Nur noch wenige Tage kann man die Schätze im Kunstmuseum Stuttgart bestaunen – dann schließen sich die Türen. Was passiert in dem zum Stadttreff gewordenen Museum?
Der Countdown läuft – am Sonntagabend, 12. April, schließt das Kunstmuseum Stuttgart – für rund ein Jahr! Die Wiedereröffnung ist erst irgendwann im ersten Quartal 2027 geplant. Was geschieht am Schlossplatz in der Zwischenzeit in den Stockwerken des Glaskubus und in den Sammlungsräumen, die zum Teil unter dem Kleinen Schlossplatz liegen?
Wir haben nachgefragt. Das Kunstmuseums-Team hat Informationen aus allen Bereichen zusammengetragen.
Was ist aktuell im Kunstmuseum Stuttgart zu sehen?
Noch bis zum 12. April kann man die Sammlungsräume des Kunstmuseums Stuttgart am Schlossplatz entdecken. Parallel zu sehen sind die Sonderausstellungen „Prägungen und Entfaltungen“ auf den drei Stockwerken des Kunstmuseum-Kubus mit Werken von Rolf Nesch, Nadira Husain und Ahmed Umar sowie „Haltung bewahren“ mit Arbeiten von Romane Holderried-Kaesdorf. Mehr noch aber: Es locken auch die Übersicht „20 Jahre Frischzelle“ mit Werken junger Künstlerinnen und Künstler sowie eine feines Panorama mit Arbeiten des einst an der Stuttgarter Kunstakademie lehrenden New Yorker Konzeptkunst-Stars Joseph Kosuth. Kurz – Ostern und die Tage danach kann man in ständiger Spannung im Kunstmuseum Stuttgart erleben.
Bleibt das Kunstmuseum Stuttgart während der Sanierung präsent?
Von 18. April an zeigt das Kunstmuseum Stuttgart in den sanierten Räumen des Kunstgebäudes am Schlossplatz die Themenausstellung „Das kalte Herz“. Die Schau, heißt es vorab, stellt das Märchen „Das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff (1802–1827) erstmals in den Kontext zeitgenössischer Kunst. Eröffnung ist am Freitag, 17. April, um 19 Uhr.
Wie geht die Sanierung des Kunstmuseum los?
Von 13. April an beginnen die Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen des Kunstmuseums zunächst mit dem Abbau der Ausstellungen mit Leihgaben, also „Prägungen und Entfaltungen“ und „Romane Holderried Kaesdorf“. Die Rückgabe externer Werke hat Priorität, da Leihverträge zeitlich gebunden sind.
Und wie geht es weiter?
Anschließend folgt der Abbau der Ausstellungen mit Werken aus der eigenen Sammlung sowie der Dauerausstellung auf Ebene 0 und -1. Die Bestände werden verpackt und in die Depots des Museums ausgelagert. Nach der vollständigen Räumung des Museums wird das Gebäude am 4. Mai an das Hochbauamt der Landeshauptstadt Stuttgart übergeben. Daraufhin wird auf der Basis der umfangreichen Voruntersuchungen die Baustelle eingerichtet und der Rückbau veralteter technischer Anlagen durchgeführt, etwa des Beleuchtungssystems und einzelner Komponenten der Gefahrenmeldeanlage. Im nächsten Schritt beginnt die technische und bauliche Sanierung. Dazu gehören die Erneuerung der gesamten Beleuchtung auf LED-Technik, die Modernisierung der Steuerungssysteme, die Installation moderner Gefahrenmelde- und Sicherheitstechnik sowie die Sanierung der Leitungen für die Regenentwässerung des Kleinen Schlossplatzes.
Was meint „technische Sanierung“ genau?
Im Vordergrund steht die Modernisierung der technischen Anlagen. Seit dem Bau des Kunstmuseums Stuttgart Anfang der 2000er-Jahre haben sich die technischen Infrastrukturen für Museen erheblich weiterentwickelt, insbesondere im Hinblick auf Energieeffizienz. In allen Ausstellungsräumen, Depots, Fluren und Technikbereichen wird die Beleuchtung auf LED-Technik umgestellt und die Steuerungssysteme erneuert. Die Sicherheitsinfrastruktur wird modernisiert: Gefahrenmeldeanlagen auf den neuesten Stand gebracht und zusätzliche Kameras installiert. Hierfür müssen Wände geöffnet werden, um Netzwerkkabel zu verlegen. Auch für die Sanierung der Leitungen zur Regenentwässerung des Kleinen Schlossplatzes, die durch die Ausstellungsräume auf Ebene 0 verlaufen, sind Öffnungen der Wände und Decken unvermeidlich – im buchstäblichen Sinn bedeutet das einen größeren Aufriss.
Gibt es auch Kunstwerke, die dessen ungeachtet an ihrem Ort bleiben können oder müssen?
Dieter Roths „Gartenzwerg“ von 1972 befindet sich seit 2006 in Raum 18 an Ort und Stelle, und wird auch jetzt dort bleiben müssen, denn er darf aus konservatorischen Gründen nicht bewegt werden. Der Gartenzwerg in zwischenzeitlich sehr brüchigem Schokoladenmantel wird während der Bauzeit „eingehaust“, das heißt die Plexiglasvitrine, in der sich das Kunstwerk befindet, wird mit einer massiven Holzverkleidung versehen.
Und was ist mit Wolfgang Laibs „Wachsraum“?
Tatsächlich ist der „Wachsraum“ von Wolfgang Laib seit 2005 dauerhaft im Untergeschoss des Museums installiert. Weltweit gibt es nur sieben dieser mit Bienenwachsplatten ausgekleideten Räume, die ein vielfältiges Sinnes-Erlebnis ermöglichen. Der Zugang zum Raum wird während der Bauarbeiten vollständig verschlossen, sodass das Kunstwerk geschützt bleibt.
Kunstmuseums-Star „Anita Berber“ geht nach Berlin
Und Sammlungsschätze wie Otto Dix’ „Großstadt“-Triptychon kommen tatsächlich ins Depot? Oder werden sie andernorts zu sehen sein?
Die meisten Werke werden in den Depots eingelagert. In der Ausstellung „Das kalte Herz“ im Kunstgebäude am Schlossplatz werden einige Werke aus dem Sammlungsbestand gezeigt. Wichtig ist: Der Leihverkehr wird während der Schließzeit wie gewohnt fortgeführt. So ist etwa Otto Dix’ „Bildnis der Tänzerin Anita Berber“ schon bald in der Ausstellung „Ruin und Rausch. Berlin 1910–1930“ in der Neuen Nationalgalerie in Berlin zu sehen.
Wie viele Werke der Sammlung sind in Präsenz jetzt zu sehen, wie viele nach der Sanierung?
Derzeit sind in der Sammlungsausstellung rund 300 Werke aus dem eigenen Bestand zu sehen. Nach der Sanierung wird diese Zahl weitgehend beibehalten.
Kunstmuseums-Wiedereröffnung Anfang 2027 geplant
Kehren Werke an ihre „angestammten“ Plätze zurück?
Mit der Wiederöffnung des Kunstmuseums Stuttgart im 1. Quartal 2027 ist eine vollständige Neuhängung der Sammlung vorgesehen, die die Werke in einem überarbeiteten Ausstellungskonzept neu in Szene setzt und sowohl inhaltlich als auch räumlich frische Perspektiven bietet. Nur wenige Kunstwerke kehren an ihre „angestammten“ Plätze zurück. Das angesprochene Triptychon „Großstadt“ und Thomas Grünfelds besonders bei Kindern beliebte Tiermischwesen – soviel sei verraten – werden wieder an ihren bekannten Standorten im Museum zu sehen sein.
Kann man die Sanierungsarbeiten digital verfolgen?
Gelegentliche Einblicke in die Sanierungsmaßnahmen werden voraussichtlich über die Social-Media-Kanäle des Kunstmuseums geteilt – sofern es der Ablauf der Bauarbeiten zulässt. In welchem Umfang dies möglich sein wird, wird sich zeigen.