Die Polizei hatte Mühe, mit dem rasenden Audi mitzuhalten. (Symbolbild) Foto: Marijan Murat/dpa

Ein Audifahrer hat sich mitten in Freudenstadt eine Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert – so sehen es zumindest die Beamten. Denn der Fahrer will davon nichts mitbekommen haben.

Spektakuläre Szene in Freudenstadt: Zwei Autos fahren mit stark überhöhter Geschwindigkeit nebeneinander her auf der Stuttgarter Straße in Richtung Stadtzentrum. Ein Streifenwagen der Polizei nimmt mit eingeschaltetem Blaulicht und Martinshorn die Verfolgung auf.

 

An der Kreuzung mit der Ringstraße bremsen beide Fahrzeuge ab. Während der linke Wagen an der Ampel anhält und sich die Polizisten zumindest dessen Nummernschild notieren können, gibt der Fahrer des rechten Wagens kurz darauf wieder Gas. Der Audi donnert die Ringstraße hinauf und biegt in die Musbacher Straße ab – eine enge Seitenstraße.

Der Audi ist dabei so schnell, dass der Streifenwagen Mühe hat mitzuhalten. Laut eigenen Angaben beschleunigte der verfolgende Polizisten auf der Stuttgarter Straße auf circa 70 Stundenkilometer. Der Audi sei dennoch schneller gewesen. Beim Einbiegen in die Ringstraße sei der verfolgte Wagen bereits in die Musbacher Straße eingebogen.

Transporter gerammt

Dort war dann allerdings Schluss. An einer Engstelle rammte der Audi einen geparkten Transporter. Fahrzeugteile flogen durch die Luft, wie eine Zeugin berichtet. Danach stoppte der Wagen. Die Polizisten legten dem 26-jährigen Fahrer Handschellen an.

Diesen Verlauf der Ereignisse vom Mai des vergangenen Jahres schilderten nun vor Gericht gleich mehrere Zeugen, auch wenn die Angaben in einigen wenigen Details leicht voneinander abwichen. Angeklagt war der Audifahrer. Ihm wurde ein verbotenes Kraftfahrzeugrennen nach Paragraf 315d vorgeworfen.

Von einem der Zeugen wollte die Richterin wissen, ob der Audifahrer ein normales, wenn auch zügiges Fahrverhalten an den Tag gelegt habe. „Das war mehr als zügig“, meinte der Zeuge. „Ich dachte noch, was hat der vor?“ Sein Eindruck: „Das war eigentlich absolute Panik für denjenigen, der da fuhr. Bloß weg weg weg. Die Polizei ist hinter mir her.“

Audifahrer will Polizeiwagen nicht bemerkt haben

Eine Autofahrerin, die den Vorfall ebenfalls beobachtet hat, meinte: „Ich hatte den Eindruck, die verfolgen ihn.“ Und der Polizist, der dem Fahrer schließlich die Handschellen angelegt hatte, sagt über diesen Moment: „Ich hatte das Gefühl, er wusste ganz genau, was passiert ist.“

Nur einer will von der spektakulären Verfolgungsjagd nichts mitbekommen haben – nämlich ausgerechnet der Audifahrer selbst. Er behauptete vor Gericht, das Martinshorn der Polizei nicht gehört zu haben, weil im Auto Musik gelaufen sei. Auch das Blaulicht will er nicht gesehen haben. Erst nach der Kollision habe sich das Radio automatisch abgestellt – offenbar eine technische Spielerei des 450-PS-Audis. Erst da habe er die Polizei wahrgenommen.

„Unter Zeitdruck“

Die mehrfachen Geschwindigkeitsüberschreitungen – auf Teilen der Strecke gilt Tempo 30 – gab er allerdings zu. „Ich bin gern etwas zügig unterwegs“, sagte der Mann als Begründung für sein Verhalten. Und: „Ich war ein bisschen unter Zeitdruck. (...) Ich wollte noch Blumen holen, bevor der Laden schließt.“

Der Verteidiger des 26-Jährigen setzte noch einen drauf: „Es ist schon brutal, wie hier ein Bürger verfolgt wird wegen eigentlich nichts.“ Zudem meinte der Anwalt: „Er hat ein bisschen zu viel aufs Gas gedrückt. Nicht um ein Rennen zu fahren, sondern aus jugendlichem Leichtsinn.“

Ob Staatsanwaltschaft und Gericht dem Angeklagten seine Geschichte wirklich abgekauft haben, ist unklar. Offenbar standen die Chancen, die Schilderungen des Angeklagten zu widerlegen, aber relativ schlecht. Denn nachdem mehrere Aussagen gehört worden waren, einigten sich Staatsanwalt und Verteidiger. Das Verfahren wurde eingestellt. Der 26-Jährige muss lediglich 3000 Euro an die Landesverkehrswacht zahlen.