Ob Freie Kunst, Grafik- oder Modedesign, Kunsterziehung oder Architektur – wer sich für diese Berufe an der Hochschule bewirbt, der benötigt eine entsprechende Bewerbungsmappe für die Aufnahmeprüfung.
Rottweil-Neufra - Elke Bäcker, Leiterin der Kunstschule Hohenstein, begleitet seit vielen Jahren junge Leute, die sich im künstlerischen Bereich bewerben. Und die Quote derer, die letztlich einen Studienplatz bekommen, spricht für Bäcker, liegt sie doch bei beeindruckenden 96 Prozent.
Insgesamt 233 Bewerbungsmappen, die sie mitbegleitet hat, waren über die Jahre erfolgreich – und das in allen künstlerischen Bereichen. Die Mappenkurse an der Kunstschule Hohenstein sind stets gut besucht. Gemeinsam mit der Grafikerin Andrea Ketterer aus Freiburg begleitet Elke Bäcker die Schüler bis zur fertigen Mappe. Ein dreiviertel Jahr müsse man bis zur Fertigstellung einplanen.
Alle drei haben eine Zusage
Auch heuer freuen sich wieder alle drei Absolventen über eine Zusage für einen Studienplatz, präsentieren ihre Mappen und berichten von ihren Erfahrungen. "Es war wirklich sehr lustig in dem Kurs, wir haben sehr gut zusammengearbeitet und verstehen uns gut", betonen Jasmin Penz, Lenas Roeckl und Hanne Betting einhellig. Und die Ergebnisse beeindrucken. Hanne Betting hat drei Monate an ihrer Mappe gearbeitet. Und ihr Traum ist in Erfüllung gegangen: Sie hat einen Studienplatz für Kommunikationsdesign an der HTWG in Konstanz bekommen. Betting hat bereits eine Ausbildung zur Mediengestalterin absolviert und als Grafikerin gearbeitet. Mit dem Studium möchte sie aber noch eins draufsetzen.
Als Thema für ihre Mappe hat sie sich eine Zitrone ausgewählt. Und welche Möglichkeiten so eine kleine saure Frucht bietet, das kann man in der beeindruckenden Arbeit erkennen. Jede Eigenschaft der Zitrone hat Hanne Betting zu einem eigenen Thema gemacht. In einer Broschüre ist ein gelber Faden der Star. Beworben hat sie sich letztlich nur in Konstanz. "Da wollte ich hin, deswegen habe ich alles auf eine Karte gesetzt. Das kam beim Gespräch auch sehr gut an", berichtet Betting von ihren Erfahrungen.
Von Faltenwurf bis Fotoshooting
Im Mappenkurs habe sie eine ganze Menge gelernt, betont sie. "Man konnte vieles ausprobieren, das war optimal, da man hier in der Kunstschule auch eine riesige Auswahl an Materialien hat und sehr gut beraten wird."
Lenas Roeckl möchte Modedesigner werden und hat sich in München beworben. Auch er wurde angenommen. Das freut ihn riesig, denn "anfangs bin ich mit meiner Mappe schier verzweifelt. Es war richtig schwer", gibt er zu. "Ich hatte nie viel mit Kunst zu tun, sondern immer nur mit Mode". Doch mittlerweile beherrscht er es perfekt, Faltenwürfe zu zeichnen, zudem konnte er für die Mappe auch sein T-Shirt-Projekt realisieren. So hat er T-Shirts mit Pappärmeln gestaltet, sie mit Gips, Draht und anderen Materialien bearbeitet. Im Anschluss wurden die Kreationen bei Fotoshootings in Szene gesetzt. "Das hat am meisten Spaß gemacht", gibt er zu. "Es ist echt cool, was man mit wenigen Mitteln alles so umsetzen kann".
Alles fügt sich zusammen
Jasmin Penz hat sich an der ABK Stuttgart für einen Architektur-Studienplatz beworben – ebenfalls mit Erfolg. Bei ihrer Arbeit für die Mappe habe sie schnell festgestellt, dass man anfangs gar nicht alles perfekt beherrschen müsse und dass vieles in die Mappe gehört, was nicht direkt die Architektur betrifft. Und dennoch habe sich alles zusammengefügt und seinen Platz bekommen – Bleistiftskizzen mit Elementen der Architektur, Modelle und mehr. "Man kommt Schritt für Schritt vom Zeichnerischen zum Dreidimensionalen", erzählt sie.
"Man sieht bei jeder der Mappen, dass eine Menge Handwerk drinsteckt", freut sich Elke Bäcker und betont, dass all die Mappen keine Perfektion brauchen – wenngleich sie diese aber absolut haben.