Bei der Übergabe der Zeichnung (von links): Rosemarie Oettling, Fabienne Janz, Azra Czycholl, Kurt Breuer und Oberbürgermeister Adrian Sonder. Foto: Rath/Stadtverwaltung

Über eine Schenkung hat die Stadt Freudenstadt ein weiteres Kunstwerk erhalten. Es ist von Künstler Jochen Oettling.

Die Stadt Freudenstadt hat eine Zeichnung des Freudenstädter Künstlers Jochen Oettling geschenkt bekommen. Das geht aus einer Pressemitteilung der Stadt hervor.

 

Oberbürgermeister Adrian Sonder und Fabienne Janz, im Rathaus für den Bereich Kunst zuständig, nahmen das Werk von Azra Czycholl und Kurt Breuer entgegen; die beiden hatten die Zeichnung aus dem Nachlass des Künstlers gekauft, der am 14. Dezember 2024 im Alter von 83 Jahren in seiner Wahlheimat Freudenstadt gestorben war. Bei der Übergabe im Rathaus mit dabei war außerdem Rosemarie Oettling, die Witwe des Künstlers.

Sonder nahm sich zunächst einige Momente Zeit, das Kunstwerk auf sich wirken zu lassen. „Die Zeichnung ist etwas ganz Besonderes und passt durch ihren Bezug zur Geschichte und Architektur sehr gut in den Kunstfundus der Stadt Freudenstadt. Wir werden einen würdigen Platz für das Werk finden. Ich bedanke mich im Namen der Stadt, des Gemeinderats und der Bürgerschaft“, sagte er.

Die Entwicklung zum Luftkurort

Die Zeichnung zeigt einen Blick über die Dächer und Türme des Marktplatzes aus südlicher Richtung, mit der Stadtkirche, dem Rathaus und dem Stadthaus, die aus weißen Schwaden auftauchen. Umgeben ist die Szenerie von grüner Waldlandschaft. Integriert sind Porträts von Stadtgründer Herzog Friedrich und Alfred Hartranft (1877 bis 1919), der die Entwicklung Freudenstadts zum Luftkurort vorangetrieben und damit den Weg zur heutigen Tourismusstadt eingeschlagen hat. Die Zeichnung in den Maßen 13 mal 15 Zentimeter in Farbstift stammt aus dem Jahr 2021 und trägt den Titel „Atmen Sie die balsamischen Ausdünstungen der umliegenden Waldungen“.

In einer Linie mit Paul Kälberer und Otto Rühle

Die Zeichnung ist detailliert und surrealistisch. Damit steht sie als typisches Beispiel für Oettlings markanten Stil. „Diese Technik des Zeichnens ist sehr komplex und aufwendig, man muss sie beherrschen“, wird Azra Czycholl vom Kunstkreis Freudenstadt zitiert. Von Qualität und Bedeutung seiner Arbeiten stehe Oettling in einer Linie mit den bekannten Künstlern Freudenstadts, etwa Paul Kälberer, Otto Rühle und David Fahrner.

Interessant ist auch die Lebensgeschichte von Jochen Oettling, der am 6. November 1940 in Eisenach geboren worden war und zeitlebens eine enge Verbindung zu seiner Heimatstadt gepflegt hatte. Seine Familie zog noch vor dem Bau der Mauer in den Westen und landete über Umwege in Speyer in Rheinland-Pfalz. Dort lernte er seine Frau kennen. 1975 zog der gelernte Tiefdrucker nach Freudenstadt, um bei der Firma Schlott zu arbeiten. 1976 zog seine Familie nach.

Schädlicher Einfluss des Menschen auf die Natur

Laut Kurt Breuer sind Oettlings Zeichnungen vielschichtig und „oft nicht so einfach zu verstehen“. Es sei notwendig, die Darstellungen zu „hinterdenken“, um der wahren Aussage auf die Spur zu kommen. So ist das Werk, das die Stadt erhielt, nicht ganz so idyllisch gemeint, wie es auf den ersten Blick den Anschein erwecken könnte. In Oettlings Werk spielen Umweltschutz, Natur und der nicht selten schädliche Einfluss des Menschen auf die Natur eine zentrale Rolle.

Über seine Grundausbildung im grafischen Gewerbe hinaus war Oettling Autodidakt, der nach Erinnerungen seiner Witwe akribisch, detailbesessen und teils nächtelang arbeitete. „Er hat alles gezeichnet, was ihn beschäftigte“, so Rosemarie Oettling.

Voriges Jahr hatte es im Kurhaus eine Ausstellung mit Werken von Jochen Oettling gegeben. Im Nachgang kauften Czycholl und Breuer die Zeichnung.