Die alte Küche ist bereits herausgerissen. Foto: Parage

Kaum ist die letzte Veranstaltung vorbei, wird das Bad Liebenzeller Kurhaus zur Großbaustelle.

Zwei große Bilder, ein altes „Weinstube“-Schild aus Metall und ein Stück eingerahmter Teppich aus dem Parkrestaurant: Das sind die Erinnerungsstücke, die sich Bad Liebenzells Bürgermeister Roberto Chiari jüngst bei der Versteigerung und dem Flohmarkt im Kurhaus gesichert hat. Dort geht es in Sachen Sanierung nun Schlag auf Schlag: Der Neujahrsempfang am Sonntag im Spiegelsaal war die allerletzte Veranstaltung vor der sanierungsbedingten Schließung. Am Montagmorgen kam der Abrisstrupp.

 

Küche „Da geht was“, sagt Kurhaus-Betriebsleiter Raphael Koch. Die bisherige Restaurantküche – sie stammt aus dem Jahr 1954 – ist bereits herausgerissen, am Mittwoch sollte der Küchenboden folgen. Denn die neue Küche hat bei der Sanierung Priorität. Sie entsteht im bisherigen Thekenbereich und wird dann zentral liegen – zwischen Restaurant, Terrassen- und Spiegelsaal. Der bisherige Standort bedeutete lange Wege für die Mitarbeiter. Ein Kellner laufe an einem Sommertag, wenn auch noch die Terrasse des Restaurants geöffnet habe, durchschnittlich 30 000 Schritte. „ Da bleibst du fit“, erzählt Koch.

Auch die Theke rückt künftig näher: Sie wird in den Gastraum verlegt. Das hat den Vorteil, dass an Tagen mit wenig Auslastung auch weniger Personal gebraucht wird. „Kurzum: Es soll effizienter werden“, sagt Chiari über die Abläufe. Das hilft gerade in Zeiten von Fachkräftemangel.

Mitarbeiter Die bisherigen festangestellten Mitarbeiter behalten trotz Umbaus ihre Stellen. Zum einen wird das Parkrestaurant Ende Februar in seinem Ausweichdomizil im „Zur Linde – Kulturtreff Bürgerhaus“ wiedereröffnen, zum anderen werden sie – je nach Bereich – übergangsweise für die Stadt tätig sein oder in den Paracelsus-Thermen und der dortigen Gastronomie mitarbeiten. Auch diese werden von der Freizeit und Tourismus Bad Liebenzell GmbH betrieben.

Restaurant Die Idee, die Gastronomie übergangsweise im Bürgerhaus unterzubringen, hatten Küchenchef Hansjörg Villgratter und Bürgermeister Chiari gleichzeitig. „Wir waren da sehr schnell auf einem Level“, erzählt der Schultes. Er spricht von einer „klassischen Win-win-Situation“. Auch deshalb, weil er kraft Amtes Vorsitzender des Vereins „Freunde des alten Gemeindehauses“ – des Bürgerhauses – ist.

Er und seine Vorstandskollegen sind seit Dezember 2022 im Amt. Sie wollen in dem Gebäude kulturelle Veranstaltungen anbieten. Von Poetry Slam bis Dinner im Dunkeln kann sich Chiari vieles vorstellen. Dass das Bürgerhaus bald bewirtet ist, passt da umso besser. Das Restaurant wird an sieben Tagen die Woche geöffnet haben.

Kurhaus Zumindest im Spiegelsaal des Kurhauses sollen ab Mai wieder Veranstaltungen möglich sein, dafür braucht es die neue Küche. Die restlichen Sanierungsarbeiten dauern länger: Die Fertigstellung ist fürs erste Halbjahr 2025 geplant.

Dass es mit der Küche so schnell geht, liegt auch an den in den vergangenen Jahren geleisteten Vorarbeiten. So wurden nicht nur die Toiletten und die Tagungsräume bereits erneuert, auch die neue Hauptverteilung der Elektrik ist bereits gemacht.

Wenn der Küchenbau läuft, soll die Renovierung des Restaurantraums beginnen. Der Anbau ans Kurhaus bleibt, aber das bisher ungedämmte Dach wird erneuert. Dieses wird und muss wieder Glaskuppeln haben – das Gebäudeensemble steht im Gesamten unter Denkmalschutz. Zudem wird der Fußboden im Restaurant erneuert und erhält eine Heizung. Das bedeutet, dass der originale Teppich mit dem Bad Liebenzeller Wappen von 1974 verschwinden wird. Die Bürger konnten sich bereits ein eingerahmtes Stück davon sichern.

Neu wird übrigens auch der Name des Restaurants: Die Zeiten des Parkrestaurants sind vorbei – noch ist offen, wie die Gastronomie künftig heißen wird.

Der Terrassensaal wird mit neuem Boden, neuer Decke und frischen Lampen optisch aufgewertet. Und im Spiegelsaal wird – am Ende der Sanierungszeit – der Boden abgeschliffen und außerdem eine Lüftungsanlage eingebaut. Im Sommer lässt er sich dann kühlen. Das, meint Raphael Koch, sei „extrem wichtig“. Darüber entsteht am bisherigen Eingang an der Rückseite des Kurhauses ein Anbau: Dieser Windfang verbindet dann Spiegelsaal und Restaurant miteinander – und ermöglicht es außerdem, dass Restaurantbesucher nicht mehr das Gebäude verlassen müssen, um barrierefrei zur Behindertentoilette zu gelangen. Insgesamt werden zehn Millionen Euro investiert. 2,5 Millionen Euro kommen vom Land Baden-Württemberg, dabei handelt es sich um Mittel aus der Tourismusförderung.

Sommerbetrieb Auch im Sanierungssommer müssen die Bad Liebenzeller und Besucher des Kurparks nicht auf einen kühlen Drink verzichten: Die Sommerbar Oleander wird ab Mai, bei gutem Wetter auch schon früher, von Mittwoch bis Sonntag geöffnet haben. Die Bar wird in den Schäferwagen der Freizeit und Tourismus GmbH verlegt, auch Kleinigkeiten zu essen wie Bratwurst und Pommes, Maultaschen oder Wurstsalat soll es geben, wie Raphael Koch verrät.