Wer sagt, dass eine Kirche nur ein Platz für kontemplative Gebete und die Hinwendung zu Gott ist? Die Nikolauskirche in der Unterstadt soll fortan zu einem Ort werden, in dem Menschen mit Kultur, Bildung und der Schöpfung in Berührung kommen.
Bereits im vergangen Mai – da waren die Kirchenbänke noch in dem Gotteshaus drin – war die Nikolauskirche Schauplatz für ein außergewöhnliches Konzert mit experimenteller Musik. Jetzt eroberte sich die bildnerische Kunst das in seiner Urform um 1250 erbaute Gebäude.
Die von Klaus Drescher und Claudia Silvestri betriebene Kunstschule „Kunst am Turm“ traf dort am Samstag auf den von Lehrerin Judith Lenz geleiteten Leistungskurs „Kunst“ des Haigerlocher Gymnasiums. Eine spannenden Begegnung.
Beide Schwarzwald-Editionen erstmals vereint
Während Kinder, die an der Kunstschule unterrichtet werden, sich völlig in ihre Zeichen arbeiten vertieften, standen vor den beiden Seitenaltären die beiden von Klaus Drescher kreierten „Schwarzwald-Editionen“. Rechts in Schwarzwald-Tracht und Bollenhüte gewandete Tiere, links „Legenden“ wie Heinrich Isele („Lochheiri“), Josefa Schuler („Plattenwieble“) und Hans Thoma – zeitlebens seiner Heimatort Bernau treu verbunden und einer der bekanntesten und beliebtesten Maler Deutschlands Ende des 19. Jahrhunderts.
Leistungskurs zeigt Skulpturen aus Ytong-Steinen
Dazwischen Skulpturen und großflächige Bilder des Leistungskurses „Kunst“, der aus Calla Tausch, Marie Reichmann und Christopher Haid besteht, zu ihnen gesellte sich als künstlerischer Gast Hanno Wörz. In diesen Arbeiten hatte sie die thematischen Vorgaben „Abbild & Idee in Stillleben und Landschaft“ sowie „Verkörperung – von der Antike bis zum Bildhauer Antony Gormley“ umgesetzt.
Weitere Veranstaltungen stehen fest
Die gemeinsam von der Seelsorgeeinheit Eyachtal – Haigerloch St. Anna, der Kunstschule, des Gymnasiums und „Haigerloch Aktiv“ auf die Beine gestellte Veranstaltung hätte vielleicht noch etwas mehr Publikumszuspruch verdient, ungeachtet dessen war sie aber ein schöner Start in das, was im „Kulturort Nikolauskirche“ künftig noch alles passieren soll. Schon im Mai heißt das Thema „Restaurierung trifft Schule“ – eine gemeinsame Aktion von Restaurierungsbetrieben mit der Eyachtalschule. Dann gibt es eine noch nicht terminierte Veranstaltung, die sich mit dem in der Nikolauskirche beheimateten Fledermaus-Kolonie befasst und im September geht es schließlich zusammen mit dem Landratsamt um das Thema „Biotop-Verbund.
Zehntklässler sorgen für Bewirtung
Damit wird die Nikolauskirche zu dem, was sie laut Pfarrgemeinderat Ralf Schneider im Mittelalter immer gewesen ist: ein Ort der Bildung. Klaus Drescher, Judith Lenz und Martin Sprissler vom Verein „Haigerloch Aktiv“ waren jedenfalls, dankbar für die Chance, an diesem besonderen Ort, Kunst präsentieren zu können.
Für eine Bewirtung der Kunstaktion mit Getränken, Waffeln, Muffins und anderen süßen Sachen sorgten die Zehntklässler des Gymnasiums, um Geld für ihre Klassenfahrt nach Slowenien zusammenzubekommen. Nachmittags gab’s noch Musik.