Ein Wahlzettel bei der Bürgermeister-Wahl in Rudersberg am vergangenen Wochenende ist mit Deniz Undav beschriftet. Der gewählte Bürgermeister macht dem VfB-Stürmer ein Angebot.
Wenn Deniz Undav an diesem Donnerstagabend (Anpfiff 21 Uhr) mit dem VfB Stuttgart gegen die AS Rom um den Einzug ins Europa-League-Achtelfinale kämpft, wird der frisch gewählte, parteilose Bürgermeister von Rudersberg (Rems-Murr-Kreis) Raimon Ahrens vor dem Fernseher mitfiebern – soweit es sein Terminkalender zulässt.
Deutlich mehr Spannung als die kürzliche Bürgermeisterwahl in seiner Gemeinde verspricht das Duell zwischen dem deutschen Pokalsieger und dem italienischen Traditionsclub. Denn in Rudersberg gab es am vergangenen Sonntag nur einen einzigen Kandidaten für den Posten an der Rathausspitze: Amtsinhaber Ahrens, der jetzt mit 98,5 Prozent der Stimmen in seine zweite Amtszeit startet.
Deniz Undav als Bürgermeister? War es ein Scherz oder eine Wette?
Dass lediglich nur ein Name auf dem Wahlzettel anzukreuzen war, veranlasste wohl vereinzelte Rudersberger dazu, die sogenannte freie Zeile zu nutzen: Jene erlaubt, Personen zu nennen, die gar nicht zur Wahl stehen, denen man aber trotzdem eine Stimme geben kann. Und so kam es zu dem kuriosen Wahlzettel, der mit Deniz Undav beschriftet war. Zuerst hatte der „Zeitungsverlag Waiblingen“ darüber berichtet.
War es ein Scherz? Eine Wette? Der Verdacht liegt nahe, dass ein VfB-Fan dahintersteckt. Wer sollte sich sonst einen Stuttgarter Stürmer als Bürgermeister seiner Gemeinde wünschen? Bis der-oder diejenige nicht selbst damit rausrückt, greift das Wahlgeheimnis. Ein Anruf im Rudersberger Rathaus: „Das ist eine nette Geschichte“, sagt der alte und neue Bürgermeister Raimon Ahrens im Gespräch mit unserer Zeitung.
Bürgermeister ist VfB-Fan und war früher Dauerkartenbesitzer
Die eine fehlende Stimme schmerze ihn überhaupt nicht – im Gegenteil: „Als großer VfB-und Deniz-Undav-Fan kann ich das angesichts des Gesamtergebnisses gut verkraften“, sagt der 36-Jährige lachend und macht dem Stürmer auch gleich ein Angebot: „Wenn er mal lernen möchte, was ein Bürgermeister so macht, darf er gerne für ein Praktikum vorbeischauen.“
Ahrens schätzt Undav für seine „sympathische Art und fußballerische Qualität“. Früher war der Kommunalpolitiker Dauerkartenbesitzer und hat den VfB Stuttgart regelmäßig im Stadion angefeuert. Seit er Bürgermeister ist, lasse das der volle Terminkalender zwar nicht mehr zu, aber Ahrens versucht „so oft es geht“, die Spiele entweder in der MHP-Arena oder vor dem Fernseher zu verfolgen. Auch heute Abend will er einen „Großteil des Spiels“ schauen – und wird dabei wohl ein besonderes Auge auf Deniz Undav haben.