Die Attraktivität des Kurhauses soll für Veranstalter und Besucher gesteigert werden. Foto: Kugel

Wie geht es weiter mit dem Bad Herrenalber Kurhaus? Am Mittwoch, 4. Dezember, beschäftigt sich der Gemeinderat mit einem Konzept. Und die Verwaltung präsentiert auch gleich einen Vorschlag.

„Die Stadtverwaltung und der Eigenbetrieb Tourismus und Stadtmarketing sind ständig bestrebt, die Stadt für die Bürger und Besucher attraktiver zu gestalten“, heißt es einleitend in der Sitzungsvorlage. Einen wichtigen Beitrag leisteten die Veranstaltungen, „die Outdoor oder im Kurhaus“stattfinden.

 

Rückblick Hierzu habe Stefan Luppold, Studiengangleiter BWL-Messe-, Kongress- und Eventmanagement an der Dualen Hochschule Ravensburg und Leiter des Instituts für Messe-, Kongress- und Eventmanagement (IMKEM), das Kurhaus analysiert und im September 2022 erste Ergebnisse präsentiert.

Nach einem Workshop des Gemeinderates habe Fachberater Georg Sommer im November 2022 das Resultat vorgestellt. Und in der Sitzung im April 2023 habe er über die bislang vorgenommenen Maßnahmen berichtet. „Der Gemeinderat beauftragte die Stadtverwaltung mit der weiteren Ausarbeitung eines Konzeptes, das nun vorgestellt wird“, so die Verwaltung.

Weiter wird informiert: „Ziel war und ist es: die Potenziale des Kurhauses zu heben, Veranstalter und Besucher zu begeistern und eine positive Wahrnehmung von Bürgern, Vereinen, Firmen und Organisationen mit Wohnsitz oder Firmensitz in Bad Herrenalb in Bezug auf ihr Kurhaus zu erzeugen und mit den Maßnahmen den Abmangel des Kurhauses nennenswert zu reduzieren.“

Priorität im Vertrieb

Auswirkungen Aus der Analyse hätten sich Konzeptansätze ergeben. Die wirtschaftlichen Auswirkungen werden so beschrieben: Bei konsequenter Umsetzung der Ansätze sei mittelfristig eine Verdoppelung der Belegungen und auch der Erlöse möglich, langfristig noch mehr.

Es wird ausgeführt, auf welche Veranstaltungsformate sich die Vertriebsanstrengungen richten. In der Prioritätenliste stehen hier Abi- und Tanzschulbälle (jüngeres Publikum wird herangeführt); Einzelthemen wie Schachmeisterschaften und so weiter (regionale Aufmerksamkeit); gewerbliche Vermietungen ein- und mehrtägig (Raumangebot vorhanden, finanzielle Einnahmequelle); Hochzeiten und sonstige Familienfeiern (finanzielle Einnahmequelle); lokale oder themenzentrierte „Hausmessen“ (regionale Aufmerksamkeit).

Deutliche Entwicklung

Eine schrittweise Steigerung der Veranstaltungszahlen zeige eine deutliche Entwicklung der Einnahmen. Bei einer Auslastung von 137 Veranstaltungen pro Jahr und einer jährlichen Steigerung um zehn Veranstaltungen amortisieren sich Investitionen in Technik und Personal langfristig durch zusätzliche Einnahmen.

Investitionen Zudem wird informiert: Die geplanten Investitionen umfassten Technik, Mobiliar und Gebäude. „Sie dienen dazu, das Kurhaus marktfähig zu halten, Betriebskosten zu senken und die Attraktivität für Veranstalter und Besucher zu steigern. Besonders die Bereiche Technik und Ausstattung amortisieren sich bei konsequenter Nutzung und einer angepassten Preispolitik innerhalb weniger Jahre.“

Die Konzeptvorschläge zur Organisation und Prozessoptimierung würden Kostensenkungen versprechen.

Konsequente Umsetzung

(Teil-)Betriebsleiter Es bestehe weiterhin die Notwendigkeit, die Organisation weiterzuentwickeln und den Vertrieb weiter zu stärken. „Vor allem aber bedarf es eines hauptamtlichen (Teil-)Betriebsleiters, der sich dauerhaft der Weiterentwicklung des Veranstaltungsmanagements, der konsequenten Umsetzung des Konzeptes und der Ansprache strategischer Partner widmen muss“, so die Verwaltung. Diese Kosten würden mit großer Wahrscheinlichkeit, zumindest in den ersten Jahren, nicht auf die Preise aufgeschlagen werden können und damit die Ergebnisse wieder schmälern.

Gastronomie Bei den Überlegungen seien neben der Erhöhung der Einnahmen durch intensivere Verkaufsaktivitäten und Kosteneinsparungen auch diverse Varianten für die Gastronomie untersucht worden. Das Fazit lautet: „Unter Berücksichtigung von Bestandschutz, Umbaukosten, Aspekte für den Kunden, die Sicherheit der gastronomischen Versorgung und dem für die Stadt zu erwartendem Aufwand um Einnahmen zu realisieren, ist die Beibehaltung des Restaurantbetriebes und die damit verbundene Cateringpflicht am sinnvollsten.“

Verschiedene Möglichkeiten

Bessere Lösung Derzeit werde das Kurhaus durch den Eigenbetrieb Tourismus und Stadtmarketing vermarktet und das Restaurant verpachtet. Es gebe daneben aber auch andere Möglichkeiten das Kurhaus zu betreiben, so dass auch hier verschiedene Möglichkeiten analysiert worden seien. Bei den dargestellten Betreibermodellen sei die Variante „Selbstverwaltung durch die Stadt“ insbesondere auch aus künftigen Erlöserwartungen zu empfehlen. Allerdings dürften die gesamtwirtschaftliche Situation und die Haushaltslage der Stadt nicht vergessen werden. Die Notwendigkeit von Investitionen in das Kurhaus, der kostenintensive Vertriebsaufbau und gegebenenfalls die Implementierung eines Teil-Betriebsleiters verbunden mit gesetzlichen Verpflichtungen führten dazu, „dass aktuell die Verpachtung an einen Betreiber als die bessere Lösung angesehen werden kann“.

Kosten sinken drastisch

Gesamtverantwortung Die Verwaltung empfiehlt nun, einen Gastronomiepartner zu suchen, der gleichzeitig die Vermarktung des Kurhauses übernimmt und damit die Gesamtverantwortung.

„Unabhängig von einer auszuhandelnden Pacht, deren Höhe auch vom Zustand des Pachtobjektes und weiteren vertraglichen Regelungen bestimmt wird (zum Beispiel Kosten des Toilettenbetriebs), hat die Kämmerei der Stadt Bad Herrenalb ermittelt, dass bei dieser Variante die Kosten für die Stadt drastisch sinken werden. Die Ausschreibung nach einem Pächter müsste unverzüglich nach Beschluss des Gemeinderats beginnen“, heißt es des Weiteren.

Freiraum bis Mai 2025

Übergangsphase In der Übergangsphase würde das Kurhaus in Selbstverwaltung weiterbetrieben. Auch Veranstaltungsanfragen und Buchungen würden normal weiterlaufen.

Die „aktuell geschaffene Zwischenlösung“ schaffe mindestens Freiraum bis Mai 2025, so dass die Bewirtschaftung der Events auf jeden Fall gewährleistet sei. „Da das Kurhaus weiterbetrieben wird, sind auch die Investitionen in diesem Kontext zu sehen. Was man an einen Dritten weitergebe, „muss in einem marktfähigen beziehungsweise für den Übernehmer interessanten Zustand sein. Es muss ermöglichen, Gewinne zu erwirtschaften“.

Und was sagt die Stadtkämmerei?

Darlehensaufnahmen
 Die Stadtkämmerei gibt in der Sitzungsvorlage folgende Stellungnahme ab: „Der Betrieb des Kurhauses als freiwillige Leistung wie in den vergangenen Jahren belastet den städtischen Haushalt in bis zu sechsstelliger Höhe. Der Betrieb des Kurhauses ist vor diesem Hintergrund bereits jetzt schon kaum mehr tragbar.“ Die Kosten für die Instandsetzung zu einem betriebsfertigen und insofern pachtbaren Kurhaus würden angesichts des Ausmaßes nicht ohne weitere Darlehensaufnahmen möglich sein. Die damit verbundenen Folgekosten würden die angespannte Haushaltssituation weiter belasten. Der Weiterbetrieb des Kurhauses als solches – unabhängig des gewählten Betreibermodells – werde ohne politische Prioritätensetzung und entsprechende Umschichtung von Haushaltsmitteln mittel- bis langfristig nicht möglich sein. Und weiter: „Der Erhalt einiger weniger freiwilligen Aufgaben kann nur gewährleistet werden, wenn die Stadt sich zunehmend aus anderen freiwilligen Aufgaben zurückzieht.“