Klaus Wickersheimer arbeitet an seiner Figur für „Kunst taucht auf“. Foto: Rahmann

Die Kombination aus „Meer“ und „Holz“, wie sie Klaus Wickersheimer in seiner Web-Adresse verwendet, ist wörtlich zu nehmen: Er arbeitet mit Treibholz.

Klaus Wickersheimer sitzt vor einer Wand voll kleiner Holzfiguren, die er aus vom Meer angeschwemmten Hölzern gearbeitet hat und die jeweils auf einen kleinen Sockel montiert sind: „Die habe ich alle am Mittelmeer gesammelt.“

 

Das Schwemmholz selbst hat so seine Besonderheiten, sagt Wickersheimer: Manchmal haben sich Muscheln darin ein Zuhause gesucht, manchmal Schnecken. Mal sind Steine im Holz eingeschlossen, mal wachsen Salzkristalle darauf. Das im Meerwasser gelegene Holz hat auch einen Nachteil: „Wenn es feucht wird, zieht das Salz die Feuchtigkeit an“, so der Holzbildhauer. Das Holz werde so schneller faul und morsch und sei daher nur für eine innerhäusliche Aufbewahrung geeignet.

„Klaus sucht Hölzer“

Das Arbeiten mit dem Meer-Holz hat bei einem Camping-Urlaub in Südfrankreich angefangen, so Wickersheimer, sie waren ungefähr fünf Familien mit Kleinkindern. Um diese zu beschäftigen, hieß es immer wieder: „Klaus sucht Hölzer, wer geht mit?“ Da die Kinder motiviert waren und eifrig gesammelt haben, hatte Wickersheimer letztendlich viel Material. Als er eine dreieckige Dünenbefestigungsleiste unter den gesammelten Hölzern entdeckte, kam ihm das erste Mal der Gedanke: „Ich mach da mal einen Kopf draus.“

Haare aus Schuhcreme Mittlerweile muss Wickersheimer auf seinen Urlaubszielen, vor allem in Frankreich, „bestimmte Stellen, an die man mit dem Auto nicht hinkommt“ mit einem „großen Rucksack“ aufsuchen, um seine Schwemmhölzer zu bekommen: „Früher war das so, dass da richtig viel gelegen ist. Mittlerweile räumen sie sehr flink den Strand auf.“

Den unteren Bereich der aufgestellten Figuren lässt Wickersheimer mehr oder weniger unbearbeitet: so ist das schroffe, vom Meer geformte Holz in all seinen Eigenarten zu sehen, aus dem der Künstler nach oben hin eine Figur herausschnitzt. Des weiteren gestaltet er die Figur mit Acrylfarbe und Kreide aus – ein dezenter Umgang mit Farbe ist ihm wichtig. Die Haare entstehen, indem er Schuhcreme aufträgt. Zudem ölt er die Hölzer meistens.

Besondere Eigenarten „Manches Holz gibt ganz schön was her, da kann man richtig kreativ werden“, sagt Wickersheimer. Gleichzeitig habe das Schwemmholz seine Eigenartigkeiten, über die der Künstler nicht einfach hinweggehen kann. Ob ein Insektenloch, oder eine eingeschlossener Stein: bei den Arbeiten mit Schwemmholz „sagt mir das Holz, wo es hingeht“.

Zwischendurch arbeitet Wickersheimer allerdings auch mit Lindenholz, das weich und kurzfaserig ist und das sich „hervorragend bearbeiten“ lässt: „Dann muss das Holz machen, was ich sag.“

Hubwagen und Hebebühne

Für die ersten groben Umrisse gehört eine Mini-Kettensäge zum Werkzeug des Holzbildhauers bei seinen kleinen Arbeiten. Doch er arbeitet auch in großem Format mit normaler Kettensäge – beispielsweise für die Ausstellung „Kunst taucht auf“ von Forelle Blau. Während er die kleineren Arbeiten in der Werkstatt in seinem Keller erledigt, kann er die großen Werke schon nicht mehr tragen und muss sie mit einem Hubwagen hin- und herschieben. In der Werkstatt von Flößermeister Thomas Kipp kann Wickersheimer auch mit einer Hebebühne arbeiten. Für große Arbeiten fertigt er zunächst ein Modell an und strukturiert seine Arbeitsabläufe, denn: „Wenn ich etwas weg säge, ist es weg.“

Schreinerkunst Holz ist für Wickersheimer, der auch Schreinermeister ist, „eine warme Sache. Ich kann das wunderbar anfassen und bekomme keine kalten Finger wie bei Metall.“ Insgesamt habe Holz „etwas Sinnliches“. Beispielsweise erinnert er sich an den Harzgeruch eines eigentlich schon verrottet aussehenden Stücks Pinienholz, der ihm bei der Bearbeitung angenehm auffiel.

Der Weg vom Handwerker zum Künstler gelang Wickersheimer schrittweise. Einige seiner Werke zeugen von diesem Übergang – beispielsweise glänzende Birnen und Äpfel aus Edelholz oder ein rustikales Brett, auf dem er Würfel mit Schubfächern aus Kirschholz montiert hat. „Da sieht man noch den Schreiner“, sagt er.

Holz- und Linolschnitte Neben seinen Skulpturen stellt Wickersheimer auch Holz- und Linolschnitte her, die er teilweise durch zusätzliche Papierausschnitte, mit denen er Teile des Bildes beim Drucken verdeckt und anschließend wieder aufdeckt, zu Unikaten macht. Aktuell hängen einige seiner Linolschnitte mit Motiven aus Schiltach, vom steilen Marktplatz bis hin zur äußeren Mühle, im Foyer des Rathauses – am Aschermittwoch werden sie gegen Bilder von Martina Dieterle ausgewechselt. Ein neues Projekt, das Wickersheimer anstrebt, sind Wirtshausschilder, deren Logos er als Drucke gestalten will.

Kopf durch die Wand

Ansonsten arbeitet er bereits an seinem Beitrag für „Kunst taucht auf“ – ihn interessiert es derzeit, Sprichwörter bildhauerisch umzusetzen. Für die Ausstellung am Schiltachufer hat er sich eins herausgesucht: „Mit dem Kopf durch die Wand gehen“.

Für die Szene 64 bietet Wickersheimer nun bereits im zweiten Jahr Workshops an, was er als „gegenseitiges Geben und Nehmen“ empfindet, da auch die „Ideen von den Leuten“ ihn inspirieren.

Wickersheimer in der Szene 64: Workshop Schnitzen: 10. und 11. Februar; Workshop Druck: 17. und 18. März