In der Galerie K3 in Königsfeld werden ab kommenden Samstag, 1. Februar, 43 besondere Bilder einer in Deutschland und Europa seltenen Kunstrichtung zu sehen sein. Die Ausstellung „Tusche in Bewegung“ der Sumi-e-Meisterin Nicole Reuther ist die erste ihrer Art in der Umgebung.
Die erste Ausstellung im neuen Jahr in der Galerie K3 ist eine ganz besondere: Japanische Tuschemalerei wird gezeigt. „Tusche in Bewegung“ von der Künstlerin Nicole Reuther wird ab diesem Samstag, 1. Februar, in Königsfeld ausgestellt. Der Aufbau der Ausstellung ist seit vergangenem Sonntag im vollen Gange und die letzten Vorbereitungen auf die Vernissage werden abgehakt.
Wie Nicole Reuther, die zuletzt lange in Baden-Baden gelebt hatte und nun in St. Georgen wohnt, ihre Leidenschaft für Tuschemalerei entdeckt hat, was diese Kunst überhaupt ausmacht, und wie sie sich schlussendlich für eine Ausstellung in Königsfeld entschieden hat, hat sie unserer Redaktion mitgeteilt.
Passion für Tuschemalerei
Die geborene Berlinerin ist selbst in einer Künstlerfamilie groß geworden. Kunst war also von klein auf ein Teil ihres Lebens. Ihre Faszination für die japanischen Kunst hat sie 2009 entdeckt, als sie auf einer Geschäftsreise in Japan war. Im Nationalmuseum in Tokyo habe sie erstmals die Tuschekunst gesehen, sagt sie. „Ich hab dort diese starken, expressiven Tuschearbeiten entdeckt und war dann wie verliebt. Ich hatte wirklich Herzrasen, bin aus dem Museum rausgegangen und wurde wie ein Magnet angezogen und sofort wieder rein. Dann wusste ich: Ich muss das lernen.“
Im selben Jahr begann sie in Berlin eine fünfjährige Ausbildung nach der Maruyama-Shijō-Schule. Darauf folgten Weiterbildungen sowie ein Philosophie-Studium, in dessen Master sie sich intensiv mit der Zen-Philosophie auseinandersetzte. Mittlerweile gehört sie zu den wenigen Tuschemeistern Europas. Seit etwa neun Jahren gibt sie ihr Wissen über die Kunst in Sumi-e-Kursen weiter. Manche Teilnehmer besuchen ihre Kurse seit Tag Eins.
Konzentration im Fokus
Die japanische Sumi-e-Malerei („Malen mit schwarzer Tusche“) zähle zu den Wegekünsten, wie auch Bogenschießen oder Aikido, in der Zen-buddhistischen Tradition, erklärt Reuther. „Es geht darum, dass wir bestimmte Bewegungsabläufe lernen, wie bei einem Kampfsport. In beidem gibt es Bewegungsgesten“, sagt sie und schiebt ihre Hand wie in einer Welle von sich weg.
Nahezu täglich malt die Berlinerin oftmals stundenlang Tuschebilder. Viele werden direkt nach dem Malen entsorgt, weil der eigentliche Gedanke der Kunst darin liegt, in genau dem Augenblick achtsam zu sein, in dem man malt. „Deswegen kann man auch kein Bild genauso ein zweites Mal malen. Weil man fünf Minuten später schon etwas völlig anderes fühlen kann und das ein neuer Augenblick ist“, erklärt die Sumi-e-Meisterin. „Es geht darum, sich in dem Augenblick einzufinden und ganz konzentriert zu sein.“ Das diene als Übung der Achtsamkeit.
Als erstes wird in der Sumi-e-Malerei prinzipiell immer schwarze Tusche verwendet. In der neueren japanischen Tuschemalerei werden oft bunte Aquarellfarben genutzt. Auch Reuther malt gerne mit Neonfarben. Jeder Strich sei mit einer Konzentration verbunden, meint die Künstlerin. „Wie im Yoga: In die Bewegung reingehen und aus ihr rausgehen. So mache ich jeden Strich. Und ich glaube auch, dass diese Geisteshaltung sich so zeigt.“
Rund um die Ausstellung
Werke Insgesamt werden 43 Bilder der japanischen Tuschemalerei in der Galerie gezeigt. Der Großteil der Werke sei seit dem vergangenem Herbst entstanden, teils auch im Januar diesen Jahres, teilt Reuther mit. Aber auch ältere Bilder aus 2018 finden im Rahmen der Ausstellung ihren Platz in der Galerie.
Vernissage
Eröffnet wird „Tusche in Bewegung“ am kommenden Samstag, 1. Februar, ab 15 Uhr durch Fritz Link, Bürgermeister von Königsfeld.
Öffnungszeiten
Ab dann ist die Galerie von Mittwoch bis Freitag, 13 bis 18 Uhr, geöffnet, und samstags und sonntags von 13 bis 16 Uhr.
Rahmenprogramm
Über die Kultur und Geschichte der japanischen Kunst hält Nicole Reuther am Donnerstag, 6. Februar, ab 18 Uhr einen Vortrag in der Galerie. Der Titel des Vortrags lautet: „Vom Japonismus zum gestischen Informel“. Im Rahmen der Ausstellung plant Galerist Alexander Höllwarth zudem, Yoga-Kurse anzubieten. So wie die Tuschemalerei verkörpert auch Yoga eine Achtsamkeit und Verbundenheit mit sich selbst.
Finissage
Konkret um die Künstlerin und ihre Werke geht es dann bei der Finissage, die am Sonntag, 2. März, ab 14 Uhr stattfindet. Hierbei ist auch ein Künstlerinnengespräch geplant.