Gerhard Hanemann, Ötlinger Galerist, Künstler und Sportler, in einem seiner Ausstellungräume Foto: Siegfried Feuchter

Gerhard Hanemann aus Ötlingen ist ein vielseitiger Künstler, leidenschaftlicher Maler und Initiator der Freilichtgalerie „Art-Dorf“.

Ganz entspannt sitzt Gerhard Hanemann in seinem großen Atelier, zu dem lichtdurchflutete Ausstellungsräume in dem historischen Gebäude gehören. Es gibt kaum einen Tag, an dem sich der 73-Jährige nicht in seinem Atelier und seiner Kunstdruckwerkstatt aufhält, um zu malen oder sich anderweitig künstlerisch zu betätigen. Das ist seine Passion, Atelier und Ausstellungsräume sein kulturelles Refugium.

 

Wer sein Kunstdomizil betritt, der erkennt auf Anhieb die künstlerische Vielseitigkeit des Galeristen. Auf zwei Stockwerken präsentiert er seine zahlreichen Bilder in Acryl, Aquarell und Öl, großformatige und kleinere. Auch Kunstkarten-Sets hat er kreiert.

Und neuerdings haben es dem experimentierfreudigen, kreativen Maler, der auch jedes Jahr einen Kunstkalender gestaltet, Glasarbeiten mit LED-Beleuchtung angetan. Kunstlichtsäulen sind seine neuesten Werke. Bei einer Tasse Kaffee in seinen Kunst- und Werkräumen kann Gerhard Hanemann viele Geschichten zu jedem seiner farbenprächtigen Gemälde erzählen.

Initiator fürs Art-Dorf

Und wer durch das malerische Ötlingen spaziert, der erlebt eine Freilichtgalerie, die aufs Engste mit dem Namen Gerhard Hanemann verbunden ist. Er war der Initiator des Art-Dorfs mit seinen 90 Kunstwerken von 80 verschiedenen Künstlern aus Deutschland, Schweiz, Frankreich und Spanien. Ohne ihn gäbe es „diese wunderbare Einrichtung“ nicht, wie Oberbürgermeisterin Diana Stöcker jüngst die Freilichtgalerie bei der Eröffnung des Tages der Kunst nannte.

„Es hat wieder alles gepasst“, blickt der Initiator zufrieden auf diesen Präsentations- und Aktionstag zurück, der Hunderte Besucher von überall her nach Ötlingen lockte.

Idee aus den Abruzzen

2005 bei einem Urlaub in den Abruzzen, wo in dem italienischen Dorf Casoli großflächige Gemälde die Hauswände zieren, hatte sich Gerhard Hanemann inspirieren lassen. Mit seiner Idee, Ötlingen zur Freilichtgalerie zu machen, stieß er im Dorf und bei Künstlern in der Region sofort auf offene Ohren. Das Ergebnis seines Engagements und seiner Beharrlichkeit war 2007 die Eröffnung des „Art-Dorf“, das seither von überall her Leute anzieht – kunstaffine ebenso wie Leute ohne großen Bezug zur Malerei.

Busse aus München

Sogar mit Bussen aus München und andernorts kommen Besucher nach Ötlingen und sind begeistert. „Dass das Art-Dorf eine solche Erfolgsgeschichte wird, hätte ich nicht gedacht“, sagt der Initiator, der ein gutes Gespür dafür hat, welche Kunst wohin passt. Einigen Unterstützern bei der Pflege der Freilichtgalerie und beim Austausch von Kunstwerken ist er besonders dankbar: Günter Schoch, Hans-Peter Weiß, Rainer Lehmann, Monika Merstetter und Jürgen Näger.

Dass im Dorf auf dem Berg die Resonanz auf die Freilichtgalerie auf Anhieb so groß war, führt Gerhard Hanemann auf einen maßgeblichen Grund zurück: Die Ötlinger waren schon immer mit weit über das Dorf hinaus bekannten heimischen Künstlern und deren Arbeiten in Berührung gekommen. Stichwort: Hermann Daur, Karl Rösch und Hans Pfannmüller. Heute wohnen elf Künstler im Ort.

In Binzen aufgewachsen

Gerhard Hanemann, der in Binzen groß geworden ist und von Jugend an leidenschaftlich malt, ist gelernter Drucker. 30 Jahre betrieb der Vater von zwei erwachsenen Kindern und Opa eines Enkels in Ötlingen erfolgreich eine Druckerei, ehe er sie 2012 verkaufte und sich ganz dem künstlerischen Schaffen widmete.

Als Drucker hatte er schon immer mit Künstlern zu tun, die bei ihm Bücher haben drucken und ihn auch über ihre künstlerische Schulter haben schauen lassen. Dadurch gewann er Einblicke in deren kreative Prozesse und in Techniken.

Hobby Jiu-Jitsu

Neben der Kunst hat Gerhard Hanemann noch ein zweites Hobby: Er betreibt seit mehr als 50 Jahren Jiu-Jitsu, eine japanische Kampfsportart zur Selbstverteidigung. Und seit 30 Jahren ist der Träger des schwarzen Gürtels fünfter Dan, was ihn als Meister der Kampfkunst in Theorie und Praxis auszeichnet. Er ist zudem Trainer bei der TSG Ötlingen. Kunst und Sport verbinden eben auf vielfältige Weise Ästhetik und Athletik.