Die Stadt Bad Herrenalb sucht zum 1. Juni einen neuen Pächter für das Kurhaus. Bewerbungsunterlagen können noch diesen Monat abgegeben werden. Wie ist der aktuelle Stand?
Im Dezember vorigen Jahres war sich der Bad Herrenalber Gemeinderat einig: Es soll ein Exposé erstellt werden, das Appetit aufs Kurhaus macht. Die gesamtwirtschaftliche Situation und die Haushaltslage der Siebentälerstadt waren ausschlaggebend, dass ein Pächter gesucht wird. Zuvor erläuterte Fachberater Georg Sommer das ausgearbeitete Konzept fürs „schöne Kurhaus“. Dazu gehörten die Gastronomie-Varianten und die Betreibermodelle. Die sehr alte Technik wurde freilich auch angesprochen. Notwendige Investitionen wurden so beschrieben: „Technik Teilbereich“ zum Beispiel jährlich 40 000 Euro (drei Jahre), Stühle 100 000 Euro (einmalig) und jährlich 25 000 Euro fürs Haus.
Harte Arbeit Die aktuelle Situation spreche für eine Verpachtung an einen Generalunternehmer, so der Tenor bei der Präsentation. Bei der Gestaltung eines Vertrags sei auch der vordere Foyerbereich und die öffentliche Toilette ein Thema, stellte Sommer fest. Es wäre freilich generell einiges zu verhandeln, „damit’s funktioniert“. Er sei fest davon überzeugt, einen Pächter zu bekommen. Es sei aber harte Arbeit. Ob es einen Monat, sechs Monate oder noch länger dauere, könne man nicht sagen.
Am 22. Januar teilte die Stadt in einer Pressemitteilung mit, dass zum 1. Juni ein neuer Pächter für das Kurhaus gesucht wird.
Entwicklung eines Konzepts
Zum Pachtobjekt gehörten sämtliche Innensäle und -räume, das Mobiliar, die technische Ausstattung sowie die Außenbereiche Nord- und Südterrasse, die Konzertmuschel und der Trinkpavillon. „Vom Pächter erwartet wird die Entwicklung eines Veranstaltungskonzepts, welches das Kurhaus als belebten Veranstaltungsort für unterschiedlichste Zielgruppen erhält sowie ein gastronomisches Konzept, das sowohl das Catering bei Events im Kurhaus als auch die Fortführung des Restaurants beinhaltet“, heißt es weiter. Die Eventplanungen solle der künftige Pächter übernehmen, wobei sichergestellt werden müsse, „dass die örtlichen Vereine weiterhin die Möglichkeit haben, das Kurhaus für ihre Veranstaltungen zu mieten“.
Um dem neuen Pächter den Einstieg finanziell zu erleichtern, biete die Stadtverwaltung „eine zu Beginn des Vertrages reduzierte Pacht an“. Der Vertrag solle eine Mindestlaufzeit von fünf Jahren haben – mit einer Verlängerungsoption auf zehn Jahre.
Exposé Wie nun auf Nachfrage unserer Redaktion aus dem Rathaus zu erfahren war, habe man das Exposé an einen erweiterten Kreis von Medienpartnern versendet. Zudem habe Bürgermeister Klaus Hoffmann rund 20 potenzielle Investoren direkt kontaktiert. Außerdem wurde mitgeteilt: „Zum Stand der Rückmeldungen werden wir uns aber erst nach Ablauf der Bewerbungsfrist äußern.“ Unterlagen dürfen bis 28. Februar eingereicht werden.
Zentraler Treffpunkt Das 1890/1891 erbaute Kurhaus ist teilweise denkmalgeschützt (Außenfassaden und Walmdach) und wurde mehrfach saniert (1985, 2010/2011, 2016/2017).
Im Exposé heißt es unter anderem: Es sei ein charmantes Veranstaltungs- und Versammlungshaus im Herzen der Stadt, eingebettet in die malerische Kulisse des Kurparks. Es stehe für Tradition, Wandel und Innovation und sei durch umfangreiche Modernisierungen für die Gartenschau 2017 auf die Anforderungen eines modernen Veranstaltungszentrums angepasst worden. Als zentraler Treffpunkt beherberge es neben dem historischen Trinkpavillon – wo das bekannte Heilwasser ausgeschenkt werde – zahlreiche Veranstaltungsräume und eine Musikmuschel für Events im Freien. Ergänzt durch öffentliches WLAN biete das Kurhaus gute Bedingungen für verschiedenste Veranstaltungsformate – darunter Tagungen, kulturelle Events, Unterhaltung und Tanzveranstaltungen. Und weiter: „Besonders beliebt war unser Kurhaus in den letzten Jahren als Location für Hochzeiten, Bälle und Konzerte. Regelmäßig genutzt wurde es auch für lokale oder themenzentrierte Messen, Schachmeisterschaften, politische und gesellschaftliche Veranstaltungen einschließlich öffentlicher Tanzveranstaltungen. Nicht im Fokus standen Firmenfeiern und gewerbliche Vermietungen, für diese Veranstaltungsarten besteht Potenzial.“
Stolz auf Doppelprädikat
Die Geschichte und Bedeutung des Kurhauses spiegelten die Vorzüge von Bad Herrenalb wider – einer Tourismusstadt mit Zukunft und einer beeindruckenden Besucherstruktur: Jährlich zähle die Stadt rund 1,4 Millionen Tagesgäste und 300 000 Übernachtungen. Bad Herrenalb trage stolz das seltene Doppelprädikat „Heilklimatischer Kurort“ und „Heilbad“ und sei Vorreiter im Bereich Fair Trade, Nachhaltigkeit sowie regionaler Produktqualität.
Leistungen
Gegenstand der Verpachtung ist das sich im Kurpark befindliche Kurhaus einschließlich Außenanlagen. Mitverpachtet wird das gesamte, vorhandene Inventar. Räume des Kurhauses:
Hauptsaal: bis zu 420 Plätze in Reihenbestuhlung, bis zu 300 Plätze mit Tafeln und unbestuhlt bis zu 800 Personen. Der Raum bietet reichlich Tageslicht und architektonisch passende Beleuchtung, ist jedoch nicht verdunkelbar. Südsaal und Nordsaal:
Kapazitäten von 40 bis 80 Personen, je nach Bestuhlung. Lukas-Stüberl und Nebenräume des Restaurants:
Kapazitäten zwischen 20 und 50 Personen. Nordterrasse – mit Musikmuschel für Veranstaltungen im Freien: 433 Quadratmeter und 169 Quadratmeter. Südterrasse:
gastronomischer Außenbereich mit 199 Quadratmeter. Technische Ausstattung:
Veranstaltungsräume sind mit Ton-, Licht- und Medientechnik ausgestattet. Es wird betont, dass diese Technik nicht immer den Standards und Anforderungen in allen Fällen entspricht, oft deshalb durch externes Equipment der Veranstalter ergänzt wird.