Dem Angeklagten wird gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt. Foto: © Ralf Geithe – stock.adobe.com

Ein 26-Jähriger stand unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung am Donnerstag vor Gericht. Doch die widersprüchlichen, teils kuriosen Schilderungen überzeugten Richterin und Staatsanwältin nicht. Viele Fragen blieben ungeklärt.

Sulz/Oberndorf - Der Angeklagte soll im Dezember vergangenen Jahres einen Mitbewohner in einer Sulzer Asylunterkunft attackiert haben. Der 26-Jährige habe dabei versucht, mit einer Glasflasche auf den Kopf des Geschädigten zu schlagen, so der Vorwurf.

Der 32-jährige Mitbewohner konnte den Angriff mit seinem Arm abwehren, woraufhin der Angeklagte mit seiner Faust zugeschlagen und seinen Mitbewohner im Gesicht verletzt haben soll. Der Fall wurde am Oberndorfer Amtsgericht verhandelt.

"Ich war auf dem Klo"

"Ich war gerade auf dem Klo und stand in Unterhose da", erklärte der Angeklagte. In diesem Moment habe sein Mitbewohner versucht, die Toilette zu betreten. Da sich die Tür nicht abschließen lasse, habe er sie zugehalten. Doch der 32-Jährige soll weiter versucht haben, hereinzukommen.

Schließlich soll es zur Auseinandersetzung gekommen sein, bei der sein Widersacher zuerst handgreiflich wurde, erklärte der Angeklagte. Er selbst habe lediglich zurückgeschlagen. Eine Flasche habe er dabei nicht benutzt.

Alkohol als Auslöser?

Der Geschädigte schilderte die Szene gänzlich anders. Er sei gerade zur Haustür reingekommen, da habe der Angeklagte bereits angefangen, ihn zu beleidigen. Schnell kam es zur Auseinandersetzung, bei der er zunächst mit der Glasflasche und später mit der Faust angegriffen wurde.

Die beiden kennen sich schon seit einigen Jahren und kommen eigentlich gut miteinander aus, wie sich im Laufe der Verhandlung herausstellte. "Aber wenn er getrunken hat, ist er ein anderer Mensch", sagte der Geschädigte. Der Angreifer soll bei der Tat nach Alkohol gerochen und einen Joint in der Hand gehalten haben.

Wo kommen die Verletzungen her?

Der 32-Jährige behauptete, er habe beim Angriff Verletzungen am Arm und im Gesicht davongetragen. Dem widersprach allerdings die Lebensgefährtin des Angeklagten, die ebenfalls als Zeugin aussagte. Sie sei an diesem Tag zu Besuch gewesen und erst durch den Lärm auf den Streit aufmerksam geworden und habe nur noch ein leichtes Gerangel sehen können, so die Aussage. Von den Verletzungen, die in den Fotos der Beweisakte zu sehen sind, sei zunächst keine Spur gewesen. "Er hatte nur einen Kratzer im Gesicht".

Bis zum Eintreffen der Polizei sei der 32-Jährige alleine auf seinem Zimmer gewesen. Der Angeklagte und seine Lebensgefährten vermuten, dass er sich in dieser Zeit die Verletzungen selbst zugefügt hat.

Zwei weitere Anklagepunkte

Der Polizist, der zu dem Vorfall gerufen wurde, sagte vor Gericht aus, dass bei der anschließenden Ermittlung weder die Flasche noch Glasscherben gefunden wurden. Auch hatte der Angreifer selbst keine Schnittverletzungen an seinen Händen. Zudem gab es keine Anzeichen dafür, dass er betrunken war.

Weitere Zeugen wurden zu diesem Fall nicht vernommen. Doch der 26-Jährige musste sich noch wegen zwei weiteren Anklagepunkten verantworten. So soll er im Oktober 2021 ein E-Bike von einem Bekannten ausgeliehen und anschließend versucht haben, es zu verkaufen.

Der 26-Jährige erklärte allerdings, er sei lediglich damit zu einem Wirtshaus gefahren und habe sich am nächsten Morgen nicht mehr erinnert, wo er es abgestellt hatte. Im März 2022 soll er auch ein E-Bike aus einer Garage gestohlen und weiterverkauft haben. Diesen Vorwurf bestritt er vehement.

Mit Drogen erwischt

Da in diesen beiden Fällen, die sich in Oberndorf zugetragen haben, die Zeugen widersprüchliche Aussagen machten beziehungsweise wichtige Zeugen nicht erschienen, konnte das Gericht der Sache nicht näher auf den Grund gehen. Wegen der unklaren Beweislage soll die Verhandlung mit weiteren Zeugen am 31. August fortgesetzt werden.

Allerdings muss sich der 26-Jährige dann auch für den Besitz von Marihuana verantworten. Die Polizei hatte ihn im vergangenen August mit Drogen in der Hölderlinstraße in Oberndorf erwischt. Es handelt sich dabei um ein Verfahren, das wegen der zu erwartenden Gesamtstrafe vorläufig eingestellt worden war, nun aber wieder aufgenommen werden soll.