Es sind nur ein paar Quadratmeter – aber auf denen passiert viel: Zehn Maler stellen gemeinsam aus. Ein Werk soll sogar satte 48 Milliarden Dollar kosten.
„Die Badende“ heißt das Werk von Michl Brenner. Zu sehen ist auf dem kleinformatigen Gemälde eine aufgeklappte Schere, die mitten im Meer steht. Kosten soll das Werk 48 Milliarden Dollar, wie auf einem weißen Pappschild handschriftlich vermerkt ist – das ist mit einem Augenzwinkern zu verstehen.
Bislang hat Barbara Irion ausgestellt
Brenner leitet die Studienkurse Kunst und Bild bei der Volkshochschule (VHS) Balingen. Bernhard Jung von „Freiraum kreativ“ hat sich bei ihm gemeldet und dafür gesorgt, dass zehn Künstler in dem winzigen Ladenlokal in der Herrenmühlenstraße und damit in direkter Nachbarschaft zu unserer Redaktion ihre Werke präsentieren können.
Bislang hat in dem Miniraum Barbara Irion ihre Kunst gezeigt, gerne in Kooperation mit der Bildhauerin Heidemarie Messmer. Die Malerin hat sich allerdings privat verkleinert und den Großteil der Bilder in einem Abverkauf veräußert. Lange leer geblieben ist die wahrscheinlich kleinste Galerie der Welt nicht, seit etwas mehr als einer Woche sind Arbeiten aus den Studienkreisen zu sehen.
Kunst in und an allen Ecken
Erste Erfahrungen mit Ausstellungen zum Beispiel im Ostdorfer Autohaus Harich hat die Gruppe bereits, wie Michael Vogel erklärt. Er ist Sprecher der Künstler, will sich selbst aber, das ist ihm wichtig zu erwähnen, auf keinen Fall in den Mittelpunkt stellen. Für Vogel steht die Kunst im Mittelpunkt.
„Dieses kleine Räumchen war mir nicht bekannt“, sagt Vogel. Wohl aber kennt und schätzt er den Gedanken des Vereins Freiraum, ein freundliches Balingen zu gestalten, mit Kunst in und an allen Ecken, quasi als soziale Skulptur. Vogel verweist auf den Künstler Joseph Beuys, der das Atelier zwischen die Menschen bringen wollte.
Jeder hat seinen eigenen Schwerpunkt
Neben Vogel und seiner Frau Margit stellen Gabriele Knupe, Sonja Kiefer. Inge Simma-Endriss und Hannah Haberland, Margarete Geiselmann, Gabriele Opfermann, Guido Stingel und Carola Schule aus. Die Werke sind im Atelier der VHS entstanden.
Es sei ein sehr offener und individueller Kurs, berichtet Vogel. „Jeder hat seinen eigenen Stil und seine eigenen Vorstellungen“, meint er. Michl Brenner sei zwar der Dozent, gäbe aber erst Tipps, wenn man ihn darum bitte. „Jeder von uns hat auch seinen eigenen Schwerpunkt“, sagt Vogel. Er selbst habe sich lange Zeit mit Acrylmalerei beschäftigt. „Jetzt habe ich gerade eine Schwarz-Weiß-Phase.“
Staunen kann man in der Kunststadt überall
Auch wenn humorvoll 48 Milliarden Dollar für „Die Badende“ aufgerufen sind, ums Verkaufen geht es niemandem aus der Gruppe. In den Studienkursen drehe es sich darum, sich auf den künstlerischen Prozess einzulassen, sagt Vogel. „Man ändert seine Perspektive, so entsteht Kreativität.“
Dann zitiert Vogel Albert Einstein: „Wer das Geheimnisvolle nicht kennt und sich nicht mehr wundern, nicht mehr staunen kann, der ist sozusagen tot und sein Auge erloschen.“ Staunen könne man in der Kunststadt Balingen überall – seien es die bemalten Stromkästen, bunte Graffiti oder nun eben die Mini-Galerie mitten in der City.
Wie lange die Bilder zu Bestaunen sind? Ganz genau weiß Vogel das nicht. „Aus Versehen“ hat die Künstlergruppe vergessen, eine Vernissage zu machen. Eine Finissage soll es aber wohl geben. Wenn „Die Badende“ veräußert wird, dürfte diese locker finanziert sein.