Ulrike Groos ist Direktorin des Kunstmuseums Stuttgart Foto: Gerald Ulmann

Das Kunstmuseum Stuttgart ist bis Frühjahr 2027 geschlossen. Wie läuft die Sanierung an? Welche Pläne gibt es für die Zukunft? Direktorin Ulrike Groos gibt Antworten.

2005 eröffnet, muss das Kunstmuseum Stuttgart umfassend energetisch saniert werden. Aber auch die gesamte Elektronik wird erneuert, zudem will man älteren Wasserschäden nachspüren. Wiedereröffnung soll Ende März 2027 sein. Wie sieht Direktorin Ulrike Groos die Situation?

 

Frau Groos, kahle Wände, leere Räume, wie ist es so für Sie in „Ihrem“ Kunstmuseum?

Das ist natürlich ein ungewohnter Anblick, so sieht man die Ausstellungsräume selten. Ganz neu ist uns eine solche Situation allerdings nicht: 2011 haben wir für die Ausstellung von Michel Majerus die Sammlungsräume vollständig leer geräumt, um seine großformatigen, raumgreifenden Installationen dort zeigen zu können. Damals sind wir mit der Sammlung in den Kubus ausgewichen.

So war der Blick in das Kunstmuseum Stuttgart zuletzt. Im Vordergrund: Michel Majerus’ „gold“ Foto: Gerald Ulmann/Michel Majerus Estate/Neugerriemschneider, Berlin

Sind die (Sanierungs-)Arbeiten im Zeitplan? Gab es bereits bei den ersten Kabelschächten Überraschungen?

Ja, wir liegen bislang gut im Zeitplan. In der kommenden Woche wird die Baustelle eingerichtet, dann beginnt die eigentliche Phase der Arbeiten.

Wann denken Sie eigentlich über die „Neubespielung“ nach? Wie muss man sich das vorstellen? Auch im bewusst strittigen Teamdialog wie machen wir es?

Die Planungen für die „Neubespielung“ der Sammlung sind bereits in vollem Gange und in vielen Bereichen auch schon sehr konkret. Man kann sich das als kontinuierlichen Aushandlungsprozess vorstellen, der keineswegs linear verläuft. Wir Kurator:innen bringen dabei unterschiedliche Ideen und Ansätze ein und entwickeln sie gemeinsam weiter. Einzelne Setzungen werden vertieft, andere neu gedacht, sodass die Präsentation im Austausch nach und nach an Kontur gewinnt. Gerade dieses sorgfältige Abwägen von künstlerischen Positionen, Konstellationen und inhaltlichen Zusammenhängen führt am Ende dazu, dass die Werkauswahl nicht nur stimmig ist, sondern später auch in den Ausstellungsräumen wirklich trägt und überzeugend funktioniert.

Ein Wiedereinzug wird durch Überraschungen noch mal so schön. Dürfen wir uns denn eventuell gar auf Premieren freuen?

Man darf sich auf einige Überraschungen einstellen. Es werden insbesondere Werke aus der Sammlung gezeigt, die viele Jahre im Depot verblieben sind und von denen einige derzeit für die Präsentation restauriert werden. Hinzu kommen Schenkungen und Ankäufe der vergangenen Jahre. Zu sehen sein werden unter anderem Arbeiten von Michael Buthe, Mario Merz, Walter Stöhrer, Karin Sander und Ulla von Brandenburg sowie erstmals in der Sammlung des Kunstmuseums Werke von Hanna Nagel.

2025 feierte das Kunstmuseum Stuttgart sein 20-jähriges Bestehen mit einem Besucherrekord Foto: Gerald Ulmann

Das Kunstmuseum ist zu und doch offen – der Hinweis „Kunstgebäude“ sorgt jedoch immer wieder für Nachfragen. Überrascht Sie das?

Der vertraute Museumsstandort ist derzeit geschlossen, die Ausstellung findet an einem anderen Ort statt. Dass es da zu Nachfragen kommt, ist ganz normal.

Im Kunstgebäude zeigen Sie die ambitionierte Themenausstellung „Das kalte Herz“ – wie ist die Resonanz?

Die Ausstellung „Das kalte Herz“ ist gut angelaufen und wird positiv aufgenommen. Wir haben stets ein sehr aufgeschlossenes Publikum, das sich mit großer Neugier auf die Inhalte einlässt – was keineswegs selbstverständlich ist. Darüber freuen wir uns sehr, und auch, dass zusätzlich ganz andere Besucherinnen und Besucher kommen, die das besondere Thema interessiert.