Der Kunstrasenplatz am Stadion wird erneuert. Foto: Eyckeler

Nach langer und umfassender Beratung wurde nun eine Entscheidung in Sachen Kunstrasen gefällt. Der Platz wird saniert. Das Gremium war geteilter Meinung.

Es ist schon erstaunlich, wie wechselhaft und dynamisch Einigkeit und Uneinigkeit bei einem Projekt ausfallen können. Am Dienstagabend hat der Balinger Gemeinderat der Erneuerung des Kunstrasenplatzes am TSG-Stadion grünes Licht gegeben – wenn auch denkbar knapp.

 

Am Ende brandete frenetisch, wohl aber auch erleichternder Applaus auf bei den anwesenden TSG-Mitgliedern, die der Debatte am Dienstagabend aufmerksam folgten. Diese waren unschwer an ihren roten Trainingsjacken zu erkennen.

Die Erneuerung des Kunstrasenplatzes an der Bizerba Arena wird also mit Gesamtkosten in Höhe von rund 2,4 Millionen Euro genehmigt. Jörg Sigmund von Freiraumplanung Sigmund Landschaftsarchitekten stellte bereits im Technischen Ausschuss die Pläne vor und legte die Gründe für die kostenintensive Sanierung dar. Da stießen die Pläne größtenteils auf Zustimmung. Nun stellte er sich noch mal dem gesamten Gemeinderat, der wiederum extrem geteilter Meinung war.

FDP-Fraktion geteilter Meinung

Bei der FDP herrschte sogar innerhalb der Fraktion Uneinigkeit über die Sinnhaftigkeit der Erneuerung zu diesem Zeitpunkt. „Die Notwendigkeit einer Sanierung des Kunstrasenplatzes ist unbestritten. Die Frage ist, ob dies jetzt oder aus finanziellen Gründen erst später geschieht“, äußerte sich Fraktionschef Dietmar Foth.

Die Gegner des Beschlussantrages in seiner Fraktion sähen den Vorrang bei den vielen unerfüllten Pflichtaufgaben, „für die laut Verwaltung kein Geld da ist“. Auch hätten sie sich mehr Eigenengagement der TSG Fußball gewünscht.

Die Befürworter – dazu zählte sich auch Foth – „geben der Unausweichlichkeit der Sanierung den Vorrang“. Der Platz werde sehr stark, gerade von Jugendlichen genutzt.

Grüne und Freie Wähler auch skeptisch

Auch Grüne und Freie Wähler äußerten ihre Skepsis zur Erneuerung zum jetzigen Zeitpunkt. Erwin Feucht (Grüne): „In Balingen besteht ein erheblicher Investitionsstau, der nicht ignoriert werden kann. Unsere Schulen und Kitas benötigen dringend Sanierungsmaßnahmen.“

Dazu bemängelten die Grünen, keine ernsthafte Alternative zur aktuellen Beschlussvorlage erhalten zu haben und machten sogleich einen Vorschlag: „Wir halten es für denkbar, eine Erbpacht mit der TSG Fußball in Betracht zu ziehen, verbunden mit einem einmaligen verlorenen Zuschuss. In diesem Szenario könnte der Platz in Eigenverantwortung saniert werden“, so Feucht.

Freie Wähler und die SPD verwiesen zudem auf die anstehende Sportstättenkonzeption und wollten aufgrund der gebotenen Fairness auf die Ergebnisse warten, bevor ein Verein in Balingen einen neuen Platz bekommt und andere warten müssten.

Sanierung fällt umfangreich aus

Stadtverwaltung und CDU sind sich hingegen einig, dass dies nicht zielführend sei, da die Konzeption auch zu keinem anderen Ergebnis kommen würde. Die AfD-Fraktion schloss sich dieser Meinung an und plädierte dafür, gleich mit der Sanierung zu beginnen.

Der Start der Bauarbeiten könnte noch in diesem Jahr erfolgen. Zwar muss mit einer Zwangspause aufgrund der Witterung im Winter gerechnet werden, aber im dritten Quartal 2026 könnte der neue Kunstrasen fertiggestellt werden.

Die umfangreicheren Sanierungsmaßnahmen sind zwar mit höheren Kosten verbunden, man verspreche sich dadurch allerdings einen homogenen Aufbau, der ein multifunktionales, modernes Sportfeld bietet – Hochwasserschutz und bessere Barrierefreiheit eingeschlossen, äußerte sich Sigmund bereits zuvor im Ausschuss.

Der Rasen selbst fällt am Ende ebenfalls etwas teurer aus, da die Halmhöhe künftig ein wenig höher aus dem Boden ragt. „Somit bieten wir optimale Trainingsmöglichkeiten für die Fußballer, aber auch für die American-Football-Abteilung, die ebenfalls dort trainieren wird“, informierte der Planer.

Am Ende wurde die Erneuerung mit 17 Ja-Stimmen und 16 Nein-Stimmen beschlossen.