Jonas Beiter vom RV Trillfingen hat sich im Kunstradfahren in der Weltspitze etabliert. Foto: Kara

Jonas Beiter beherrscht das Rad wie ein Künstler: mit seinen anspruchsvollen Elementen zählt der 22-Jährige vom RV Germania Trillfingen im 1-er der Männer zur Weltspitze.

Für die meisten Menschen ist das Fahrrad bloß ein Fortbewegungsmittel. Für Jonas Beiter aus Höfendorf, einem Ortsteil der Gemeinde Rangendingen im Zollernalbkreis, ist es weit mehr: sein Instrument, auf dem er Kunst vollführt, zu der andere nicht einmal ohne Rad in der Lage wären. Seit er mit acht Jahren zum ersten Mal auf ein Kunstrad stieg, hat der heute 22-jährige Tübinger Physikstudent eine bemerkenswerte Laufbahn aufgebaut: Schritt für Schritt, Drehung für Drehung.

 

Deutscher Vizemeister und Zweiter im Weltcup

In Lübbecke (Nordrhein-Westfalen) krönte er sich im Herbst dieses Jahres zum Deutschen Vizemeister im 1er-Kunstradfahren der Elite und belegte zudem Platz zwei in der Gesamtwertung der UCI-Weltcups. Geschlagen wurde er jeweils nur von seinem Nationalmannschaftskollegen, Weltmeister Philipp-Thies Rapp (RSV Tailfingen), – ebenfalls ein Ausnahmekönner aus dem Zollernalbkreis.

Vom Einrad geht es auf das Kunstrad

Als Kind rutschte Jonas Beiter in der Schule zufällig ins Einradfahren hinein. Ein paar Wochen probierte er sich aus: vorwärts, rückwärts und kleine Tricks. Doch bald merkte er: Das reicht mir nicht. Kurz darauf entdeckte er das Kunstradfahren und fand seine wahre Leidenschaft. „Das hat mich einfach viel mehr angesprochen“, sagt Beiter. Und so wechselte er als Achtjähriger in die Sporthalle zum RV Germania Trillfingen: ein Schritt, der sein Leben prägen sollte. Aus dem spielerischen Ausprobieren wurde systematisches Training. Mit 22 Jahren, zählt Jonas Beiter zur deutschen Spitze. Dreimal pro Woche trainiert er in der Halle, dazu kommen tägliches Dehnen, Handstandtraining sowie Ausdauer- und Kraftblöcke. Vor Meisterschaften intensiviert er sein Pensum noch einmal deutlich. Als Ausgleich widmet er sich, wann es die Zeit erlaubt, dem Luftgewehrschießen. „Manchmal muss man sich überwinden, aber ich weiß: Wenn ich’s heute nicht mache, bereue ich’s morgen“, sagt er. Die Motivation kommt aus dem Ziel, schwierige Übungen irgendwann sauber fahren zu können und aus dem Wissen, wie viel Arbeit dahintersteckt. Ein einfaches Hobby ist Kunstradfahren nicht. Neben Studium und Alltag stemmen Beiter und seine Familie ein Trainingspensum, das andere für einen Vollzeitjob halten würden. Seine Mutter und Trainerin Claudia Beiter, erinnert sich an die ersten Jahre: „Man rutscht da rein. Erst fährst du einmal die Woche mit, dann zweimal, dann dreimal.“

Mutter und Trainerin Claudia Beiter ist immer dabei

Heute begleitet sie ihn noch immer regelmäßig ins Training, fährt zu Kaderlehrgängen, unterstützt, hält, sichert – und staunt manchmal selbst darüber, wie viel Zeit das alles frisst. „Aber wir sind stolz. Er zieht das durch, und das ist Wahnsinn.“ Jonas Beiters Entwicklung kommt nicht von ungefähr. Er trainiert im Landes- und Bundeskader, profitiert vom Know-how seiner Trainer in Trillfingen, Tailfingen und Albstadt. Besonders hervorzuheben sind Renate Beck, Leiterin der Sparte Kunstradfahren (RV Trillfingen) und Bundestrainer Dieter Maute, selbst fünffacher Weltmeister, der auch Vereinstrainer beim RSV Tailfingen ist. „Dieter Maute ist eine Koryphäe und Glücksfall als Trainer. Er ist ein absoluter Experte im Kunstradsport, kennt ihn wie kaum ein anderer und bringt unglaublich viel Erfahrung mit: davon kann man nur profitieren“, sagt Beiter.

Gesunder Konkurrenzkampf mit Weltmeister Philipp-Thies Rapp

Auch der Austausch mit Nationalmannschaftskollege Philipp-Thies Rapp (RSV Tailfingen), gleichzeitig Freund und stärkster Konkurrent, treibt ihn an. „Wir geben uns Tipps, pushen uns. Das motiviert.“ Seine nächsten Ziele hat Jonas Beiter klar vor Augen: anspruchsvolle Übungen wie die freie Stützwaage oder den Mautesprung, entwickelt vom Bundestrainer. Beim Mautesprung springt man vom Sattel in den Frontlenkerstand: Elemente, die nur absolute Topfahrer meistern. Langfristig strebt er eine feste Position im deutschen WM-Team an. „Jetzt, wo ein Platz frei geworden ist, will man da mitreden“, sagt er.

„Wenn es Spaß macht, dranbleiben“

Trotz aller Härte empfiehlt Beiter jungen Sportlerinnen und Sportlern, es einfach auszuprobieren. „Wenn es Spaß macht, dranbleiben. Auch durch Tiefphasen.“ Denn Kunstradfahren, das weiß er inzwischen, ist weniger ein Sport, sondern ein langer Weg aus Geduld, Präzision und Leidenschaft.