Pastor Lachmann, seine Ehefrau Sonja und Sohn Julian wohnen in einem der Häuser von Bethlehem Foto: /Uli Fricker

Einen Ort mit dem biblischen Namen gibt es auch im Kreis Sigmaringen. Der Wohnplatz besteht aus zwei Häusern und hat acht Bewohner.

Wen es in der Vorweihnachtszeit nach Bethlehem zieht, der muss sich nicht ins Flugzeug nach Israel setzen. Ein Ort dieses Namens liegt unweit der schwäbischen Stadt Pfullendorf im Kreis Sigmaringen. Dieses Bethlehem besteht aus zwei Häusern, die an einer schmalen Straße liegen. Hier kommen nur Waldbesitzer vorbei, im Sommer auch Radfahrer und Wanderer, die den beschaulichen Landstrich Linzgau schätzen. Ansonsten ist es in Bethlehem so ruhig, wie man sich das für die Festtage immer wünscht.

 

Acht Menschen wohnen hier. Auch die Familie Lachmann, die vor einigen Jahren aus dem Raum Ludwigsburg herzog. „Wir suchten einen ruhigen Ort, etwas mit Garten und in Nähe des Waldes“, erzählt Roland Lachmann. Als der Makler ihm am Telefon die Adresse „Bethlehem 3“ angab, konnte er es kaum glauben. Es passte wie der Topf auf den Deckel. Roland Lachmann ist Pastor.

Acht Kinder, fünf Enkel – Tendenz steigend

Dann die erste Besichtigung. Die Familie sah erstmals die alten Häuser mit Schuppen, Grünland, Wald und Weide. Die Lachmanns waren begeistert, genau das hatten sie gesucht. Die Entscheidung, nach Bethlehem zu ziehen, haben sie nie bereut. „Das war ein Geschenk für uns“, sagt die Mutter – und strahlt.

Roland Lachmann arbeitet als Pastor einer evangelischen Freikirche. Er betreut die Sieben-Tags-Adventisten in Überlingen und Singen. Am Wochenende ist er viel unterwegs, er predigt in zwei Landkreisen. Um seine Predigten zu schreiben, braucht er Ruhe und Konzentration. All das hat er auf dem einfachen Landsitz. Die Lachmanns haben acht Kinder und mittlerweile fünf Enkel – Tendenz steigend.

Die beiden jüngsten Kinder sind die Zwillinge Simon und Julian, sie wohnen noch zu Hause. Julian liebt das Anwesen, ein Paradies mit versteckten Winkeln, einem Bach, alten Gerätschaften. Im Winter ist die Postbotin im gelben VW-Bus die einzige Besucherin. Im Sommer ist es belebter, erzählt Sonja Lachmann schmunzelnd. Immer wieder kommen Tagesgäste vorbei. Sie stellen sich vor das Ortsschild und lassen sich mit dem Namen „Bethlehem“ im Rücken dann fotografieren. Das Minidorf mit dem berühmten Namen hat inzwischen eine gewisse Bekanntheit erlangt. In gewisser Regelmäßigkeit schaut ein Kamerateam des SWR in Bethlehem vorbei. Die Ortshinweistafel von Bethlehem ist zum Schutz gegen Sammler fest einbetoniert.

Viele Besucher erstaunt es, dass dieses Bethlehem so klein ist – und aufhört, bevor es recht angefangen hat. Dabei passt der Name perfekt. Bereits das Bethlehem der Bibel war eine kleine Stadt, über die man in Jerusalem gerne spottete. Der Prophet Micha beschreibt es so: „Und du, Bethlehem, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll der kommen, der in Israel Herr sein wird.“ Das passt – auch auf den Ort im Linzgau.

„Des isch jo wia en Betlehem“

Doch woher der Name? Das Ehepaar Schweikart, das lange Jahre im Nachbarhaus wohnte, erzählt es so: Vor etwa 200 Jahren wurden zwei Holzfäller (in anderen Erzählungen ist von Zimmerleuten die Rede) in den Wald geschickt. Der Wald lag drei Kilometer entfernt von ihrem Wohnort Reischach. Im Winter fällten sie die Bäume, in den Sommermonaten behauten sie die Stämme. Abends kehrten sie von der schweren Arbeit in ihr Heimatdorf zurück. Einer kam auf die Idee, am Waldrand ein Haus zu bauen, um sich den täglichen Marsch zu sparen. Das tat er, daneben entstand gleich eine zweite Hütte.

Als beim Einzug in das Haus einer der beiden auch seine Frau mitbrachte, schlief das Ehepaar in der Kammer über dem Stall, um die Stallwärme zu nutzen. Die Frau ärgerte sich aber jede Nacht über den Lärm, den die Kühe in dem Stall machten. Sie soll zum Mann auf gut Schwäbisch gesagt haben: „Des isch jo wia en Betlehem.“ So kam der Name in die Welt und blieb hängen.

Dass heute ein Pastor der Adventisten eines der Häuser bewohnt, krönt die Geschichte. Die Adventisten feiern zwar auch Weihnachten, doch mit einem anderen Fokus: Sie erwarten täglich die Wiederkunft Christi. „Advent heißt nichts anderes als Ankunft, und wir verbinden damit die Ankunft des Herrn“, erklärt Pastor Roland Lachmann.

Im kommenden Jahr geht der Geistliche in den Ruhestand. Doch schon jetzt ist klar: Er wird auf alle Fälle in seinem Bethlehem bleiben.