Carmen Traub gibt Einblicke in ihr Schaffen. Foto: Silke Thiercy

Akkurat und genau nach Plan muss es in Carmen Traubs Hauptberuf zugehen: Die Rosenfelderin ist Architektin. Einen kreativen Ausgleich findet sie beim Malen. Nun stellt sie in der Balinger Neuen Straße ihre Werke aus – vorübergehend.

Die Kunststadt Balingen ist im einige Farbtupfer reicher: Carmen Traub nutzt die Gunst der Stunde und die leerstehenden Räume des Ladengeschäfts, um in einer Pop-up-Galerie ihren abstrakten Bildern eine Bühne zu geben. Zwei Dutzend Bilder sind zu sehen, immer wieder andere. Traub kann auf einen großen Fundus zurückgreifen.

 

„Alles ist Energie“, zitiert die Künstlerin Albert Einstein. So will sie auch ihre künstlerische Arbeit verstanden wissen: Energie, die aus ihr heraus strömt, wird zu farbenfroher Kunst auf der Leinwand.

Vom Wühltisch des Lebens

Für die Rosenfelderin ist das der perfekte Kontrast und Ausgleich zu ihrer Arbeit als Architekten. Klar strukturiert und genau nach Plan muss sie da vorgehen. Im heimischen Atelier ist sie dann völlig frei in der Gestaltung. Sobald Traub den Pinsel in die Hand nimmt, bewegt sie sich in einer komplett anderen Welt.

Wenn sie vor einer weißen Leinwand steht, dann spürt sie, wie Energie fließt. „Meine abstrakten Bilder kommen im Moment des Entstehens direkt aus mir“, erzählt die Künstlerin. Wenn man so wolle, seien die Werke eine Komposition aus allem, was sie jemals gesehen und erlebt hat. „Sie sind sozusagen die Essenz aus meinen Erlebnisse, Eindrücken, Stimmungen und Gefühlen, die sich auf dem Wühltisch meines Lebens angesammelt haben.“

Über die Regeln der Kunst

Die Architektur ist für Traub die angewandte Kunst, die Malerei als freie Kunst sei schon immer ihre Leidenschaft gewesen. Am liebsten arbeitet sie mit Acrylfarben. Und auch, wenn die Werke scheinbar zufällig und ungeplant entstehen, gibt es eine Struktur.

Traub hat sich bei verschiedenen Dozenten und an einigen Kunstakademien – unter anderem am Bodensee – in die Gesetzmäßigkeiten der Malerei eingefuchst. Sie kennt die „Regeln“, sie will sie unbedingt kennen, um sie auch mal brechen zu können.

Viel Zeit hat sie in Museen verbracht und sich Stunden lang mit den Werken großer Meister auseinandergesetzt. Sie hat die Bilder analysiert und seziert, weil sie sie verstehen wollte.

Energie fließt in die Bilder

In der Architektur gehe es darum, einen Plan zu haben und diesen zu befolgen. In der Malerei braucht es für Traub einen solchen Plan nicht. Im Gegenteil: Die Bilder entstehen aus dem Moment heraus. „Ich bin fasziniert davon, wie Energie dadurch auf direktem Weg in meine Bilder fließen kann“, sagt die Künstlerin.

Diese Bilder hängen in der Balinger Galerie allerdings nicht wirklich an der Wand, sondern an Ständern aus altem Holz. Diese waren ehemals in die Jahre gekommene Palisaden, die Traub eingelagert hatte. Nun haben sie eine neue Bestimmung gefunden: aus dem Sichtschutz für den heimischen Garten haben Traubs Mann und Vater die mobilen Stellwände gezimmert.

Keramikkunst ist auch zu sehen

Das ist ganz nach dem Geschmack der Künstlerin: Die Ständer sind beweglich, also so dynamisch wie die Werke, die daran hängen. Traub kann immer mal wieder ohne großen Aufwand neu gestalten. „Und das Holz bringt eine schöne Wärme in den Raum.“

Neben den großformatigen Malereien von Carmen Traub sind in der Pop-up-Galerie auch Keramiken zu sehen. Diese stammen aus den Werkstätten von Traubs Freundinnen Nicole Völkle und Francesca Schwarz-Solforetti. Geöffnet ist die Galerie immer donnerstags von 14.30 bis 17 Uhr oder nach Vereinbarung. Wie lange? Bis ein neuer Mieter gefunden ist. Interessenten für das Ladengeschäft hätten sich schon gemeldet, verrät Traub.