In Bad Liebenzell ist das grundsanierte „Herzstück“ der Kur- und Badestadt nach mehrjähriger Schließung jetzt wiedereröffnet worden. Es hat nicht immer alles reibungslos geklappt.
Freude in Bad Liebenzell: Einen Tag vor der offiziellen Wiedereröffnung des Kurhauses wurde das Ende der Sanierungs- und Umbauarbeiten gefeiert.
Zeitreise Viele Gäste waren auf Einladung der Stadt und der Freizeit und Tourismus Bad Liebenzell (FTBL) gekommen, um einerseits das runderneuerte Gebäude in Augenschein zu nehmen. Andererseits aber auch, um sich von Architekt Ulrich Schwarz auf eine Zeitreise mitnehmen zu lassen, die bereits Mitte der 1930er-Jahre begann. Schließlich hatte schon Willy Burk, der Großvater von Architekt und Bauleiter Ulrich Schwarz, an der Werkplanung des 1935 begonnenen Kurhausneubaus mitgewirkt, das nach dem Zweiten Weltkrieg erst Ende der 1950er-Jahre fertiggestellt wurde.
Allerdings, so berichtete Schwarz, habe er im Laufe des Projekts nicht nur Freude an dem gefunden, für das sein Großvater die Werkplanung erstellt hatte. „Denn ich wusste ja nicht, was mein Opa damals verbaut hatte“, so Schwarz augenzwinkernd. So habe man im Zuge der Sanierung manche Herausforderung annehmen müssen. Auch eine, die in Bad Liebenzell seit Ende der 1960er-Jahre eine Art „Running-Gag“ gewesen sei. Schon bei der Einweihung des Anbaus Richtung Kurpark sei das Dach nicht dicht gewesen. Just dieses Thema habe ihn nun erneut bis vor zwei Monaten beschäftigt. Erst durch den Abbau des Daches bis auf das 1968 errichtete Stahlgerippe, sei es nun gelungen, das Dach dicht zu bekommen - „und darauf bin ich wirklich stolz“, so Schwarz.
Komfortzone verlassen Der Architekt machte keinen Hehl daraus, dass im Zuge der Maßnahme nicht immer alles reibungslos geklappt hat. Er verwies aber darauf, dass „Wachstum eben nicht in der Komfortzone passiere“.
Alle Beteiligten hätten bei dem Projekt öfter die Komfortzone verlassen müssen. Erfreulich für ihn: Man sei bei „diesen Herausforderungen trotz allem nicht in die Panikzone geraten“. Dies sei nur gelungen, da die Zusammenarbeit mit allen Partnern und „insbesondere auch mit den Behörden wie dem Landratsamt“ durchweg gut geklappt habe.
„Regelrecht gegrillt“ Frank Wiehe, der als Erster Landesbeamter den Landkreis Calw repräsentierte, aber auch Mitglied des FTBL-Aufsichtsrats ist, freute sich, Schwarz so fröhlich zu sehen. Schließlich sei er im Aufsichtsrat bisweilen „regelrecht gegrillt“ worden. Mit dem Zwölf-Millionen-Euro-Projekt, so Wiehe, habe man eine Investition in die Zukunft getätigt, die – angesichts der angespannten Finanzlage der Kur- und Badestadt – „auf lange Sicht wohl die größte bleiben wird“.
Wiehe ist überzeugt, dass die Investition – angestoßen durch den damaligen Bürgermeister Dietmar Fischer – richtig war. „Dies auch, wenn die große Zeit des Kurorte- und Bäderkreises Calw längst vorbei ist.“
Herzstück Der CDU-Bundestagsabgeordnete und Regionalverbandsvorsitzende Klaus Mack hält das Kurhaus für „das Herzstück von Bad Liebenzell“. Viele Menschen verbänden positive Emotionen mit dem Kurhaus. Man habe eine „schöne Verbindung von Tradition und Moderne“ geschaffen, so Mack. Er setzt auf die Strahlkraft des Kurhauses für die gesamte Region. Gleichzeitig verwies er darauf, wie wichtig Fördermittel von Bund und Land sind, um solche Projekte zu realisieren.
Neue Ära Nicht allein das Geld, sondern vor allem die Menschen, die ein solches Projekt mit Leben füllen, sind für die FTBL-Geschäftsführer Sina Gehring und Johannes Schweizer wichtig. „Für das Kurhaus beginnt eine neue Ära“, sind sie überzeugt. Sie setzen laut Gehring einerseits auf die Erfahrung des neuen Kurhaus-Betriebsleiters Steffen Melzow, andererseits auf die Erfahrung des langjährigen Küchenchefs Hansjörg Villgratter – „eine echte Konstante im Kurhaus“. Eine solche sei auch Hausmeister Andreas Hamberger, der wie ein „interner Bauleiter“ alles im Blick gehabt und Mängel am Bau schnell erkannt habe. Für beide gab es – wie auch für das Kurhausteam, das künftig die Gäste bewirtet – viel anerkennenden Beifall.
Positives Signal Für Sebastian Kopp, den stellvertretenden Bürgermeister, ist die Wiedereröffnung des Kurhauses nach mehr als zweijähriger Schließung „ein historisches Ereignis“, denn: „Das Herze schlägt wieder.“
Er dankte Aufsichts- und Gemeinderat für die Gewährung der Mittel, wenn auch teils nach intensiven Diskussionen. „Die Mühe hat sich gelohnt“, so Kopp, der das neue Kurhaus als „einen Ort zum Wohlfühlen und der zum Verweilen einlädt“ sieht. Und dass man in Zeiten, in denen es viele negative Schlagzeilen gebe, ein positives Signal setze, sei absolut wichtig gewesen. Kopps Appell zum Schluss: „Lassen Sie uns die Zukunft mit Mut und Zuversicht angehen.“
Von Mittwoch bis Sonntag geöffnet
„Lebendiger Treffpunkt“
„Das Kurhaus Bad Liebenzell“, so der Name, unter dem künftig das ehemalige Parkrestaurant der Kur- und Badestadt firmiert, ist künftig von Mittwoch bis Sonntag zwischen 12 und 22 Uhr für Gäste geöffnet. Montag und Dienstag sind Ruhetage. Nicht nur mit den zahlreichen Gerichten aus vielen regionalen Produkten auf der regulären Speisekarte will man laut der FTBL-Geschäftsführerin Nina Gehring künftig die Gäste begeistern. Es seien auch zahlreichen ergänzende Angebote geplant. So gebe es an Ostern einen besonderen Osterlunch, von 2. bis 5. April würden zudem auf einer Osterkarte besondere Fischgerichte angeboten. Man wolle das Kurhaus „zu einem lebendigen Treffpunkt“ am Rande des Kurparks machen, so Gehring. Die Eröffnung der Terrasse lässt noch auf sich warten, sei aber bis spätestens Pfingsten geplant. Letzte Arbeiten, die wegen der kalten Witterung im Januar und Februar nicht hätten abgeschlossen werden können, sollen in den nächsten Wochen erfolgen. Das Kurhaus steht mit seinen grundsanierten Räumen künftig sowohl für private Feiern als auch für Tagungen zur Verfügung. In diesem sollen dann auch wieder rauschende Bälle gefeiert werden. „Die Tradition geht weiter“, versprach FTBL-Co-Geschäftsführer Johannes Schweizer, der das Kurhaus als „lebendigen Ort der Begegnung“ wieder zu neuem Glanz führen möchte.