Seit Januar 2024 ist das Kurhaus in Bad Liebenzell geschlossen. Mittlerweile gehen die Arbeiten dem Ende entgegen. Wann soll das Kurhaus wieder eröffnet werden?
Handwerker arbeiten derzeit fleißig am Kurhaus in Bad Liebenzell. Im laufenden Betrieb wird am Kurhaus bereits seit 2019 gewerkelt. Dabei ging es um den Brandschutz.
Das im Jahre 1954 fertiggestellte Kurhaus bekam einen Lastenaufzug. Die WC-Anlage und Tagungsräume sind erneuert.
Schadstoffe Seit Januar 2024 ist das Kurhaus geschlossen. Es wurde zur Großbaustelle. Ursprünglich hätte das Kurhaus schon bis Pfingsten fertiggestellt werden sollen. Doch bei der Sanierung habe es einige Überraschungen gegeben, berichtete Sina Gehring, Geschäftsführerin der Freizeit und Tourismus Bad Liebenzell GmbH (FTBL) im April.
Probebohrungen
Beim Kurhaus bedeutet dies, dass einst Asbest als Bodendämmung verbaut wurde, sich im Klebstoff des alten Parketts giftige Stoffe befanden oder die bisherige Holzdecke im Restaurant mit einem Lack behandelt wurde, der jetzt verboten ist. Bei Probebohrungen in Wand und Boden seien Schadstoffe nachgewiesen worden, bestätigte jetzt noch einmal Johannes Schweizer. Er ist neben Gehring Geschäftsführer der FTBL. Die unerwarteten Arbeiten steigern die Kosten und verlängern die Bauzeit.
Zeitplan Die Sanierung sollte bis Jahresende abgeschlossen sein, hieß es im April. Doch daraus wird jetzt auch nichts. „Wir gehen davon aus, dass wir Ostern geöffnet haben“, teilte Schweizer mit. Einen Termin weiß Schweizer aber noch nicht.
Küche Was ist in den vergangenen Monaten passiert? Das Kurhaus hat jetzt eine neue Küche. Es war nach Schweizers Worten der größte Eingriff in die Bausubstanz. Die Küche liegt nun zentraler. Alles ist auf einer Ebene. So kommt der Vorratsraum vom Keller ins Erdgeschoss. Außerdem hat die Küche nun Induktionsherde. Darüber hinaus ist sie mit einer Lüftung ausgestattet. Gehring versprach, dass es die bewährte Kurhausküche weiter gebe. Das Team werde erweitert.
Effizienteres Arbeiten
Mit all den Maßnahmen sei ein effizienteres Arbeiten möglich, freuen sich Gehring und Schweizer. „Die Laufwege sind kürzer“, berichtet Schweizer. Früher sei es in der Küche des Kurhauses schon mal ziemlich heiß geworden, erinnert er sich.
Restaurant Theke und Bar sind jetzt ins Restaurant verlagert. Der Tanz- und Sitzbereich würden zeitgemäßer gestaltet, freut sich Schweizer. Alles sei „ansprechend aber nicht abgehoben“. Eine neue Dämmung habe positive Auswirkungen auf die Energiebilanz, macht Schweizer deutlich. Ein neuer Kamin – ohne Feuer – sorge für eine besondere Atmosphäre.
Empfangsbereich Den Empfangsbereich des Kurhauses ließ die FTBL erweitern. Der Weg vom Restaurant zur Behindertentoilette ist jetzt überdacht, so Schweizer. Dabei müssen die Eingriffe stets mit dem Denkmalschutz im Einklang stehen, gibt Schweizer im Gespräch mit unserer Redaktion zu bedenken.
Spiegel- und Wappensaal Der Spiegel- und Wappensaal des Kurhauses hat ein neues Belüftungssystem. So müssen bei Feiern etwa im Sommer nicht mehr die Fenster aufgemacht werden. Das könne wegen des Lärms schon mal zu Beschwerden von Anwohnern führen, erläutert Schweizer die bisherige Problematik.
Technikanbau Auf der Seite zur Nagold hin gibt es jetzt am Kurhaus einen Technikanbau. Er wurde wegen der Lüftungsanlagen notwendig, berichtet Gehring.
Nachfrage Gehring berichtet über eine große Nachfrage. Sie registriert sehr viele Anfragen für 2026. So gebe es einige Hochzeiten. An Wochenenden sei die Nutzung des Spiegelsaales nur in Verbindung mit einem Bankett möglich, so Gehring. Unter der Woche werde je nach Anfrage entschieden. Gehring freut sich auch über die treue Kundschaft: „Unser Spiegelsaal und unsere Küche haben einen sehr guten Ruf.“ Sie lobt das Ambiente dieses Saales: „Die Kronleuchter sind schon toll.“
Kosten Für die derzeit laufenden Arbeiten im Kurhaus waren zunächst 10,8 Millionen Euro eingeplant, berichtet Schweizer. Am Ende sind es rund zwölf Millionen Euro, rechnet er vor. Das Land gewährte einen Zuschuss in Höhe von 2,5 Millionen Euro, ergänzt Gehring.
Preissteigerung noch im Rahmen
Diese Preissteigerung hält sich nach Schweizers Auffassung noch im Rahmen. Bei Bauarbeiten im Bestand gebe es ganz andere Herausforderungen als bei einem Neubau, gibt er zu bedenken. Dabei spielen die bereits erwähnten Schadstoffe eine Rolle, die bei älteren Gebäuden verbaut sind. Solche Überraschungen gebe es beim Neubau nicht.
Die Kürzung von einer dreiviertel Million Euro für die Investitionen im Kurhaus für dieses Jahr sei dagegen eine reine Verschiebung auf nächstes Jahr, so Gehring.
Inzwischen wurde eigens eine eigene Kurhaus GmbH gegründet. Sie ist wiederum eine Tochtergesellschaft der FTBL. Dadurch kann die Stadt gerade bei der Altersversorgung der Mitarbeiter Geld sparen.