Die Ausstellung im „kunst raum rottweil“ mit Arbeiten von Julia von Troschke und Ulrike Kessl begeistert das Publikum.
Aussichten ins Offene. Passender könnte der Titel der aktuellen Ausstellung im „kunst raum rottweil“ im Dominikanermuseum dieser Tage, ganz in der Nachbarschaft der Hängebrücke, die ebenfalls vielerlei Aussichten ins Offene gewährt, wohl kaum sein.
Die Resonanz auf die Schau mit Arbeiten der beiden Künstlerinnen Julia von Troschke und Ulrike Kessl war riesig, der „kunst raum rottweil“ zur Vernissage bestens gefüllt. Und die Arbeiten, die die beiden zeigen, begeistern und faszinieren. Jede für sich allein, und auf besondere Art.
Hauchdünnes Papier
So beispielsweise die drei zwei Meter großen Scherenschnitt-Evas, die Julia von Troschke aus hauchdünnem Papier ausgeschnitten und zwischen zwei Plexiglasscheiben gerahmt hat oder die Arbeit mit dem Titel „Über Leben“. Nach der Rekonvaleszenz der Künstlerin und ihrer Rückkehr ins Leben nach einer schweren Krankheit habe sich bei ihr ungebremste Schaffensfreude, gepaart mit großem Ideenreichtum, manifestiert, betonte Anna-Maria Ehrmann-Schindlbeck, die in die Ausstellung einführte.
Arbeit mit Textilien
Die zentrale Arbeit der Schau und der Künstlerin Ulrike Kessl ist das weiß-orange Turmkleid, das von der Decke hängt und wahrlich Aussichten ins Offene offenbart, wenn man genau darunter steckt und den Blick nach oben schweifen lässt. Ulrike Kessl arbeitet vornehmlich mit Textilien. Da gibt es beispielsweise die sich um eine Säule schlingenden und sich festzuhalten scheinenden Jeanshosen oder die „Red Jacket“, die ob ihrer Präsentation vom Kleidungsstück zum Kunstobjekt wird.
„Ulrike Kessl lotet das Potential des Textilen in Skulptur und Architektur aus“, stellte Ehrmann-Schindlbeck die Künstlerin vor. Die skulpturalen Interventionen würden sowohl im Außen- als auch im Innenbereich zwischen Kleidungsstück, menschlicher Körperform, architektonischem Gegenstand und Gebrauchsgegenstand changieren.
„Ulrike Kessls experimentelle Erkundungen von Material und Raum nehmen fortwährend neue Wendungen und rücken mit jeder Arbeit neue Aspekte ins Bewusstsein“, so Ehrmann-Schindlbeck.
Die Bildwelt von Julia von Troschke erzählt ihre eigenen Geschichten; sie handelt vom Abenteuer der Menschheit und dem alltäglichen Kampf ums Dasein. Mit großem Gespür und Feinsinn beobachtet sie das gesellschaftliche Geschehen und nimmt es unter die Lupe.
Zwei Büsten aus Holz
Begrüßt werden die Besucher von zwei „Personen“, die offenbar unterwegs sind. Die beiden Büsten aus Holz, eine Frau mit Bademütze, Schwimmring, Tasche und Mikadostäben in der Hand, hat offenbar ein klares Ziel, ihr männlicher Begleiter, schwer bepackt mit Rucksack und diversen Geschenken, schaut eher belastet ob des Gepäcks drein. Wer weiß.
Beeindruckend sind gleichfalls die Bildhauerarbeiten. Flachreliefs, die Menschen in verschiedenen Alltagssituationen zeigen und die einladen, einzutauchen in die Bildwelten.
Bürgermeisterin Ines Gaehn eröffnete die Ausstellung, mit der die Ausstellungsgemeinschaft „kunst raum rottweil“ neue Wege beschreitet. Erstmals werden die Werke zweier Künstlerinnen gleichzeitig gezeigt.
Der „kunst raum“ ist eine Ausstellungsgemeinschaft von vier Partnern – der Stadt Rottweil, dem Landkreis, der Kreissparkasse und dem Kunstverein Forum Kunst –, die regelmäßig Zeit, Geld und Ressourcen einbringen.
Die aktuelle Ausstellung, bis zum 27. September zu sehen, wurde maßgeblich vom Kreis organisiert und von Kreisarchivar Johannes Waldschütz und Rainer Pohler kuratiert.