Australiens grüne Insel Tasmanien ist ein Paradies. Doch der Winter auf der Südhalbkugel schreckt Urlauber ab. Nun will der Tourismusverband Reisende mit Gelegenheitsjobs locken.
Wer ein Herz für Wombats hat, es mit Geistern kann oder sich auf Austern versteht, dem ist auf Tasmanien ein Job sicher. Bezahlt sind der „Odd Jobs“, wie der Tourismusverband der australischen Insel sie nennt, nicht. Dafür aber werden Unterkunft, Anreise und Verpflegung übernommen.
Hinter der Idee steckt gutes Marketing, das Tasmanien auch braucht. Denn obwohl der Inselstaat südlich des Festlandes in den wärmeren Monaten aufgrund seiner einzigartigen Natur, schroffen Küstenlandschaften und ausgedehnten Nationalparks ein beliebtes Reiseziel ist, wird es im Winter ruhig auf der Insel. Urlauberinnen und Urlauber zieht es dann doch nach Norden, in das tropische Queensland, wo selbst in den australischen Wintermonaten von Juni bis Ende August sommerliche Temperaturen herrschen. Nicht so dagegen auf Tasmanien.
Deshalb versucht die Tourismusbehörde nun auf ungewöhnliche Art, Reisende auf die zugige Insel zu locken. Dies könnte Erfolg haben, denn mediales Interesse ist der Insel schon mal sicher: Selbst die BBC und CNN haben in den vergangenen Tagen über die schrägen Jobangebote berichtet.
Neben dem Spazierengehen mit Wombats kann man sich als Ermittler für paranormale Phänomene bewerben, Sterne beobachten, Austern ernten, Saunas beheizen oder Trüffel ausfindig machen. Insgesamt sind zehn Stellen ausgeschrieben. Allzu viele Vorkenntnisse sind bei keinem der Jobs, die nur für in Australien Lebende gelten, notwendig. Es kommt mehr auf das Interesse an und darauf, hart im Nehmen zu sein. „Sie brauchen nur Begeisterung und eine warme Pufferjacke“, steht unter den Anforderungen für den Sternenbeobachter.
Etwas mehr Verantwortungsbewusstsein wird dagegen für den Job des „Wombat Walker“ verlangt. Hier trage man dazu bei, „das körperliche und geistige Wohlbefinden unserer Wombats zu erhalten“, indem man sie auf ihren morgendlichen Ausflügen begleite. Diese Spaziergänge seien „unerlässlich“, damit die gemächlichen Tiere in den Wintermonaten glücklich und gesund bleiben, heißt es.
Deutlich mehr Mut braucht es dagegen als Geisterermittler. Hier will der tasmanische Tourismusverband einen Geschichts- und Mystery-Fan anwerben. Arbeitsstelle ist Willow Court, Australiens älteste psychiatrische Anstalt, wo seit Langem über paranormale Aktivitäten gemunkelt wird.
Nicht ganz so unheimlich, dafür aber vermutlich recht frisch an den Fingern, ist der Job des Austernorganisators. „Die Nebensaison ist die ideale Zeit, sich ein Paar Wathosen anzuziehen und als Austernorganisator in die ruhigen Gewässer der Great Oyster Bay einzutauchen“, heißt es vonseiten Tourism Tasmania. Der erfolgreiche Bewerber muss die schmackhaften Tiere sammeln, sortieren und reinigen und soll dabei als Qualitätstester auch die eine oder andere verspeisen.
Der Tourismusverband ist nicht die erste tasmanische Organisation, die ungewöhnliche Stellen ausschreibt. So macht die tasmanische Nationalparkbehörde immer wieder Schlagzeilen mit einem ungewöhnlichen Jobangebot. Sie sucht regelmäßig nach „Hausmeistern“ für einsame Regionen, darunter Maatsuyker Island, ein raues Fleckchen Erde zwischen Australien und der Antarktis, wo sich die erfolgreichen Bewerberinnen und Bewerber um die historischen Gebäude kümmern und Wetterdaten sammeln.
Auch dieser Job macht nicht reich – er ist ehrenamtlich –, gönnt den Hausmeistern aber Ruhe: Menschen leben nicht auf der 186 Hektar großen Insel, die nur per Helikopter von der tasmanischen Südwestküste erreichbar ist. Stattdessen teilt man sich das Eiland mit Tausenden Seevögeln, Pinguinen, Robben und Seeelefanten.