Beatrix Beck vor ihren neueren "Blümle"-Arbeiten in ihrem Atelier Foto: Rahmann

"Theater spielen" nennt Beatrix Beck ihre öffentlichen Aktionen – dass ihre Kunst auch einen Unterhaltungsaspekt hat, "ist für mich ganz wichtig", sagt sie. Vom Material her arbeitet sie vor allem mit Holz, das andere in den Ofen werfen würden.

"Spreißele", "Schittle", und "Blümle" – die Künstlerin Beatrix Beck findet illustre Namen für ihre Werkreihen. "Ich muss ja nicht so hochgestochen klingen", sagt sie und erobert mit ihren Werken immer wieder den öffentlichen Raum – beispielsweise, wenn sie den Schiltacher Markplatz mit über hundert "Wälder-Schittle" bestückt.

 

Schittle "wirft man eigentlich ins Feuer", sagt Beck, die 1947 in Hinterzarten geboren wurde. Es sind unbearbeitete Holzscheite, die sie aufeinander montiert und malerisch zu Figuren umgestaltet. "Das ist meine künstlerische Antwort auf den deutschen Gartenzwerg", sagte sie einst unserer Redaktion mit Bezug auf die Wälder-Schittle. Die kleine, ebenfalls bemalte Variante der Schittle sind die Spreißele. Die kleinen Holzstückchen, die man mit dem Beil abschlägt, um die Scheite anzuzünden, "hat man bei uns Spreißel genannt", so Beck zur Namensgebung.

Den Wald anmalen

Wie kommt die Künstlerin auf solche Ideen, wie beispielsweise die Bestückung des steilen Weges vor dem Rathaus mit einer Armee von Kontra-Gartenzwergen?

Ein Erlebnis inspirierte sie: Als sie 2010 vom Markgräferland, wo es mehr Weideflächen hat, nach Schiltach umzog, wo der "Wald viel enger ist", fehlte ihr ein ausschweifender Blick, den sie für die Entfaltung ihrer Fantasie benötigt. Auf der Suche nach Weite spazierte sie "auf den nächsten Berg, wo die Bäume hochstämmig wachsen". Dabei kam ihr ein Gedanke: "Du könntest doch eigentlich diesen Wald anmalen. Wie wäre das jetzt, wenn man die ganzen Stämme zu Figuren werden lässt? Was würde mit den Menschen passieren, die durchlaufen?"

Bis zu 20 Farbschichten

Von dieser Idee bis zu den 100 Wälder-Schittle scheint es kein allzu weiter Weg zu sein. Doch das Holz selbst leistet durch seine Eigenartigkeit so mancher Idee Widerstand. Oft passen die Vorstellungen, wo Beck eine Nase oder einen Mund auf das Holz malen will, nicht so richtig zum Holz. "Dann sag’ mir halt, wie du es haben willst", spricht die Künstlerin manchmal mit ihren Figuren. Eine andere Form will sie dem Holz nicht geben: "Ich schnitz’ an den Dingen nicht rum. Ich schnitz’ mit dem Pinsel."

Mit dem Pinsel "schnitzt" Beck allerdings sehr ausführlich: bis zu 20 Schichten Farbe sind auf ihren Schittle übereinander aufgetragen – so wirkt ein rundes Gesicht auf einer eckigen Holzscheitkante dreidimensional. Auch das "Spiel mit der Maserung" des Holzes ist ihr bei der Anfertigung wichtig.

Rahmen, Bild und Raum

In Freiburg hatte die ausgebildete Rahmenbauerin Beck Ende der 90er-Jahre an der Freien Hochschule Bildende Kunst studiert und nebenher in einer Galerie gearbeitet. Anschließend hatte sie sich als Galeristin unter dem Namen "Kunst und Rahmen" selbstständig gemacht.

Im Rahmenbau hat Beck einiges gelernt: Wie hochwertig oder einfach das Material eines Rahmens ist, sei egal. Aber "wenn ein Rahmen gut gemacht ist, muss er immer mit dem Bild korrespondieren – sonst ist es mehr nur eine Verpackung". Zusätzlich müsse der Rahmen auch in die Räumlichkeit passen, wo das Bild aufgehängt wird.

Beschäftigung mit "Bauern-Gotik"

Über die Beschäftigung mit Rahmen und Räumen hat sich Becks Blick über Bilder im engeren Sinne hinaus geschärft. Auf der regelmäßigen Fahrt durch das Schiltachtal sind ihre Augen beispielsweise auf dem Jäger-Hochsitz hängengeblieben, der "grau, klein und einsam auf der großen Wiese" stand. Schnell war der Kontakt zum Besitzer des Hochstands hergestellt und Beck bemalte fast zwei Meter hohe Bretter mit Blumen-Ornamenten, die sie anschließend am Hochsitz anbrachte.

Ganze Bilder voll mit jenen Blumen-Ornamenten in klein, die sie einfach "Blümle" nennt, sind neben den Schittle und Spreißele eine weitere Spezialität Becks. Die auf die Ornament-Ebene reduzierten Blumen haben nur vier Blütenblätter: "Wenn ich fünf nehmen würde, erzeugt das Unruhe." Auf der Suche nach einer Bildsprache des Schwarzwalds jenseits des berühmten Bollenhuts stieß Beck auf die als "Bauern-Gotik" bezeichneten Ornamente an Gebäuden sowie auf eingewebte Muster und Stickereien auf Trachten – diese nehmen oft Blumenform an, so Beck.

Wachsende Lust an Öffentlichkeit

Weil ihr in Schiltach manchmal die Leere und Weite fehlen, hat sie sich mit ihren Ornamenten "nach innen gezogen". Mit den Blümle am Hochsitz ist sie mit diesen Ornamenten dann aber wieder nach außen getreten und hat sich Raum verschafft.

"Die Lust, so etwas zu machen, wächst", sagt Beck, die schon neue öffentliche Projekte im Blick hat, über die sie allerdings noch nichts erzählen will. Bei den Blümle will sie jedenfalls bleiben und sie "ins Abstrakte oder ins Räumliche weitertreiben".

Im Abstrakten das Reale finden

Beck ist vom Expressionismus "sehr geprägt" und ein Fan von Abstraktion. "Immer schräg daneben", betont sie ihr Streben: "Das Ungenaue ist eher mein Ding, weil ich das entwickeln kann" und es helfe, "die Bewegung als solche" zu erfassen. Präzision ist ihr wichtig, aber sie sucht das "Exakte in der Verarbeitung, aber nicht im Ausdruck".

Den Prozess der Abstrahierung beschreibt sie dadurch, "dass ich mich durcharbeite durch etwas Reales, sodass ich im Abstrakten das Reale wiederfinde".

Baden im Surrealen

Mit der Realität geht Beck spielerisch um: auf einem Bild ist ein großer Schuh zu sehen, aus dem ein Kopf herauskommt. "Da könnt ich mich drin baden", sagt Beck zu ihren surrealen Arbeiten. Betrachter seien dagegen oft überfordert, aber das hindert die Künstlerin nicht am Experimentieren über die Grenzen des Möglichen hinaus: "Das müssen die Zuschauer dann halt aushalten." Die Motive für ihre Bilder kommen aus den Vorstellungen in ihrem Kopf, werden aber stetig durch neue Eindrücke gespeist, denn Beck arbeitet an ihrem "fotografischen Gedächtnis".

Neben ihrem Engagement für die "Forelle Blau" ist Beck auch beim AK Kunst organisiert, der den Flößerkunstweg mitorganisierte und für den sie einen symbolisierenden Flößerhut aus Metall entwarf.

Info: Die Serie

Neun Künstler haben sich unter Leiter Otto Schinle zur Gruppe Forelle Blau zusammengeschlossen und organisieren unter anderem die jährliche Ausstellung "Kunst taucht auf" am Schiltacher Ufer. Wir sprechen mit den einzelnen Künstlern über ihre Werke und deren Entstehung. Heute beginnt die lose Serie mit Betrix Beck.