Blühende Innenstadt, regionales Handwerk und ein neues Gesicht für die Stadt: Nagold feiert ein Wochenende der Begegnung und Innovation.
Es gibt Wochenenden, an denen die Zeit in Nagold langsamer zu fließen scheint, während das Herz der Stadt umso schneller und lebendiger schlägt. Wer am Wochenende durch die Innenstadt schlenderte, atmete nicht nur den Duft von frischer Erde und Blüten ein – er wurde Teil eine Atmosphäre ein, die das „Wow“ der Moderne mit dem „Wir“ einer langen Tradition verschmolz. „Nagold an sich ist immer ein Wow-Moment“, schwärmte ein Besucher passend zum neuen Slogan der Stadt, während die City zwischen Keramika, Bauernmarkt und Foodtrucks zu einem Fest für alle Sinne und Geschmäcker wurde.
Mehr als 100 Aussteller verwandelten die Flaniermeile in ein „Wohnzimmer unter freiem Himmel“. Dass dieses grüne Refugium gerade in Zeiten des Klimawandels neue Wege braucht, zeigten die Experten vor Ort: Während Gärtner Karl-Josef Raible die Dipladenia als hitzebeständigen Trendsetter krönte, präsentierte Sven Hähn (SH Bewässerungstechnik) moderne Lösungen für den bewussten Umgang mit Ressourcen und den Erhalt der grünen Oasen. Von der kleinen Schere bis zum Rasentraktor der Firma Renz wurde deutlich: Gartenpflege ist in Nagold ein großes Thema. Auch der Nutzgarten feiert ein Comeback; alles, was man selbst anbauen kann, steht hoch im Kurs.
Diese kreative Bodenständigkeit und praktische Erfindergeist spiegelte sich auch im Kunsthandwerk wider. Ob wetterfeste Filzfiguren von Cornelia Pikal, die dank natürlichem Lanolin jedem Regen trotzen, oder die meditative Keramikkunst von Carmen und Eugen Niethammer – hier wurden Handwerk und Nachhaltigkeit spürbar. „Keramik ist Erde, ein Naturprodukt – genau wie der Garten selbst“, so das Paar.
Neue Stadtmarke wird feierlich auf dem Vorstadtplatz enthüllt
Dieses tiefe Verständnis für Material schlug die Brücke zum emotionalen Höhepunkt am Vorstadtplatz: der Enthüllung der neuen Stadtmarke. Das organische „N“, dessen geschwungene Form exakt den Flussläufen und Tälern rund um den Schlossberg nachempfunden ist, wurde als dreidimensionale Skulptur greifbar.
Die Entstehung der Skulptur ist dabei selbst ein Zeugnis Nagolder Mut: Als Siegfried Katz, dessen Manufaktur bald 100. Jubiläum feiert, dem Oberbürgermeister Jürgen Großmann von seiner Tradition erzählte, erkannte dieser sofort die Chance.
In einer eifrigen „Hauruck-Aktion“ ließ die Stadt das neue Logo von Katz und dem Schlosserbetrieb Rau aus Stahl und Weidengeflecht als echtes Unikat erschaffen. „Man kann hindurchschauen – wir schotten uns nicht ab, sondern werfen den Blick nach außen“, erklärte Katz das „Chaos-Geflecht“, das für Vernetzung und Toleranz steht. „Das passt zu Nagold.“
Dieser Blick nach außen wurde durch die Gäste an der Seite von Oberbürgermeister Jürgen Großmann lebendig. Mit Vincent Hamen (Bürgermeister Longwy), Peter Bohinec (Bürgermeister Jesenice) und Brahim Bdeba (Bürgermeister Atar/Mauretanien) wurde Nagold als dynamische Weltbürger-Stadt sichtbar.
„Nagold hat den Mut, immer wieder neue Wege zu gehen“, betonte Großmann im Gespräch mit der Redaktion. Das Logo ist Ergebnis eines zweijährigen Prozesses einer Strategiegruppe um Marina Bley (Stadtmarketing) und Saskia Gärtner (City Verein), unterstützt von globalen Playern wie unter anderem Rolf Benz oder Wackenhut, sowie lokalen Einzelhändlern. „Nagold sind wir alle“, resümierte Bley sichtlich bewegt über den frischen Auftritt, der die Vielfalt der Stadt in hellen Farben widerspiegelt.
Bei der Pflanzaktion werden neue und alte Töpfe direkt bestückt
Wie stark dieses „Wir“ gelebt wird, bewiesen die Aktionen im Zentrum. Bei der Pflanzaktion des Baubetriebshofs unter Tobias Volz durften die Besucher direkt Hand anlegen und ihre mitgebrachten oder vor Ort bemalten Töpfe mit gespendeter Erde und neuen Pflanzen bestücken. „Jeder soll die Chance haben, unsere Stadt gemeinsam zu verschönern“, erklärte Volz.
Wer tiefer in die Materie eintauchen wollte, fand in der Weidenwerkstatt von Edith Killinger die nötige Inspiration für eigene Weiden-Unikate.
Für den herzlichen Service sorgte das Team der GWW (Gemeinnützige Werk- und Wohnstätten): Mit hölzernen „Balkonkastentaxis“ brachten Kyle Barry, Justus Vermeij und Joachim Fischer die schweren Kübel der Besucher sicher zum Parkplatz. „Das Motiv ist das Miteinander“, so das Team über das Engagement, das Inklusion und Nachbarschaftshilfe greifbar machte.
Während die riesige XXL-Blumenwand als Magnet für das perfekte Erinnerungsfoto lockte, sorgten die Walking-Acts „Flo & Florentinchen“ für Farbtupfer in der Menge. Zu den Melodien von Peter Weiß’ Akkordeon und dem Saxofon von Ralf Olbrich zeigte sich die Stadt an diesem Wochenende von ihrer besten Seite.
Am Ende blieb die Gewissheit, dass das neue Nagold-Gefühl bunt ist, kraftvoll an einem Strang zieht und der Frühling mit Stil, Herzlichkeit und einer klaren Vision für die Zukunft angekommen ist. „Das war wie ein Kurzurlaub“, schwärmte eine Besucherin erfreut über das Wochenende.