Ski-Kunstspringerin Emma Weiß vom Freestyle-Club Zollernalb hat einen Winter mit zahlreichen Höhen hinter sich – doch der brachte auch große Herausforderungen mit sich.
Emma Weiß hat sich bei den Ski-Freestylern in der Aerials-Disziplin in der Weltspitze etabliert. In der Gesamtwertung des Weltcup belegte sie den sechsten Platz. Mit ihrem achten Rang bei der WM hadert die 23-Jährige aus Albstadt-Ebingen jedoch etwas. „Es ist insgesamt sehr gut gelaufen. Die Saison hatte einige Highlights für mich. Ich war bei jedem Weltcup in den Top Ten und habe dreimal das Superfinale erreicht. Meine Leistungen waren sehr konstant. Das Beste war, dass ich gemerkt habe, dass ich in jedem Wettkampf abliefere“, sagte Emma Weiß, der auch Zollernalbkreis-Landrat Günther-Martin Pauli die Daumen drückt.
Olympia-Winter sorgt für Ungewissheiten
Dabei war sie mit einigen Bedenken in den Winter gestartet. Denn eine Saison wie die vergangene, in der sie nach einer Corona-Infektion immer wieder Probleme hatte, die CT-Grenzwerte zu unterbieten und bei den Olympischen Spielen in Peking ihren Wettbewerb quasi aus der Quarantäne heraus absolviert, wollte sie nicht noch einmal erleben. „Ich habe zwar nicht mehr oft an die Spiele gedacht, und wenn, dann mit einem weinenden Auge. Ich hatte einfach Angst, dass wir wieder ständig testen müssen. Als dann klar war, dass es in dieser Hinsicht keine Probleme mehr gibt, war ich schon erleichtert. Trotzdem bin ich bei den Reisen zu Saisonbeginn noch mit einer FFP2-Maske im Gesicht geflogen.“
Ohnehin ist eine nach-olympische Saison – schon die Saison davor war durch den russischen Angriffskrieg ziemlich aufregend – mit Ungewissheiten verbunden. Gibt es Athletinnen, die nach einem solchen Höhepunkt in einem Sportlerleben aufhören? Wie schwer oder auch leicht fällt es, sich danach für die alltäglichen Weltcups sich zu motivieren? „Von meinen Konkurrentinnen haben nur ganz wenige aufgehört, und die Motivation war für mich gar kein Problem.“, sagt Emma Weiß, die auch im Fernsehen eine gute Figur macht.
Starker Saisonauftakt in Finnland die Bestätigung für gute Arbeit
Und sie legte gleich richtig stark los. Zum Auftakt in Finnland wurde sie mit einer neuen persönlichen Bestpunktzahl Fünfte und bestätigte damit, dass sie zur Weltspitze zählt. „Es ist einfach ein gutes Gefühl zu spüren, dass sich die ganze Arbeit im Sommer auszahlt.“ In Le Relais in Kanada sprangen für sie die Plätze fünf und neun heraus, in Deer Valley im US-Bundesstaat Utah belegte sie Rang sechs. „Da macht es besonders Spaß, weil sehr viele Zuschauer kommen und die Stimmung einfach geil ist. Das sind für mich die Wettkämpfe, in Deer Valley ist es unglaublich“, schwärmt Emma Weiß, die ihre Erfahrungen gerne teilt. Doch die Saison hielt noch weitere Höhepunkt bereit.
Besonderes Highlight in St. Moritz – und WM-Frust in Georgien
Denn bei der nächsten Station in St. Moritz erhielt sie reichlich Unterstützung. „Meine ganze Familie war da, mein Freund Ole und auch einige Sponsoren. Ich glaube sogar, dass mich meine Mutter zum ersten Mal überhaupt im Winter springen gesehen hat. Ich hatte großen Respekt vor dem Wettkampf, weil sie alle die Reise auf sich genommen hatten. Aber – ich bin super gesprungen“, sagt Emma Weiß. Sie belegte Rang acht. Und auf diesem Platz sollte sie auch bei der Freestyle Weltmeisterschaft in Georgien landen. Und damit war sie überhaupt nicht einverstanden. „Dort bin ich von den Kampfrichtern zu schlecht bewertet worden. Eigentlich hätte ich ins Superfinale gehört.“
Zwei verrückte Wochen seien es in Georgien gewesen. „Wir hatten unfassbar viel Wind und schlechtes Wetter. Wir Athleten hatten sogar überlegt die WM zu boykottieren, weil sich im Training einige doch schwerer verletzt haben. Ich habe drei Kreuze geschlagen, dass es mich nicht erwischt hat. Allein schon eine WM in einer Sportart, die derart vom Wind abhängig ist, an einem Ort zu veranstalten, der „The Windy Hill“ heißt, ist eigentlich unverantwortlich“, sagt Emma Weiß.
Weltcup-Finale in Kasachstan mit schmerzhaftem Handicap
So ganz ohne Drama ging aber auch diese Saison nicht für Emma Weiß über die Bühne. Vor dem Weltcupfinale in Almaty/Kasachstan stürzte sie im zweiten Training auf einer Anlage mit extrem langem Landehügel, aber immens kurzer Abschwing-Zone im Auslauf auf den Ellenbogen. „Die Bänder hatten etwas abbekommen. Ich konnte den Arm nicht mehr strecken. Aber der Physiotherapeut hat ihn mir einen ganz dicken Tapeverband verpasst. Wäre ich das Risiko nicht eingegangen, hätte es nicht zu Platz sechs im Gesamtweltcup gereicht. Zum Glück haben die Kampfrichter aus ihrer Position nicht gesehen, dass ich mit ‚krummem‘ Arm gesprungen bin. Es war – typisch Emma – mein bester Wettkampf des Jahres.“ Als Vierte erreichte sie das Finale, dort wurde es schließlich Platz acht.
Bringt neuer Sprung die Garantie fürs Superfinale?
Was Emma Weiß noch fehlt, um ein Abonnement auf einen Platz im Superfinale zu haben? „Dazu muss ich einen neuen Sprung oder besser zwei Sprünge etablieren, die ich schon letztes Jahr im Wasser trainiert und gekonnt habe.“ Den Double-Full-Full – einen Rückwärtssalto mit zweifacher Schraube und einen mit einer Schraube wollte sie im vergangenen Winter bereits in den Wettkämpfen zeigen. Mehr als zehn Sprünge im Training waren aber nicht möglich. Denn das Wetter machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Wegen Schneemangel wurde das in Saas Fee/Schweiz geplante Trainingslager abgesagt, und auch vor dem ersten Weltcup im finnischen Ruka war lange Zeit nichts von der weißen Pracht zu sehen.
Auf der Wasserschanze
Der Transfer des von der Wasserschanze funktionieren Double-Full-Full ins andere Medium verzögerte sich derart, dass in der zu Ende gegangen Saison nur ein paar Versuche im Training möglich waren – zu wenige jedenfalls, im ihn im Wettkampf zu zeigen. Schließlich lässt sich im Sommer zwar die Flugphase einstudieren, die Automatismen bei der Landung aber können nur im Schnee ausgebildet werden. Die Grundlagen für einen erfolgreichen Winter 2023/24 legt Emma Weiß jetzt wieder – mit Ballett- und Trampolintraining mit ihrem Vater Armin Weiß zu Hause in Albstadt-Ebingen und jede Woche von Mittwoch bis Samstag auf der Wasserschanze im eidgenössischen Mettmenstetten mit dem Schweizer Nationaltrainer Michel Roth.