lipp: "Jetzt handelt es sich keinesfalls mehr um vermeintliche Kunst, sondern nur noch um profanen Plastikmüll."