90 Jahre alt, hellwach und agil – der Sammler Gerhard Hartmann Foto: Carstensen

Mit der Ausstellung "Ein Universum moderner Druckgrafik" setzt das Kunstmuseum Albstadt die Reihe von Veranstaltungen fort, die unter dem Motto "Big Bang" stehen. Sie würdigt das Wirken des Sammlers Gerhard Hartmann.

Albstadt-Ebingen - Die Ausstellung, die am Sonntag, 26. Juni, eröffnet wird, schöpft aus dem Fundus der Sammlung Gerhard und Brigitte Hartmann, die ein Grundpfeiler des Albstädter Kunstbestandes ist. Gerhard Hartmann, der am 2. Januar 90 Jahre alt wurde, begann 1946 eine Lehre als Schriftzeichner und studierte von 1952 bis 1955 Gebrauchsgrafik an der Kunstakademie Karlsruhe. Bereits in dieser Zeit erwarb er druckgrafische Arbeiten, als erste 1953 eine expressionistische Lithografie des Erich-Heckel-Schülers Roland Neuer – es war der "Big Bang", mit dem der Aufbau einer bedeutenden Kollektion moderner und zeitgenössischer Kunst seinen Anfang nahm.

Sammlung umfasst 4500 Werke

Nach der Familiengründung unterbrach Hartmann seine Sammeltätigkeit vorübergehend; 1975 nahm er sie zusammen mit seiner Frau Brigitte wieder auf. Seither haben die Beiden Werke aus so gut wie allen europäischen Ländern erworben und eine Sammlung aufgebaut, deren Anspruch es ist, das internationale Kunstgeschehen ihrer Zeit möglichst universell wiederzugeben, und in der sowohl die Gegenständlichkeit als auch die Abstraktion ihren festen Platz haben. Sie umfasst über 4500 Werke, zum größten Teil Druckgrafik, darunter zahlreiche Unikat-, Probe- und Zustandsdrucke, Blätter in experimentellen Techniken, Großformate und Mappenwerke. Ausstellung und Katalog vermitteln einen repräsentativen Eindruck davon; sie dokumentieren ein breites Spektrum, das vom augentäuschenden Realismus über das Informel bis zu den Tierdarstellungen aus der Spezialsammlung von Brigitte Hartmann stammen.

Stoni D jazzt bei der Vernissage

Die Vernissage der neuen Ausstellung beginnt am Sonntag um 14 Uhr; einer Begrüßung durch den Ersten Bürgermeister Udo Hollauer folgt eine Führung von Museumsdirektor Kai Hohenfeld und der wissenschaftlichen Assistentin Melanie Löckel durch die gemeinsam kuratierte Schau. Für den musikalischen Rahmen sorgt Sänger und Gitarrist Stoni D mit jazzigen Interpretationen von Titeln Frank Sinatras und etlicher Blues-Legenden. Am Eröffnungstag ist der Eintritt frei; die Ausstellung kann bereits ab 11 Uhr besichtigt werden.

Der erste "Big Bang" wirkt nach

Die ganz auf Bildung und Vermittlung ausgerichtete Veranstaltungsreihe "Neue Welten im experimentellen Druck", mit der die "Big-Bang"-Reihe ihren Anfang nahm, wird übrigens parallel zur Ausstellung fortgesetzt – mit Workshops für alle Altersgruppen, etwa in den Techniken Radierung, Linolschnitt und Monotypie. Hinzu kommen Veranstaltungen mit kunsthistorischem Schwerpunkt: Neben den regulären Führungsterminen hält Ralf Michael Fischer am Mittwoch, 13. Juli, einen Vortrag über die "documenta fifteen", und Kai Hohenfeld demonstriert im Rahmen eines dreiteiligen "Workshops Kunstbetrachtung", der am 6., 13. und 20. September stattfindet, vor Originalen, wie man Kunst anschaut und darüber spricht. Anmeldungen, sowohl für die Eröffnung als auch für die Workshops und Vorträge, werden unter der Telefonnummer 07431/160-1491, zu den Öffnungszeiten auch unter der 160-1493, sowie über die E-Mail-Adresse kunstmuseum@albstadt.de entgegen genommen.