Nur schätzen oder etwa kaufen? Um diese Frage geht es in vielen Gesprächen mit Kunstexperten Charles Bamberger jun. So auch im Hotel Schwarzwald in Freudenstadt. Foto: Hannes Kuhnert

In der Kunstsprechstunde nach Vorbild der ZDF-Show Bares für Rares in Freudenstadt wurden viele Bilder, Münzen, Uhren und Schmuck begutachtet.

Es war allerhand los bei der „Kunstsprechstunde“, zu der das Mannheimer Auktionshaus Bamberger am Samstag in das Hotel Schwarzwald geladen hatte. Immer wieder kamen Menschen aus der Region, die Wertvolles oder scheinbar Wertvolles begutachten, schätzen oder verkaufen wollten.

 

„Wir hatten mit unseren drei Experten sehr viel zu tun und konnten uns nicht mal eine Mittagspause leisten“, zieht Aaron Gärtner, Geschäftsführer des Auktionshauses, Bilanz im Gespräch mit unserer Redaktion.

Gemälde von Picasso waren nicht dabei

Nein, der unerkannte Picasso – jahrelang auf dem Dachboden im Schwarzwald verstaubt – wurde nicht zu den Kunstexperten getragen und brachte daher auch keine überraschende Million. Doch immerhin eine Grafik von Dali war am Samstag dabei.

Der Kunde hatte das Kunstwerk in den 80er-Jahren für rund 2500 Mark erworben und erhoffte sich jetzt zumindest den gleichen Betrag. Beim Blick ins Handy und die europaweiten Auktionslisten konnten ihm die Kunstexperten gerade mal 500 Euro anbieten. Denn die Grafik war im Nachhinein noch mehrfach nachgedruckt worden und hatte daher an Sammlerwert verloren. Dem Kunden das zu wenig. Er zog enttäuscht mit seinem Dali ab.

„Die haben bei Oma an der Wand gehangen“, sagt der junge Mann aus Freudenstadt. Jetzt bringt er die Bilder zu den Experten der Kunstsprechstunde. Foto: Hannes Kuhnert

„Sowas sagen zu müssen, tut uns natürlich auch weh“, sagt Gärtner. „Manche Kunden erwarten das riesige Geschäft und zu oft müssen wir sie enttäuschen.“ Im großen Ganzen aber, so meint er, gehen die Kunden mit einem guten Gefühl von der Kunstsprechstunde nach Hause, haben ein lang gehütetes Kleinod verkauft oder zumindest seinen Wert schätzen lassen.

Kunstsprechstunden gibt es das ganze Jahr über

Und das ging am Samstag in Freudenstadt den ganz Tag über in intensiven Gesprächen mit den Experten, durchschnittlich im 15-Minuten-Takt: Puppen, Münzen, Schmuckstücke, Bilder und immer wieder großflächige Bilder, Armband- und Taschenuhren oder Skulpturen, seltsamerweise kaum Exemplare von Künstlern aus der Region. „Hier gibt es offensichtlich viele Leute, die gar nicht genau wissen, was sie zu Hause haben“, sagt Gärtner lächelnd.

Die Kunstsprechstunden gibt es das ganze Jahr über, immer samstags, immer in einer anderen Stadt. Dabei nimmt das Auktionshaus nur Dinge, die es interessiert, die es weiter versteigern oder verkaufen kann. „Da gibt es viele Bilder, die uns nicht interessieren. Manche Kunden wollen sie uns sogar schenken, weil sie sie einfach loshaben wollen. Das machen wir prinzipiell nicht und dafür sind sie ja auch zu wertvoll.“

Verlassen sich auf eigene Erfahrungen

Oft greifen die Experten beim Taxieren der Wertsachen auf das Internet und auf dortige anerkannte Auktionsergebnisse zurück, meist verlassen sie sich auf eigene Erfahrungen, ihr Fachwissen und Gefühl.

Die Trödelshow „Bares für Rares“ mit dem schnauzbärtigen Horst Lichter im ZDF verfolgen die Auktionatoren mit gemischten Gefühlen. „Natürlich war diese Show wie ein Sprungbrett auch für uns und hat uns den Einstieg in unsere Sprechstunden erleichtert“, räumt Gärtner ein. „Aber es wird zu schnell vergessen, dass ‚Bares für Rares‘ in erster Linie eine Show ist und die Händler nicht mit eigenem Geld bezahlen.“