Die Kunstkolonie Lörrach präsentiert sich in Rheinfelden (von links): Susanne Stolz, Veronika Panzer, Brigitte Brumunt, Petra Gallo und Sabine Stolz. Foto: Jürgen Scharf

Der Titel der Ausstellung „5 mal anders“ der Kunstkolonie Lörrach in Rheinfelden ist Programm: Fünf Frauen, fünf Temperamente, fünf Stile.

Künstlerkolonien wie die berühmte in Worswede, zu denen auch die Malerin Paula Modersohn-Becker gehörte, oder die Mathildenhöhe Darmstadt, wo die expressionistische Bildhauerin Emy Roeder und die Gartenarchitektin Ester Claesson zu den wenigen Frauen zählten, waren oftmals die einzigen Orte, an denen sich Künstlerinnen entfalten konnten.

 

Schon vom Namen her erinnert also die „Kunstkolonie Lörrach“ an diese Lebens- und Arbeitsgemeinschaften des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Diese Kunstorte, obwohl großteils von Männern dominiert, waren für die Frauen dieser Zeit eine Möglichkeit, sich künstlerisch zu betätigen, denn das Studium an Akademien blieb ihnen lange verwehrt.

Sabine Stolz, der Gründerin und Initiatorin der „Kunstkolonie Lörrach“, ist es ein großes Anliegen, Frauen in der Kunst eine gemeinsame Plattform zu verschaffen, „ohne das Haifischbecken Kunst“. „Wir sind fünf Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten“, sagt Sabine Stolz, die auch Vorsitzende der Künstlervereinigung Bildpunkt Brombach und Mitorganisatorin des Kunstforums Brombach ist.

Kunst ohne Ellbogendenken und Konkurrenzgefühle

Der Malerin und Lehrerin aus Hauingen schwebte eine Gruppe nur für künstlerisch tätige Frauen vor, die sich „ohne Ellbogendenken“ und Konkurrenzgefühle austauschen und gemeinsam ausstellen können. „Wir stehen mit beiden Beinen kraftvoll im Leben, setzen uns kreativ und optimistisch für unsere Ziele ein und sind unerschrocken und humorvoll bei der Sache.“ So beschreibt sie die fünf Künstlerinnen aus Lörrach und Weil am Rhein, die sich 2022 zu der Gruppe zusammengeschlossen haben.

Neben Sabine Stolz sind dies Brigitte Brumunt, Petra Gallo, Susanne Stolz und Veronika Panzer. Zurzeit zeigen sie in der Rathausgalerie Rheinfelden eine Auswahl ihrer Bilder und Collagen. Mit dem großzügigen Ambiente an diesem Ort sind sie sehr glücklich. Es ist für die Gruppe die erste große öffentliche Ausstellung nach einer Werkschau in einer Gemeinschaftspraxis in Weil am Rhein.

Alle fünf Frauen kommen aus verschiedenen Berufen, haben unterschiedliche Lebenswege, künstlerische Ausbildungen, Stile und Techniken in ihren Bildern. Gerade diese Vielfalt mache die Gruppe aus, findet Sabine Stolz. Jede aus dem „Fünferpack“ male für sich im heimischen Atelier, jede habe künstlerisch ihre eigene Handschrift, aber bei gemeinsamen Treffen komme es zum regen Austausch. Man bespreche die Bilder in entspannter Runde, gebe sich gern gegenseitig Tipps und Ratschläge, besuche auch mal gemeinsam Kunstausstellungen und Museen.

Sabine Stolz, die sich während des Kunststudiums mit dem Thema Künstlerkolonien beschäftigte, kommt vom Grafischen her. Sie hat mit vielen Techniken und Malmitteln experimentiert und ist längst in der Acrylmalerei angekommen. Im Moment ist sie gegenständlich und „im naiven Stil“ unterwegs, wie sie es nennt. In der Ausstellung sieht man von ihr farbexpressive Frauenporträts, ausdrucksvolle Gesichter mit sprechenden Augen.

Mitglieder haben verschiedene Werdegänge

Ihre Schwester Susanne Stolz ist vom Material Papier fasziniert und gestaltet fantasievolle Karten. Neuerdings hat sie großformatige Collagen mit assoziationsreichen Formen und figürlichen Motiven geschaffen, darunter Frauenköpfe wie die originelle „Mona Lisa“-Version.

Für Petra Gallo, im Hauptberuf Geschäftsführerin eines Lörracher Handwerksbetriebs, ist das Arbeiten mit Farben eine Ergänzung zur Berufswelt. In ihren abstrakten Bildern lässt sie in sogenannter „Acryl-Pouring“-Technik im Fluss der Farben freie Formen entstehen. Eine andere Seite von ihr sind poetische Origami-Faltungen.

Veronika Panzers Arbeiten sind farbig, vielschichtig und abstrakt, teils noch mit angedeuteten gegenständlichen Formen. Für sie ist das Malen Entspannung und Loslassen, aber auch die Möglichkeit, innere Stimmungen und spielerische Fantasie auszudrücken.

Brigitte Brumunt, die schon mehrfach in der Galerie Hanemann in Ötlingen ausgestellt hat und wie auch Sabine Stolz mit Fassadenbildern im „ART-Dorf“ Ötlingen präsent ist, überzeugt mit abstrakten Landschaften im Licht, Felsen- und Brandungsbildern. Ihre Werke zeichnen sich durch Leichtigkeit, Experimentierfreude und lichte Töne aus.

„Die Künstlerinnen zeigen ihre Werke bewusst in einem gemeinsamen Kontext, inspirieren sich gegenseitig und verfolgen dabei ihre ganz eigenen künstlerischen Wege“. Dies betonte die Kunsthistorikerin Lenita Claassen vom Kulturamt Rheinfelden bei der Eröffnung der Ausstellung. In diesem Geist knüpfe die Gruppe an die bedeutende Geschichte der einst blühenden Künstlerkolonien an.

Die Ausstellung der Kunstkolonie Lörrach in der Rathausgalerie Rheinfelden, Kirchplatz 2, ist bis 6. März zu sehen.